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Bodenfliesen streichen – eine Anleitung

Lackierte Bodenfliesen in Schwarz und Weiß
Bodenfliesen lassen sich mit Speziallacken für strapazierte Keramik-, Beton - oder Steinzeugflächen streichen.
Hier: Fliesenlack "2K" von www.epodex.com
© Epodex
Die Bodenfläche wird häufig übersehen – dabei ist sie wie die Wand tonangebend in einem Raum. Wer in die Jahre gekommene Bodenfliesen nicht aufwendig entfernen möchte, kann sie einfach lackieren. Wie man alte Bodenfliesen streicht? Unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung hilft weiter.

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Eigentlich sind die Bodenfliesen im Badezimmer noch gut in Schuss, aber dieser Braunton... Eine aufwendige Renovierung der Küche passt frühestens im kommenden Jahr ins Budget, aber die Bodenfliesen mit ihrem speziellen Muster bis dahin nicht ins Einrichtungskonzept? Jetzt bloß nicht entmutigen lassen, denn mit etwas Lust auf Veränderung und Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten kann man mit wenig Aufwand und ein bisschen Handwerksgeschick vieles selbst machen kann – sogar Bodenfliesen so übermalen, dass sich einige Monate darauf wohnen lässt. 

1. Bodenfliesen streichen – das ist die Herausforderung

Farbig gestrichene Fliesenböden sind eine charmante Lösung für ein typisches Altbau-Problem: Die Kacheln sind abgenutzt, haben schadhafte Stellen oder ein Muster, das nicht mehr gefällt – da liegt Überstreichen mit einer Bodenfarbe nahe.

Klar, für die Ewigkeit gemacht ist ein lackierter Fliesenboden nicht, denn mit der Zeit stößt sich die Fläche durch regelmäßiges Betreten ab, und feine Kratzer legen die ursprünglichen Bodenfliesen wieder frei. Denn auch wenn Fliesenfarben und Fliesenlacke heute eine gute Qualität haben, sind sie doch empfindlicher als konventionelle Fliesenböden. Doch als Übergangslösung können lackierte Bodenfliesen in der Zukunft geplante Sanierungsarbeiten etwas hinauszögern – und bis dahin unschöne Kacheln oder vorhandene Schäden kaschieren.

Fliese "Calacatta" von Roca
Wenn die XXL-Fliesen in Marmoroptik noch eine Weile aufgeschoben werden müssen, können lackierte Bodenfliesen eine gute Zwischenlösung sein. Sie kaschieren unschöne Kacheln und verschaffen so Zeit – zum Beispiel bis eine Renovierungsmaßnahme ins Budget passt.
© Roca

Dabei gibt es zwei Herausforderungen. Die erste: Ein ebenmäßiges Streichergebnis zu erzeugen ohne Flecken, Streifen oder Schlieren. Die zweite: Dieses Ergebnis über Monate zu erhalten, um sich nicht über Kratzer, Rillen und durchscheinende Orginalfliesen (schließlich sollten die auf Nimmerwiedersehen verschwinden) zu ärgern.

2. Die Vorbereitung der Bodenfliesen

Beseitigen Sie Öle, Fett, Gummiabrieb, Silikon oder andere trennend wirkende Substanzen restlos. Dichtstoffe müssen Sie mechanisch (beispielsweise mit einem Cuttermesser oder einem Ceranfeldkratzer) entfernen und den Bereich anschließend mit Silikonentferner saubermachen. Schleifen Sie die Fliesen feucht mit Schleifschwämmen oder Schleifpapier an und reinigen Sie diese gründlich. Keramikstaub und Reste von Fugenmasse würden als Trennmittel dafür sorgen, dass der Lack anschließend nicht richtig auf den Bodenfliesen haftet. Reste von Bodenpflege und Lotusbeschichtung müssen vor dem Streichen gründlich mit Spezialreinigern entfernt werden.Daher: Lieber mehrfach wischen und zwischen den Arbeitsschritten gut trocknen lassen.

