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Souterrain-Wohnung einrichten

Schlafzimmer mit niedriger Decke im Souterrain
Ein ehemaliger Hobbyraum im Souterrain wird zum Schlafzimmer. Der Raum war eine willkommene Ausbaureserve eines 70er-Jahre-Reihenhauses.
© Sabine Bungert
Eine Souterrain-Wohnung ist dunkel, feucht und ungemütlich? Ein Gerücht, das sich hartnäckig hält, aber nicht ganz richtig ist. Denn die Wohnung im Untergeschoss hat nicht nur Nachteile, sondern auch einige Vorteile. Wie Sie ein Souterrain einrichten und was es vor dem Einzug ins Untergeschoss zu beachten gibt.

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Weil Grundstücke immer teurer werden, nutzen Bauherren sie immer besser aus. Oft wird dabei auch das Untergeschoss ausgebaut, um Wohnräume im Souterrain zu schaffen. Denn: Dank Fußboden- oder Wandheizungen, Böschungen und Lichtschächten lässt sich heutzutage auch der Keller in komfortablen Wohnraum umwandeln.

Aber: Der technische Aufwand dafür ist teils beträchtlich und das Lebensgefühl nicht immer auf dem Niveau der Obergeschosse. Was Sie dazu über eine mögliche Strahlenbelastung mit dem Edelgas Radon im Souterrain wissen sollten und wie Sie es sich trotz aller Herausforderungen in der Souterrain-Wohnung gemütlich machen können, erklären wir in der Folge.

Reihenhaus: Bad im Keller
Auch ein wohnliches Badezimmer lässt sich in der Souterrain-Wohnung einrichten.
© Sabine Bungert

Das Souterrain – eine Definition

In einer Souterrain-Wohnung liegt der Fußboden der Wohnräume unter dem Straßenniveau und damit im Untergeschoss des jeweiligen Gebäudes. Ursprünglich waren im Souterrain oder Tiefparterre, wie das Untergeschoss auch genannt wird, Vorratsräume, der Küchentrakt oder die Privatzimmer von Bediensteten untergebracht. Daher haben Souterrain-Wohnungen in Altbauten meist einen direkten Zugang zur Straßenseite, einen nach innen zu den weiteren Geschossen des Gebäudes und die meisten eine zusätzliche Tür zum Hinterhof oder Gartengrundstück.

Separates Gästezimmer im Souterrain
Ein Traum im Souterrain: Dieses Gästezimmer bietet – nicht selbstverständlich im Untergeschoss – echte Ausblicke in den benachbarten Garten und einn privaten Freisitz.
© Sabine Bungert

Vorteile einer Souterrain-Wohnung

Raum für bauliche Kreativität:
Eins vorab: Selbstverständlich kann man im Souterrain äußerst bequem wohnen. Es gibt hervorragende Beispiele von ausgebauten Untergeschossen, die mit kluger Planung, Lichtschächten, Grünpflanzen und freundlich-hellen Oberflächen eine maximale Ausbeute an Licht, Luft und Lebensqualität für Stockwerke unterhalb des Straßenniveaus ermöglichen. In London beispielsweise, wo die Häuser klein, Millionäre zahlreich und die Grundstückspreise gigantisch sind, zählt es für Architekten schon zum guten Ton, bei Umbauprojekten eines oder mehrere Stockwerke in die Tiefe zu schürfen, um anspruchsvollen Familien genug Platz für ihren gehobenen Lebensstandard zu bieten.

Im Sommer kühl, im Winter warm:
Wenn Heizungsrohre durch die Wände der Souterrain-Wohnung laufen und weitere Wohnräume über der Zimmerdecke für gemütliche Wärme sorgen, hat das einen Effekt: Auch im Winter wird es im Souterrain nie wirklich kalt. Sogar ohne, dass man selbst aktiv gegen den Frost anheizen müsste. Im Sommer dagegen sorgt die isolierende Erdschicht ringsum auch ohne Klimaanlage für angenehme Kühle. Das Fazit: Die Betriebskosten der Souterrain-Wohnung können gerade im Altbau deutlich geringer ausfallen, als die der Geschosse darüber.

Gartenzugang
Wer im Souterrain lebt hat zumeist einen direkten Zugang zur Terrasse oder zum Garten. Der mitunter eingeschränkte Lichteinfall von Tageslicht einer Souterrain-Wohnung wird durch die Freifläche, quasi in Sprungweite, mehr als wettgemacht.

Kaum Treppen und kurze Wege
Wer im Souterrain lebt, muss auch im Gründerzeitbau nicht mehrere Etagen überwinden, um seine Wohnräume zu erreichen. Vom Tiefparterre erreicht man die Haustür ebenerdig oder muss nur ein paar wenige Stufen nehmen. Daher können sich Wohnräume im Untergeschoss gut für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen eignen.

