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Farbenlehre – die Bedeutung von Farben und wie sie wirken

Farbenlehre – die Bedeutung von Farben und wie sie wirken
© Ilona Habben
Farben bedeuten mehr als nur Rot, Grün und Blau – dahinter verbirgt sich ein ganzer Wissenschaftszweig. Die Anfänge der Farbenlehre reichen bis ins Mittelalter zurück.

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In unseren Augen befinden sich 137 Millionen Photorezeptoren, die 70 Prozent aller menschlichen Sinneswahrnehmungen aufnehmen. Den Großteil aller Informationen erhalten wir im Laufe unseres Lebens über die Augen. So ist es kein Wunder, dass Farben und ihre Funktionen seit jeher faszinieren und in der Psychologie eine große Rolle spielen. Nicht minder wichtig sind Farben bei der Einrichtung, denn richtig dosiert wirken sie sich nicht nur auf den Stil eines Raumes aus, sondern auch auf das Wohlbefinden seiner Bewohner.

Von da Vinci bis Newton – die Anfänge der Farbenlehre

Farbenlehre – die Bedeutung von Farben und wie sie wirken

Bereits der Renaissance-Künstler Leonardo da Vinci war von Farben fasziniert und hat im 15. Jahrhundert versucht, ein System in die Farbenvielfalt zu bringen. Mit seiner Vermutung, dass Gelb eine "einfache Farbe" sei und Blau eine zusammengesetzte Farbe aus Licht und Finsternis, war er ein Mitbegründer der Farblehre. Isaac Newton führte da Vincis Theorien zu Beginn des 18. Jahrhunderts fort. Er schickte Licht durch ein gläsernes Prisma und kam so zu dem Ergebnis, dass weißes Licht zusammengesetzt ist und durch das Glas in seine Farben zerlegt wird wie bei einem Regenbogen. Diese Farben benannte Newton Spektralfarben, die er als Grundlage für seinen Farbkreis nahm. Danach sind Rot, Grün und Blau die Grundfarben, die als Summe Weiß ergeben. Schwarz gilt in diesem Modell als Abwesenheit von Licht.

Auf dem Farbkreis gegenüberliegende Farben bezeichnet man als Komplementärfarben. Komplementärfarben sind sehr kontrastreich und heben die Leuchtkraft der jeweils anderen Farbe besonders hervor.

Der Farbkreis von Goethe und seine Untersuchungen zur Farbenlehre

Farbenlehre – die Bedeutung von Farben und wie sie wirken

Ende des 18. Jahrhunderts beginnt auch Johann Wolfgang von Goethe, Forschungen zum Thema Farbe anzustellen. Für Goethe gibt es sechs Grundfarben: Purpur, Rotgelb, Gelb, Grün, Blau und Rotblau. Mit ihren Übergängen setzten sie sich zu einem kontinuierlichen Farbkreis zusammen. Diesen Farbkreis benutzte er zur Symbolisierung des menschlichen Geistes- und Seelenlebens. Das Konzept der Grundfarben, die sich aus keinen anderen Farben mischen lassen, hängt stark von kulturellen Traditionen ab. Das am weitesten verbreitete europäische System sieht Gelb, Rot und Blau als Primärfarben an. Aus ihnen lassen sich alle anderen Farben, also Sekundär- und Tertiärfarben, herstellen. Werden die drei Primärfarben gemischt, entsteht Grauschwarz. Goethes Farbenlehre bildet die Grundlage für viele weitere Farbtheorien, die im Laufe der folgenden Jahrhunderte bis heute aufgestellt wurden.

Wie Farben gemischt werden

Wer eine Wand in einem hellen Blau streichen möchte, für den ist es relativ einfach: Er gibt unter die weiße Wandfarbe einfach einen Schuss blaue Abtönfarbe. Für ein helles Violett ist es noch etwas Rot. Mit diesem Prinzip lassen sich nahezu alle Farben anmischen – so wie früher mit dem Malkasten in der Schule. Farbpigmente schlucken für den gewünschten Farbton jeweils die anderen Töne aus dem Sonnenlicht. Bei Rot sind das die Grün-, Gelb- und Blau-Anteile – sichtbar bleibt nur Rot. Diese Form der Farbmischung nennt sich subtraktiv – es werden Farbanteile abgezogen. Mit jeder neuen Farbe nimmt dabei die Farbhelligkeit ab. Mischt man viele Farben zusammen erhält man ein Schwarzbraun.

Farblehre: Additive und subtraktive Farbmischung
Zwei Arten von Farbmischung gibt es: die additive und die subtraktive Farbmischung. Erste gilt für farbiges Licht, die zweite für Wandfarbe und andere Farben mit Pigmenten.
© Ddp Images / Peter Hermes Furian

Bei farbigem Licht ist der Effekt genau anders herum. Hier kommt die sogenannte additive Farbmischung zum Einsatz – die Helligkeit nimmt zu. Im Prinzip ist es der umgekehrte Regenbogeneffekt. Anstatt wie beim Regenbogen aus weißem Licht die Spektralfarben zu erzeugen, bilden bei der additiven Farbmischung mehrere Farben zum Schluss Weiß. Sprich: Wer seine Wand mit farbigen Spots in Rot, Blau und Grün anleuchtet und diese Farbfelder überlagert, wird in ihrem Schnittpunkt einen weißen Fleck erhalten.

