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Wieviel Licht brauchen wir?

Architekt und Lichtdesigner Prof. Dr. Thomas Römhild über die Bedeutung von Beleuchtung in den eigenen vier Wänden, den individuellen Lichtanspruch und den neuen Umgang mit künstlichen Lichtquellen.
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Herr Römhild, wirkt sich Licht auf unsere Stimmung aus?
Ja, auf jeden Fall! Licht ist die Komponente in der Architektur und Innenarchitektur, die die Atmosphäre im Raum beeinflusst. Licht ist tonangebend. Das Ambiente beeinflusst unsere Stimmung. Das merken wir schon daran, wenn wir an einem hellen Sommertag viel besser gelaunt sind, als an einem verregneten Novembertag. Es gibt viele Situationen, in denen die Menschen sich ein bestimmtes Licht wünschen, sodass eine Atmosphäre geschaffen wird, die die erwartete Stimmung unterstützt. An Weihnachten ist es zum Beispiel das besinnliche Weihnachtslicht, zahlreiche warme Lichtquellen wie Kerzen, die eine festliche Stimmung hervorrufen.

Also kann uns Licht glücklich machen?
Mhm schwere Frage. Was ist Glück? Angemessenes Licht macht sicherlich zufriedener, weil es zur Atmosphäre passt. Dabei muss ein "mehr" an Licht nicht unbedingt besser sein. Es geht tatsächlich eher um Qualität und das richtige Maß. Es gibt viele Situationen, in denen uns weniger Licht glücklicher macht.

Gibt es für jeden das "richtige" Licht?
Der Umgang mit Licht ist etwas sehr Individuelles. Die visuelle Wahrnehmung des Menschen beruht auf Erfahrungen. Unsere Erfahrungen mit Licht prägen unseren Umgang mit Licht heute. Deshalb kann gutes Licht für jeden Menschen anders aussehen. Physiologische und kulturelle Komponenten spielen dabei natürlich auch eine wichtige Rolle.

Welche Bedeutung spielt das Licht heute im Leben der Menschen?
Licht ist die Brücke zwischen Mensch und Raum. Ohne Licht könnten wir den Raum, in dem wir leben, nicht wahrnehmen. Wir leben heute sehr von der Uhr bestimmt und wollen unseren Aktivitäten nachgehen können, auch wenn es gerade nicht hell ist. Das künstliche Licht gewinnt also immer mehr an Bedeutung.

 

Lichtdesigner Thomas Römhild

Architekt und Lichtdesigner Prof. Dr. Thomas Römhild im Interview.

Haben Sie Tipps für eine gute Beleuchtung zu Hause?
Ich glaube einer der größten Fehler ist es, wenn man das Licht in den eigenen vier Wänden monofunktional betrachtet, es folglich nur eine Lichtquelle oder eine Beleuchtungsform im Raum gibt. Wer eine klassische Leuchte in der Mitte des Zimmers stehen hat, schränkt seine Möglichkeiten in Sachen Lichtdesign sehr ein. Leuchten sind für zwei Aufgaben zuständig: Licht und Atmosphäre. Je nachdem, was man in den Räumen tun möchte, gibt es verschiedenste Lichtlösungen. In einer Küche braucht man zum Beispiel gutes Licht zum Arbeiten, auf der anderen Seite aber auch eine gemütliche Stimmung beim abendlichen Zusammensein. Noch komplexer ist der Wohnraum, in dem wir ganz unterschiedlichen Tätigkeiten nachgehen. Man sollte sich vor einer Lichtplanung überlegen, welche Ansprüche man an die Atmosphäre und die Funktion des Lichtes stellt.

In der heutigen Zeit spielen künstliche Lichtquellen wie der Laptop oder das Handy eine immer wichtigere Rolle - beeinflusst uns das?
Seit einigen Jahren ist es nachgewiesen, dass das Licht, genauer gesagt der Blauanteil des Lichtes, Einfluss auf unsere innere Uhr hat. Besonders beim künstlichen Licht kommt es daher auf die richtige Dosierung an, da wir es immer dann nutzen, wenn das Tageslicht nicht zur Verfügung steht. Natürlich können wir uns dieser Art des Lichtes nicht ganz entziehen, sollten jedoch zum Beispiel darauf achten, kurz vor dem Einschlafen keine Bildschirmarbeit mehr zu leisten, um unseren inneren Rhythmus nicht durcheinander zu bringen.

Was machen die Leute falsch?
Oft wird versucht nur das unbedingt notwendige Licht einzuschalten. Viele löschen beim Fernsehen beispielsweise alle anderen Lichtquellen, sodass nur der Bildschirm hell erleuchtet ist. Dieses Leuchtdichtegefälle im Raum bildet dann einen sehr starken Kontrast – heller Bildschirm, dunkler Raum. Ratsam ist es, dies durch eine Beleuchtung der Wand hinter dem Fernseher zu vermeiden. Es sollten also mehrere Leuchten, Steh- und Hängeleuchten, variiert werden, um den ganzen Raum in Stufen aufzuhellen.

 

 

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Sie sind ein Experte im Fachgebiet der Lichtplanung. Was macht gutes Lichtdesign aus?
Gutes Lichtdesign kombiniert Architektur mit Licht, da unsere Wahrnehmung zu 80 Prozent visuell ist. Da wir uns darüber hinaus zu 90 Prozent unseres Lebens in Innenräumen aufhalten, haben wir einen großen Bedarf an einer angemessenen Gestaltung, sowohl im Bereich des Kunst- als auch des Tageslichtes. 2001 wurde der Studiengang "Architectural Lighting Design" an der Hochschule Wismar gegründet, mit dem wir dieses Berufsfeld professionalisiert haben.

Das Licht gilt in der Architektur als 4. Dimension. Auch beim Einrichten?
Auf jeden Fall. Als 4. Dimension im Raum betrachtet man häufig die Zeit. Das Licht steht der Zeit in Sachen Raumerlebnis dabei in nichts nach. Licht verändert die Architektur im Laufe des Tages mehrfach. Und nicht nur das. Licht kann auch Indikator für Tages- und Jahreszeit sein und somit verschiedene Lichtszenen in Innenräumen schaffen, die ganz unterschiedlich wirken.

Auf welche Lichttrends dürfen wir uns 2020 freuen?
Trends sind natürlich immer schwer vorauszusagen. Die verbesserte Regelbarkeit der LED-Beleuchtung, sowie die Verknüpfung mit anderen elektronischen Geräten wird unseren Umgang mit Licht in den nächsten Jahren enorm verändern. Wir werden vermutlich bewusster mit Licht umgehen und es zielgerichteter einsetzten. Auch die Vielfalt an Lichtquellen wird weiter zunehmen, sodass wir noch spezifischer entscheiden können, welche Lichtstimmung und welche Leuchte zu welcher Situation passt.