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Kolumne: Wie Anne Zuber sich mit Bob, dem Rasenmäher anfreudet

Kolumne: Wie Anne Zuber sich mit Bob, dem Rasenmäher anfreudet
© SCHÖNER WOHNEN; Silja Götz
Intelligente Roboter werden Jobs vernichten, heißt es. Was die Gartenarbeit angeht findet SCHÖNER WOHNEN-Kolumnistin Anne Zuber das nur gut.

Wir leben in einem Haus mit Garten, doch kein Familienmitglied hat je Ambitionen entwickelt, sich darin zu verwirklichen. Mein Sohn interessiert sich vorrangig für Dinge, die Strom brauchen, mein Mann versteht das Konzept des Arbeitens in der Freizeit nicht, meiner Tochter ist es im Garten zu still, und ich habe keine Ahnung vom Gärtnern und hasse es, Dinge zu tun, von denen ich keine Ahnung habe.

Das Beste, was man also über unser Stück Grün sagen kann, ist, dass es sehr klein ist, noch viel kleiner, als Sie es sich jetzt vorstellen.

Der Weg zum Rollrasen

Früher war zwischen den Hecken, die es begrenzen, Rasen gewesen, den wir so drei-, viermal im Jahr gemäht und fünf- bis sechsmal gegossen haben, woraufhin sich das Gras mit der Zeit in eine Mischung aus Oregano, wilden Erdbeeren, Klee, Moos, Butterblumen und roten Ameisen verwandelte. Bis die Kaninchen meiner im Ausland weilenden Freundin Nadine in ihrem Outdoor-Stall Einzug hielten, der Hasienda. Von nun an trampelten mehrmals am Tag Kaninchenbetreuer über den Ex-Rasen, der bald nur noch Erde war. Der Hamburger Herbst und Winter tat sein Übriges, die Erde wurde zu Matsch, im Frühjahr blieb nur noch ein Ausweg: ganz von vorn anfangen. Die Vergangenheit hinter uns lassen. Rollrasen.

Es schmerzte kurz, als der Mann von der Gartenbaufirma auf unsere Terrasse trat, sich einmal umsah und fragte: "Was ist das denn?“. Aber was gab es für ein Juchhei, als er fertig war! "Ruf Jogi an“, sagte ich zu meinem Mann,

"Die EM 2024 kann hier stattfinden!“

Dann dachte ich nach. "Nein, zu strapaziös! Melde uns bei ‚Deutschland sucht den Superrasen‘ an!“ Ich war wie im Rausch. Vielleicht sollten wir einen Golfclub gründen? Mehrmals am Tag galoppierte ich in den zweiten Stock, um mir die Pracht von oben anzuschauen. Besonders gut gefiel mir, dass es links und rechts von uns deutlich strohiger und dünnhalmiger aussah. Innerhalb eines Vormittags waren wir von den Rasendeppen zu Rasenhelden geworden! Da streckte Svantjes Mann seinen Kopf über die Hecke. "Photoshop?“, fragte er. "Rollrasen!“, erklärte ich stolz. "Hübsch“, sagte er. "Wie lange gibst du ihm? Bis Oktober?“

Kulturwandel mit Bob, dem Rasenmäher

Ich wurde nachdenklich. Der "Was ist das denn?“-Mann hatte gesagt: mindestens zweimal in der Woche mähen, nach zehn Wochen düngen, ausreichend wässern. Wässern und düngen, so befand ich, könnten wir schaffen. Aber mähen? Zweimal in der Woche? Würden wir einen derartigen Kulturwandel meistern können? In der ersten Euphorie vielleicht. Doch auf Dauer? Vor meinem inneren Auge begann der Oregano bereits zu sprießen. Das gefiel mir nicht. Ich hatte vom Rasenerfolg gekostet, und ja, verdammt, er hatte mir geschmeckt. "Probier doch mal einen Mähroboter aus“, empfahl die Kollegin, die in der Redaktion die Gartenthemen betreut. "Du kannst einen zum Testen haben.“ Das klang in meinen Ohren ein bisschen wie: "Fahr doch mal mit einem Sattelschlepper ein Stück Butter kaufen.“ Doch warum nicht? Kaum war der Mähroboter bei uns eingetroffen, riss mein Sohn das Paket auf, studierte die Gebrauchsanweisung, hatte den Arbeitsbereich abgesteckt und steuerte etwas, das aussah wie eine riesige Maustaste, von seinem Handy aus.

Meine Tochter taufte ihn auf den Namen Bob und macht sich jetzt Sorgen, dass er auf seiner Station in der Ecke neben der Hasienda einsam sein könnte. Mein Mann findet es beruhigend, Bob mit einem Getränk in der Hand beim scheinbar ziellosen Herumstro- mern zuzuschauen. Und ich bin froh, dass da ein Profi seine Arbeit tut. Jetzt haben wir nur Angst vor dem Tag, an dem wir Bob zurückgeben müssen. Er passt so gut zu uns! Und man braucht für ihn keinen LKW-Führerschein.

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