Nachteile einer Souterrain-Wohnung

Fehlendes Tageslicht
Gerade auf kleinsten Stadtarealen wird heute mit beträchtlichem technischen Aufwand natürliche Helligkeit durch Lichtschächte in Wohnräume im Souterrain gelenkt. Dennoch wird die Lichtausbeute kaum die in Tromsø an einem regnerischen Novembertag übertreffen. Sitzt man dann bodennah in der Souterrain-Wohnung, kann sich wegen der Froschperspektive rasch Unbehagen einstellen.

Feuchtigkeit:
Gerade in Altbauten herrscht in Souterrain-Wohnungen mitunter eine recht hohe Luftfeuchtigkeit. In vielen Häusern drückt bei fehlender oder vom Zahn der Zeit beschädigter Abdichtung Wasser von unten durch das Fundament beziehungsweise durch die Seitenwände und steigt durch die Kapillarkräfte in den Wänden nach oben. Hier kann nur eine umfassende (und teure) Sanierung Abhilfe schaffen. Durch zu viel Feuchtigkeit in der Raumluft und durch zu seltene oder falsche Lüftung kann in Souterrain-Wohnungen gesundheitsschädlicher Schimmel entstehen. Ein Wandanstrich mit Kalkfarbe kann helfen, Schimmelbildung zu verhindern. Für warme Füße und ein gutes Raumklima sollten Sie Holz- oder Teppichboden verlegen.

Keller im Altbau sanieren
Bei fehlender oder beschädigter Kellerabdichtung hilft nur eine kostspielige Sanierung, um das Souterrain bewohnen zu können.
© Matthias Buehner; Adobestock

Niedrige Raumhöhe
Souterrain-Wohnungen haben in den meisten Fällen eine deutlich niedrigere Deckenhöhe als die Geschosse über dem Tiefparterre. In Altbauten kann der Unterschied bis zu eineinhalb Metern betragen. Großgewachsene Menschen könnten Probleme mit entsprechend niedrigen Türstürzen bekommen – oder zumindest Beklemmungen angesichts der Zimmerdecke in Scheitelnähe. Übrigens: Um eine Mindestwohnraumhöhe (je nach Landesbauverordnung zwischen 2,30 und 2,50 Metern) zu erreichen, kann man, sofern es die baulichen Gegebenheiten zulassen, den Boden tiefer legen. Eine Lösung, die in Mietwohnungen freilich zumeist ausscheidet.

Sicherheit und Gefahr durch Einbrecher
Klar, wer ungebeten in ein Gebäude eindringen mag, wird dies meist nicht über das vierte Oberschoss tun, sondern ebenerdig oder über Keller und Souterrain. Daher ist eine Souterrain-Wohnung per se ein leichteres Ziel für Einbrecher. Insbesondere steigt die Gefahr, wenn die Untergeschosswohnung den beschriebenen, separaten Eingang zur Straße und zum Garten besitzt. Denn so ist nicht nur der Weg in die Wohnung gegeben, sondern auch ein potenzieller Fluchtweg ersichtlich. Wer in seiner Souterrain-Wohnung nicht hinter Gitterstäben wohnen möchte, sollte auf eine Ausstattung mit hochwertigem Sicherheitsglas achten. Idealerweise besitzen sie eine einbruchhemmende Sicht- und Blendschutzausstattung. Preiswertere Variante für Sichtschutz: selbstklebende "Spionagefolie", die Fenster nach außen verspiegelt, von innen jedoch durchsichtig ist.
Daneben bestenfalls auf eine stabile Eingangstür achten. Seit einigen Jahren regelt die europäische DIN-Norm EN 1627 die Widerstandsfähigkeit von einbruchhemmenden Bauteilen. Türen werden zudem in Widerstandsklassen, "Resistance Classes", eingeteilt. RC 1 bezeichnet die schwächste Kategorie. RC 6 die stärkste.

Eine Souterrain-Wohnung gemütlich einrichten

Dunkel und wenig einladend, so gestalten sich Kellerräume vermeintlich – jedenfalls bevor man dem Souterrain etwas Liebe schenkt und das Untergeschoss wohnlich einrichtet. Und so geht's:

Einbauschränke und Schiebetüren
Schrank-Tetris ist Trumpf im meist eher schmalen Grundriss einer Souterrain-Wohnung. Denn nur so fügen sich in kleinen Räumen Einbaumöbel, Schlaf- und Küchenmodule so geschickt zusammen, dass jeder Zentimeter perfekt genutzt wird. Schiebetüren, beispielsweise zum begehbaren Kleiderschrank oder zum Badezimmer, sparen zusätzlich Platz und schaffen optische Weite, wenn kein Türblatt im Weg ist.

Holztreppe in den Keller
Hochwertige Materialien werten das Untergeschoss auf und machen es zum vollwertigen Wohnraum.
© Tom Jasny; Baufritz

Mit Farbe Weite und natürlichen Materialien schaffen
Mit einer weißen Zimmer­decke und hellen Wandflächen kommt noch mehr Raum ins Souterrain – jedenfalls gefühlt. Wer dunkle Töne mag, kann durch Möbel in ähnlichen Nuancen tricksen, denn dann verschwimmt die Einrichtung optisch und wirkt automatisch leichter. Denn es entstehen einheitliche, größer wirkende Flächen. Für warme Füße Holz- oder Teppichboden verlegen – und sich vielleicht sogar eine Fußbodenheizung gönnen.

