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Ist es wichtig, Ordnung zu halten?

Das Genie beherrscht das Chaos? Oder wünscht es sich penible Sauberkeit? Juliane Zimmer, 35 Jahre lang Mitglied der SCHÖNER WOHNEN-Redaktion, 20 davon als stellvertretende Chefredakteurin, über Ordnung.

Frau Zimmer, ist Ordnung das halbe Leben?

Ist es wichtig, Ordnung zu halten?

Zumindest dient ihr die halbe Einrichtung. Bestimmt 50 Prozent unseres Mobiliars nutzen wir, um Dinge darin anzuordnen: Bücherregale, Kommoden, Sideboards, Schränke... Wir sind umzingelt von Stauraum.

Klingt eigentlich nicht schön.

Ist aber nützlich. Stauraum lässt die Wohnung ordentlich wirken. Je unsichtbarer er ist, desto besser. Ich plädiere immer dafür, statt eines Kleiderschranks eine eingebaute Schrankwand mit neutraler Front zu wählen, denn die schafft Ruhe.

Wie viel Ordnung muss denn sein?

Das kann nur jeder für sich selbst beantworten. Der eine bringt die Tageszeitung schon mittags zum Altpapiercontainer, der andere stapelt sie ein paar Tage oder sogar Wochen lang. Ich persönlich fühle mich beim Stapler wohler.

Warum?

Weil Räume, die penibel aufgeräumt sind, den Charme eines unbewohnten Hotelzimmers haben. Man sucht vergeblich nach Lebenszeichen der Bewohner.

Sie rufen jetzt zum Chaos auf?

Nein, Ordnung ist auch schön. Sie bringt Räume erst richtig zur Geltung, sie wirken größer und klarer, wenn sie nicht vollgestopft sind.

Kann man Ordnung lernen?

Ich glaube, das muss man. Angeboren ist der Hang zum Aufräumen jedenfalls nicht – alle Eltern können das bestätigen. Kein kleines Kind stellt freiwillig das Spielzeug an seinen Platz zurück. Aber nach und nach lernen wir, dass Ordnung uns hilft, dass sie das Leben einfacher macht.

Inwiefern?

Wenn alles seinen Platz hat, verschwendet man keine Zeit mit dem Suchen, jeder findet sich zurecht. Das ist besonders dann notwendig, wenn wir mit anderen zusammenleben möchten. In einer Familie muss jeder wissen, in welcher Schublade die Suppenkelle ist. Ob sie in einem eigenen Fach liegt oder im wilden Durcheinander, ist egal, da hat jede Familie ihre eigenen Standards.

Wenn aber die Vorstellungen der Standards innerhalb der Familie sehr unterschiedlich sind?

Dann braucht jeder seinen eigenen Bereich, in dem er machen kann, was er will. In den Gemeinschaftsräumen muss man sich irgendwie einigen. Und die Küche ist letztlich ein Handwerksraum, der nur funktionieren kann, wenn das Werkzeug griffbereit ist.

Wie ordentlich ist Ihr Zuhause?

Mein Mann ist jedenfalls ordentlicher, als ich es bin. Der schafft es tatsächlich, ein altes Hemd wegzuschmeißen, wenn er sich ein neues gekauft hat.

Und Sie?

Ich staple und horte in meinen Schubladen, bis sie voll sind. Dann räume ich sie auf, sortiere aus, werfe weg.

Ist Aufräumen Last oder Befreiung?

Wer aufräumt, schafft Platz für Entwicklung. Ist alles vollgestellt, kommt das Leben zum Stillstand.

Interview: Anne Zuber

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