Bodenfliesen streichen – Wichtiges auf einen Blick

  • Grundsätzlich lässt sich jede Bodenfliese streichen, sofern Beschädigungen wie Haarrisse zuvor ausgebessert wurden.
  • Einige Fliesen, beispielsweise solche aus Naturstein oder Beton, benötigen spezielle Haftgrundierungen und Spezialfarben.
  • Achtung in Mietwohnungen: hier vorher immer die (schriftliche!) Einwilligung des Eigentümers einholen.
  • Bei wenig beanspruchten Bereichen reicht ein Ein-Komponentenlack, sonst immer auf einen Zwei-Komponentenlack setzen.
  • Alternativ: Kreidefarbe mit Lack-Finish und einem Klarlack als Oberflächenbeschichtung der Bodenfliesen.

3. Kleine Risse in den Bodenfliesen reparieren

Sind bei der Reinigung kleine Haarrisse aufgefallen, sollten Sie diese mit einem Fliesenspachtel ausbessern. Für größere Schäden oder gröbere Risse eignet sich sogenannter Feinspachtel, dessen Oberfläche anschließend leicht angeschliffen wird. Damit lassen sich sogar Boden- und Wandfliesen entnehmen und austauschen oder die entstandene Fläche auffüllen.

4. Bodenfliesen grundieren

Je nach gewähltem Lack für die Bodenfliesen und Beschaffenheit der Keramik ist eine Grundierung nötig. Sinnvoll ist sie zumeist sowieso, denn die erste Schicht Farbe macht jede weitere strapazierfähiger und verbessert ihren Halt. Bestenfalls wird die Grundierfarbe, auch Haftgrund genannt, mit einer Schaumstoffrolle aufgetragen. Das reduziert Spritzer und sorgt für ein ebenmäßiges Ergebnis. Knifflige Ecken und Kanten lassen sich mit einem Pinsel bearbeiten.

5. Fugen vorstreichen oder auskratzen

Ist die Grundierung getrocknet, geht es weiter mit der eigentlichen Lackschicht für die Bodenfliesen – oder sie entscheiden sich, die Fugen zu bearbeiten, um ein komplett lackiertes Fliesenbild zu vermeiden.

Achtung: Manuelles Auskratzen mit dem Fugenkratzer oder Fugenhai ist zeit-, schmutz- und kraftaufwändig. Wer sich für diesen Weg entscheidet, leiht sich bestenfalls eine elektrische Fugenfräse (bekommt man im Baumarkt meist für kleines Geld).

Rühren Sie die gewählte Fliesenfarbe gut auf und streichen Sie auch hier zunächst die Fugen mit einem Ringpinsel vor. Tipp: Jeweils Teilflächen von 4 x 4 Fliesen vorbereiten, da die Farbe sonst zu schnell antrocknet und das Streichergebnis ungleichmäßig wirken kann.

6. Bodenfliesen streichen

Nehmen Sie jetzt die Schaumstoffwalze zur Hand und streichen Sie die Flächen nass in nass, diagonal und vom Licht weg. Für eine gute Wasserbeständigkeit und eine möglichst höhe Abriebfestigkeit sind meist mindestens zwei Anstriche der Bodenfliesen notwendig. Anschließend unbedingt gründlich trocknen lassen.

Tipp: Viele Hersteller von Lackfarben bieten auch extra strapazierfähige Farben zum Streichen von Bodenfliesen und Fliesen mit dauerhaftem Wasserkontakt (beispielsweise in der Dusche) an. Im Fachhandel gibt es außerdem Fliesenlacksysteme, bei denen sich Farbtöne für Bodenfliesen individuell anmischen lassen. Achten Sie dabei darauf, dass Sie den Farbton gegebenenfalls wieder nachmischen können.

7. Lackierte Bodenfliesen und Fugen nachbearbeiten

Haben sie die alten Fugen zuvor entfernt, sollten Sie die "frischen" Fugen erst dann auffüllen, wenn die abschließende Lackierung gänzlich getrocknet und ausgehärtet ist – je nach Farbe und Hersteller kann dies 24 Stunden oder bis zu mehrere Tage dauern. Aufschluss gibt das Datenblatt des jeweiligen Farbherstellers, in dem sich meist auch lesen lässt, ob dieser eine Versiegelungsfarbe für den verwendeten Lack empfiehlt.

Sinnvoll ist diese an stark beanspruchten Stellen zumeist, denn sie hilft dabei, Kratzer und Abnutzungserscheinungen zu vermeiden oder zumindest zu verzögern. Achtung: nicht zu früh zur Tat schreiten. Insbesondere Klarlack wird durch ein zu frühes Verfugen mattiert, da die Fugenmasse wie Polierpaste wirken kann.

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