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Design ist Performance: 5 Fragen an Morgann Lechat

Morgann Lechat
© Alicja Fraczek
Morgann Lechats erste große Liebe? Das Zeichnen. Und dieser ist er bis heute treu geblieben. Der französische Designer und Illustrator verrät im Interview, warum er sich einen bedeutungsvolleren Umgang mit Gegenständen wünscht, wieso Rituale so wichtig sind und dass er keinem einen Fernseher zu Hause empfehlen würde.

Morgann Lechat wurde 1988 in Frankreich geboren. Der französische Designer und Illustrator machte sich nach seinem Grafikdesign-Studium als Freiberufler selbstständig und lebte eine Zeit lang in Warschau, bevor er wieder nach Frankreich zog und 2018 dort das Kreativstudio "Saisons" mitbegründete. Das allgemeine Bedürfnis nach Nähe während des letzten Jahres greift der Illustrator für Rosenthal in der limitierten Geschirr-Kollektion "Far, Far, Closer" auf.

5 Fragen an Morgann Lechat:

Was macht gutes Design aus?
Bei meinem Verständnis von gutem Design geht es nicht nur um den reinen Industrieberuf oder die Idee, Probleme zu beheben. Ich sehe Design gerne als Performance. Es ist etwas, mit dem wir uns täglich beschäftigen, wenn wir uns präsentieren, uns verkleiden, den Tisch decken oder ein Gespräch am Telefon führen. In gewisser Weise ist es ein Set-up, ein erster Eindruck. Gutes Design erzählt eine Geschichte, es weckt Gefühle in uns. Stimulation steht dabei für die Qualität. Ein Freund hat mir einmal gesagt, Design sollte heroisch sein, ich liebe diesen Ansatz.

Auf welches Produkt sind Sie aktuell besonders stolz und warum?
In den letzten Jahren habe ich mich wieder dem Zeichnen verschrieben, meiner ersten großen Liebe. Ich hatte die Gelegenheit, mit Rosenthal eine Porzellankollektion namens "Far, Far, Closer" zu entwerfen. Die Sammlung erzählt die Geschichte einer intimen Reise, eines Spaziergangs zur Achtsamkeit. In dieser seltsamen Zeit im Sommer 2020 hatte ich eine Art Freibrief in Sachen Design, weshalb die Kollektion sehr instinktiv und persönlich geworden ist. Ich bin sehr gespannt darauf, wie die Kollektion angenommen wird und welchen Platz diese Objekte im Leben der Menschen einnehmen. Es war eine erstaunliche Erfahrung und eine tolle Zusammenarbeit mit großartigen Menschen, die ihr Handwerk beherrschen.

Geschirrkollektion "Far, far, closer"
Geschirrkollektion "Far, Far, Closer" von Morgann Lechat für Rosenthal.
© Rosenthal

Was ist Ihr Lieblingsplatz in der Wohnung und warum?
Seit meiner Kindheit führe ich ein ziemlich nomadisches Leben und jedes Zuhause war immer nur vorübergehend. Deshalb habe ich mir auch nie die Fähigkeit antrainiert, mir mein Zuhause gemütlich zu gestalten. Meine Umgebung war und ist meist sehr minimalistisch. Meine Lieblingsorte in unserem Haus sind: die Küche, mein Studio und die kleinen Treppen, die nach draußen führen. An diesen Orten fühle ich mich wohl, sie bieten mir Freiheit und schaffen ein inneres Gleichgewicht. In der Küche beginne ich den Tag mit dem Frühstück für meine Tochter und beende den Tag mit dem Abendessen mit meiner Frau. Es ist der Ort der Rituale, der Ort zum Teilen und um sich Zeit zu nehmen. Mein Studio ist mein "Ausdrucksraum", in dem ich den größten Teil meiner Tage verbringe. Es ist ein sehr persönlicher Ort für mich, an dem ich mich selbst täglich herausfordere. Auf den kleinen Treppen warten meine Laufschuhe, die mich zu meinen täglichen Fluchten in der Natur führen. Ich arbeite zu Hause auf dem Land, umgeben von Wäldern und nicht weit vom Meer entfernt. Manchmal ist der beste Ort des Wohnraums die Natur drumherum.

Welche Living-Trends werden uns die kommenden Jahre beschäftigen?
Das ist schwer zu sagen. Im letzten Jahr ist klar geworden, dass eine Krise solche Trends schnell auf den Kopf stellen können. Ich wünsche mir eine bedeutungsvollere Bindung zu den Gegenständen, die man besitzt und mit denen man sich umgibt. Gerade aktuell sind solche emotionalen Beziehungen sehr wichtig. Ich frage mich immer häufiger, wie fühle ich mich in diesem Shirt und warum ist das so? Warum habe ich diese Tasse gewählt und nicht die andere? Die Welt braucht realere Geschichten, die die Menschen dazu bringen, sich selbst zu hinterfragen und besser kennenzulernen.

Ihr bester Lifehack in Sachen Einrichten?
Keinen Fernseher zu besitzen. Fernzusehen war bei uns zu Hause ein seltener Leckerbissen, da meine Eltern großen Wert darauf gelegt haben, dass meine Schwester und ich viel Zeit draußen verbringen. Das hat uns natürlich extrem frustriert. Irgendwann begannen wir dann stattdessen Bücher und Comics zu lesen. Ich war besessen von den Bildern und Grafiken und habe angefangen zu zeichnen. Das war für mich ein wichtiger Schritt, da ich so begriffen haben, dass ich durch die Kunst meine eigenen Geschichten erzählen möchte.

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