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Wohnpsychologie

35 Jahre lang war Juliane Zimmer Mitglied der SCHÖNER WOHNEN-Redaktion, 20 davon als stellvertretende Chefredakteurin. Übers Wohnen weiß sie einfach alles. Deshalb hat sie unsere jetzige stellvertretende Chefredakteurin Anne Zuber zu den wichtigsten Wohnfragen interviewt. Diesmal: Denkanstöße zum Thema Wohnpsychologie.

Wozu sollte ich mich mit Wohnpsychologie auseinandersetzen, wenn ich einfach nur schön wohnen möchte?

Wohnpsychologie
Wer sich leicht entblößt fühlt, bringt einen Sichtschutz an große Fenster an (Vorhangstoff "Run" und Streifenvoile "Bright": SCHÖNER WOHNEN-Stoffe, Wandfarbe SCHÖNER WOHNEN-Trendfarbe "Sand", Stuhl "CH 28": Carl Hansen, Hängeleuchten "A 110": Artek).

Der Schweizer Architekt Peter Zumthor hat gesagt: „Wenn einem ein Raum gefällt, dann spürt man das, man denkt es nicht.“ Warum uns eine bestimmte Umgebung guttut, eine andere aber bedrückt, hat Gründe. Die sind sehr individuell und nicht objektivierbar. Darüber sollte man nachdenken, bevor man anfängt, sich einzurichten.

Man kommt also um ein bisschen Wohnpsychologie gar nicht herum?

Absolut, denn hier geht es darum, sich grundsätzlich anzuschauen, in welcher Weise man von seiner Umgebung beeinflusst wird. Beispiel große Fenster: Die einen lieben sie, weil sie viel Licht hereinlassen. Andere fühlen sich dahinter ausgestellt. Nur wenn man sich klarmacht, was für einen selbst das Richtige ist, kann man Räume auch so gestalten, dass sie zu einem passen.

Aber die meisten Leute planen ja gar nicht, sondern ziehen in eine Mietwohnung, in der die großen Fenster schon längst eingebaut sind.

Wer sich leicht entblößt fühlt, kann einen Sichtschutz anbringen oder das Sofa vielleicht mit einem Raumteiler abschirmen, um Einblicke zu verhindern. Derjenige, der die Offenheit schätzt, wird dagegen den Raum so gliedern, dass der Ausblick zur Hauptsache wird.

Gibt es so etwas wie die wichtigsten Fragen der Wohnpsychologie?

Gibt es. Am Anfang steht das Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit. Die entsprechende Frage dazu lautet: Wie viel Höhle möchte ich? Und wie viel offener Grundriss verträgt sich mit diesem Bedürfnis? Dann müssen besonders Familien klären, wie viel Distanz oder Nähe sie sich wünschen. Braucht jeder sein eigenes Zimmer? Oder darf sich in einem Raum alles bunt mischen? Auch die Frage nach der Ordnung ist elementar: Wenn ich es aufgeräumt schätze, dann muss ich von Anfang an Einbauschränke einplanen.

Psychologisch interessante Situationen entstehen ja auch, wenn zwei zusammenziehen. Wie meistert man die?

Am besten sucht man sich gemeinsam eine neue Bleibe. Wenn das nicht geht und einer in die Räume des anderen hineinrutschen muss, dann sollte man zumindest gedanklich ausziehen, im Kopf die Wohnung einmal leer räumen und sie dann so einrichten, als sei sie zusammen angemietet worden. Dabei darf jeder seine Lieblingsstücke behalten. Auf diese Weise entsteht ganz sicher ein interessanter Stilmix, mit dem beide leben können.

Was Sie Stilmix nennen, passt aber oft einfach gar nicht zusammen.

Es gibt kein richtiges oder falsches Wohnen, nur ein individuelles Zuhause, das Ihnen entspricht. Ob Sie das haben, merken Sie dann, wenn Sie bei jedem Stück, das Sie besitzen, sagen können, was es Ihnen bedeutet. Und liegt Ihnen Großmutters Zitronenpresse am Herzen, hat dagegen auch das Designerteil von Philippe Starck keine Chance in Ihrer Küche.

Interview: Anne Zuber

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