Farbgestaltung für zu Hause

Tatsache ist, dass wir Menschen tagein, tagaus von Farben umgeben sind, die auf unsere Psyche und unser Wohlbefinden großen Einfluss haben können. Dabei sind Sehkraft, Alter und Gesundheitszustand ebenso wichtig wie die farblichen Eindrücke, die wir im Laufe unseres Lebens aufgenommen haben. Die Farbgestaltung in unseren eigenen vier Wänden kann also sehr viel zu unserem Wohlbefinden beitragen: Blau beruhigt, Rot macht lebendig und Gelb versprüht gute Laune. Also, wie möchten Sie gern wohnen?

Wie beeinflusst Licht die Farbwirkung?

Nachts sind alle Katzen grau – und ohne Licht keine Farbe, so einfach ist das. Beide teilen ihre Stärken und Schwächen. Ist das Licht flau, können sich Farben nicht in voller Pracht entfalten. Deshalb ist es beim Einrichten und Streichen wichtig, den richtigen Ton zu treffen und Licht und Farben aufeinander abzustimmen. Und so geht’s: Nehmen Sie weiße Tapete oder große Pappen, streichen Sie ein Stück in der gewünschten Farbe, vielleicht sogar in helleren und dunkleren Nuancen, und pinnen Sie es an die Wand. Bei jeder Tages- und Nachtzeit begutachten – und erst dann entscheiden. In jedem Fall ist es wichtig, die unterschiedlichen Effekte von natürlichem und künstlichem Licht zu berücksichtigen. So ist es zum Beispiel ein klassischer Irrtum, Zimmer nach Norden weiß zu streichen, in der Annahme, dass sie dadurch freundlicher wirken. Im Schatten sieht Weiß jedoch grau aus und macht den Raum eher trostlos. Leuchtende Farben wie Himmelblau oder Sonnengelb wirken dagegen frisch und aufmunternd, und Rottöne strahlen Optimismus aus, weil sie das Licht warm reflektieren. Schattige Räume lieben das, probieren Sie es aus.

Welche Farbsysteme gibt es?

Trendbewusst: Pantone
Bekannt ist der amerikanische Farbstandard vor allem für die "Pantone Colour of the Year", mit der das 1963 gegründete Unternehmen jedes Jahr eine Trendfarbe ausruft (dieses Jahr sogar zwei: "Very Peri" und "Popcorn"). Die Pantone-Palette basiert auf 18 Basisfarben, die miteinander gemischt werden und so sämtliche fein nuancierte Farben des Systems ergeben. In der Druck- und Grafikbranche ist Pantone weltweit Standard, es gibt mit dem "Pantone Fashion, Home + Interiors System" jedoch auch eine Palette, die in Mode und Innenarchitektur eingesetzt wird. www.pantone.com

Violette Accessoires als Flatlay
Mutiger Farbakzent: die Pantone-Farbe des Jahres 2022 "Very Peri".
© Pantone

Traditionsreich: RAL
Im Jahr 1927 veröffentlichte der deutsche "Reichs-Ausschuss für Lieferbedingungen" (RAL) eine Sammlung von 215 Farbtönen als Industrienorm, um das Hin- und Herschicken von Farbmustern überflüssig zu machen. Gedacht für Lackierungen technischer Produkte, beinhaltet die Palette Töne mit Namen wie Zementgrau, Verkehrsrot oder Hellelfenbein (die Taxi-Farbe). Fürs Wohnen sind vor allem die vielen Grautöne mit Nuancen von Blau, Beige oder Grün interessant. Als Standard beim Bauen hat sich das Reinweiß RAL 9010 etabliert, ein etwas wärmerer Weißton, der mit Altbauten gut harmoniert. Fast alle RAL- Töne werden im Baumarkt angemischt.
www.ral-farben.de

Feingeistig: NCS
Das in Schweden entwickelte "Natural Colour System" basiert auf den vier Grundfarben Rot, Gelb, Blau und Grün, die in unterschiedlichen Mischverhältnissen und Helligkeiten insgesamt 1950 Nuancen ergeben. Anspruch des NCS-Standards ist es, die menschliche Farbwahrnehmung möglichst genau wiederzugeben und so identische Farbwirkungen auf unterschiedlichen Oberflächen sicherzustellen. In der Design- und Interiorbranche hat NCS daher viele Fans und wird weltweit genutzt, um die Kommunikation über Farbtöne zu erleichtern.
www.ncscolour.com

Tolle Farbideen in unserem Themen-Extra: Wohnen mit Farben

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