Licht ins Souterrain lassen
Soll ein Kellerraum wohnlich werden, lohnt es sich, in größere Fenster zu investieren, die mehr Licht herein- und sich zum Lüften komplett öffnen lassen. Unverzichtbar sind individuell richtbare Leuchten (mindestens drei pro Raum für mehr optische Tiefe) und größere Spiegel, die Licht reflektieren und den Raum so größer und heller wirken lassen. Für Sichtschutz bei größtmöglicher Lichtausbeute kombiniert mit Wohnlichkeit sorgen halbtransparente Vorhänge.

Radon in Kellerräumen und im Souterrain

Jeder Mensch ist täglicher natürlichen Strahlungsquellen ausgesetzt, die man nicht sieht, spürt, riecht oder schmeckt und die auch meist nicht schädlich sind. Das radioaktive Edelgas Radon, das durch den Zerfall von natürlich in der Erdkruste vorkommendem Uran entsteht, kann jedoch auf die Dauer schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen. Wird Radon über lange Zeit eingeatmet, so steigt das Risiko, langfristig an Lungenkrebs zu erkranken.

Gemessen wird Radon in Becquerel je Kubikmeter Raumluft (Bq/m³). Eine erhöhte Radonkonzentration in der Atemluft von Wohngebäuden soll für etwa 1.900 Todesfälle pro Jahr in Deutschland verantwortlich sein. Die individuelle Gefahr hängt dabei sehr von der Region ab: Im Bayerische Wald, im Erzgebirge, dem Süd-Schwarzwald oder der Region Kiel ist die Radonbelastung im Boden beispielsweise höher als im Nordwesten oder in vielen Regionen Brandenburgs, gibt das Sentinel Haus Institut an, das Leitfäden und Expertenrat zu zahlreichen Themen rund um wohngesunden Hausbau, Baustoffe und schadstoffarme Innenraumgestaltung anbietet und Materialien sowie Bauausführungen zertifiziert. Problematisch insbesondere in Gebieten mit erhöhtem Vorkommen: Über Fundamente, Rohre, Fugen, Treppenhäuser oder Kabelschächte kann Radon – insbesondere bei älteren Gebäuden – ins Innere des Hauses gelangen und sich in Kellerräumen, im Souterrain, aber auch im Erdgeschoss sammeln. Kamine, Öfen und Heizkessel können dabei eine Sogwirkung verursachen und das schädliche Radon gleichsam ins Haus saugen.

Doch wie viel Strahlung ist zu viel? Laut Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) liegt der Jahresmittelwert der Radonkonzentration in Wohnräumen in Deutschland bei 50 Becquerel pro Kubikmeter. Demnach zeigt sich bei Gas-Konzentrationen über 100 Bq/m³ ein besorgniserregender Anstieg des Lungenkrebsrisikos. Und zwar um zehn Prozent pro 100 Einheiten.

Bei Neubauten wie Fertighäusern versperrt ein moderner Fertigkeller Radon den Weg ins Haus. Bei Altbauten hilft in Risikogebieten nur eine umfassende Sanierung – oder der Verzicht auf Wohnräume im Untergeschoss.
Bei Neubauten wie Fertighäusern versperrt ein moderner Fertigkeller Radon den Weg ins Haus. Bei Altbauten hilft in Risikogebieten nur eine umfassende Sanierung – oder der Verzicht auf Wohnräume im Untergeschoss.
© Adobestock

Wie man sich vor Strahlenbelastung im Souterrain schützt

Zu allererst kann man einfach häufiger und intensiver lüften – eine Maßnahme, die nicht nur gegen eine gesundheitsschädliche Konzentration des Edelgases im Untergeschoss hilft, sondern auch Feuchtigkeitsschäden und Schimmel im Souterrain verhindert. Fachgerecht durchgeführte Radon-Messungen geben Aufschluss über die tatsächliche Belastung in Risikogebieten. Hier unbedingt in allen Räumen und über einen langen Zeitraum monitoren. Entscheidend ist der Jahresmittelwert und der liegt in aller Regel unter dem Wert einer Kurzzeitmessung.

Bei Neubauten wie Fertighäusern versperren ein hochdichter Fertigkeller aus Beton, gasdichte Manschetten für die Einlässe von Strom- und Datenkabeln sowie Versorgungsrohren Radon den Weg ins Haus. Radonsperren sind hier, je nach Landesbauverordnung, übrigens oft Pflicht. "Ältere Häuser mit gemauertem Keller oder Naturkellerboden sind eher gefährdet als Neubauten mit Betonkeller. Eine generelle Entwarnung gibt es hier nicht", so das Sentinel Haus Institut.

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