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Zwischen Opulenz und Minimalismus: 5 Fragen an Hanna Krüger

Hanna Krüger
© Studio Hanna Krüger
Ihre Arbeiten sind innovativ und trotzdem traditionell. Bei ihren Designs trifft reduzierte Formensprache auf malerische Opulenz. Designerin Hanna Krüger hat sich mit ihrem experimentellen und zugleich konkreten Stil einen Namen gemacht.

Nach einer Ausbildung zur Tischlerin und einem Studium an der Werkakademie entschied sich Hanna Krüger für ein Studium des Produktdesigns an der Kunsthochschule in Kassel. Nach ihrem Abschluss gründete sie 2011 ihr eigenes Studio und arbeitet mittlerweile für Marken wie Rosenthal.

5 Fragen an die Designerin:

Was macht gutes Design aus?
Auf der einen Seite fügt sich gutes Design ohne viel Aufheben in den eigenen Alltag ein und bereitet einem durch seine Benutzung oder auch einfach nur durch seine Anwesenheit Freude. Es berührt den Menschen auf einer sinnlichen Ebene. Gutes Design muss aber auch nicht immer widerspruchslos sein. Dinge, die einen inneren Bruch haben, sind oft anregender. Vor Kurzem habe ich ein Interview mit Stefan Sagmeister gelesen – er sprach über die Schönheit und definierte diese für sich damit, dass etwas schön ist, wenn es gut gemacht ist. Ich finde, damit trifft er es ziemlich genau. Auch gutes Design ist etwas, dass einfach gut gemacht ist. Und dafür gibt es viele Möglichkeiten.

Auf welches Produkt sind Sie aktuell besonders stolz und warum?
Besonders am Herzen liegt mir im Moment der Entwurf der Glasleuchte "Typ". Sie ist noch fast gar nicht veröffentlicht worden. Wir haben sie im Zusammenhang mit einer Ausstellung zum Bauhausjubiläum entworfen und eigentlich sollte sie in diesem Jahr im finnischen Glasmuseum in Riihimäki gezeigt werden. Ein tolles Museum, dessen Innenraum von Tapir Wirkkala gestaltet wurde. Im Zuge der Ausstellung haben wir unterschiedliche Designer*innen und damit auch uns selbst eingeladen, ausgehend von nicht mehr existierenden Leuchtenetwürfen von Wilhelm Wagenfeld neue Designs zu entwickeln. Somit ist auch diese Leuchte eine Hommage. Sie hat eine unglaublich magische Lichtwirkung, welche besonders durch die Dopplung der Gläser entsteht.

Glasleuchte Typ
Glasleuchte "Typ" von Hanna Krüger.
© Fabian Frinzel

Was ist Ihr Lieblingsplatz in der Wohnung und warum?
Ich habe zur Zeit zwei Lieblingsorte. Zum einen verbringe ich jeden Tag zumindest ein paar Minuten am Flügel. Ich bin mit der Klaviermusik meines Vaters aufgewachsen, musste dann Umwege über andere Instrumente nehmen und habe mir nun vorgenommen, dahin zurückzukehren. Mein Sohn putzt sich die Zähne und ich spiele währenddessen Klavier. Mein zweiter Lieblingsplatz ist vor dem Kamin auf unserem "Mags" Sofa von Hay. Es musste schon so einges aushalten und zahlreiche Saltosprünge überstehen - für uns gehört es einfach zum Familienleben dazu.

Welche Living-Trends werden uns die kommenden Jahre beschäftigen?
Durch diese besondere Situation verbringen wir aktuell viel mehr Zeit zu Hause. Ich denke, dass sich das auch stark auswirken und die Menschen nachdenklicher und bewusster im Umgang mit Ihrer (Wohn-)Umwelt machen wird. Wir versuchen im Moment so viele Bedürfnisse zu Hause zu bündeln: eine gute Arbeitsatmosphäre, eine angenehme Wohnsituation und bestenfalls noch die Einbindung von Natur. Sowohl Aspekte der Nachhaltigkeit als auch die Frage nach natürlichen Materialien und Oberflächen wird meiner Meinung nach im Fokus stehen.

Ihr bester Lifehack in Sachen Einrichten?
Über diese Frage musste ich länger nachdenken. Besteht der Alltag einer Entwerferin nicht ohnehin aus pausenlosen Lifehacks und liegt nicht jedem Entwurf eigentlich eine Lifehack zu Grunde? Ich habe eine Schwäche und Leidenschaft für Vasen. Sie sind skulptural und unglaublich dankbar. Darum entwerfe ich sie auch so gerne. Für ein Vasenprojekt, bei dem es um den Entwurf eines Dekors ging, habe ich alte japanische Porzellanvasen bearbeitet und damit ein Verfahren im Umgang mit Dekor entwickelt. Dafür habe ich Teile des vorhandenen Dekors mit Klebeband machmal auch mit unterschiedlichsten Aufklebern verdeckt. Aus dem alten Dekor ist so etwas gänzlich Neues geworden. Neue und alte Muster überlagern sich und fangen an, miteinander zu kommunizieren – plötzlich wird auch das kitschigste Dekor attraktiv. Einige dieser ersten Versuche verwende ich in dieser rohen Form immer noch sehr gerne.

Tipp: Tolle Leuchten finden Sie auch im SCHÖNER WOHNEN-Shop.

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