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Badezimmer ohne Fenster: das gilt es zu beachten

Doppelwaschtisch "Plural" von Vitra
© Vitra
Ein Badezimmer ohne Fenster - undenkbar? Nicht unbedingt! Wie ohne natürliche Lichtquelle Wohnlichkeit entsteht und mit welchen Lüftungsmethoden Schimmel keine Chance hat.

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Die Horrorszenario beim Badezimmer ohne Fenster: stundenlang beschlagene Spiegel, klamme Handtücher und eine (zu) hohe Luftfeuchtigkeit, die im Raum bleibt. Das zugleich ideale Wohlfühlklima für Schimmelpilze, deren Sporen sich auf Fugen und Wänden verbreiten und die Raumluft belasten. "Auf Dauer kann sich die Feuchtigkeit so auch in den Wänden absetzen", erklärt Experte Oliver Frank, Inhaber von "Innovation to Reality", einem Planungsportal für Heizsysteme, Installation und Bautrockung. "Das tut der Bausubstanz nicht gut und reduziert den Dämmwert einer Außenwand. Energieverlust ist die Folge." Schimmel im Bad sieht dabei nicht nur unschön aus, sondern kann auch gesundheitsschädlich sein und - besonders bei Kindern - zu Allergien und Atemwegsbeschwerden führen. Auch unangenehme Gerüche bleiben ohne regelmäßigen Luftaustausch im Badezimmer und sorgen für "dicke" Luft. Um das zu vermeiden, muss der entstandene Wasserdampf nach jedem Duschen oder Baden raus aus dem Bad. Wie dies ohne Fenster gelingt, erfahren Sie hier.

Wie lüftet man ein Bad ohne Fenster?

Innenliegende Badezimmer, bei denen eine passive Belüftung lediglich über eine Wandöffnung zu einem Lüftungsschacht möglich ist, findet man häufig in Altbauten. Eine solche einseitige "Entlüftung" reicht jedoch für eine Luftzirkulation und ein gesundes Raumklima im Badezimmer nicht aus. Mögliche Lösung: eine Lüftungsanlage.

Dezentrale Lüftungsanlage:
Eine dezentrale Lüftungsanlage lässt sich bei fensterlosen Bädern mit Außenwand auch nachträglich umsetzen. Dafür muss zunächst ein Kanal für die Zuleitung geschaffen werden, bevor die Anlage an der Außenwand montiert wird. Ein Ventilator in der Lüftungsanlage sorgt für einen Unterdruck im Raum - die feuchte Luft wird so effektiv nach außen gesaugt. Gleichzeitig strömt frische Außenluft durch Lüftungsschlitze oder -kappen zurück ins Bad. Es findet ein Luftaustausch statt.
Tipp: Bei der Wahl des Ventilators sollten Sie auf den Geräuschpegel achten. Gerade in kleinen Räumen wird ein lautes Brummen auf Dauer häufig zur Belastung. Moderne Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung entziehen der abgesaugten Abluft Wärme, mit der sie die einströmende Frischluft aufheizen. So lassen sich etwa 80 Prozent der vorhandenen Wärmeenergie wiederverwerten.

Zentrale Abluftanlage:
Die zentrale Abluftanlage wird entweder mit einem Lüftungsschacht oder einem Rohranschluss verbunden. Wichtig: Dieses System befördert lediglich die feuchte Abluft nach draußen. Um jedoch einen Luftaustausch zu gewährleisten, muss an anderer Stelle für Frischluftzufuhr gesorgt werden. Zum Beispiel durch Luftschlitze in der Badezimmertür. Ein Nachteil der zentralen Abluftanlage ist, dass eine Wärmerückgewinnung mit ihr nicht möglich ist. Grundsätzlich gilt: Bei Lüftungsanlagen auf Hygienestandards nach DIN-Norm setzen. Weitere Infos gibt's im Fachhandel.

Duschsystem "Rainshower" von Grohe
© Grohe

Manuelle Lüftung:
Besteht keine Möglichkeit, eine Entlüftungsanlage einzubauen, sollten Sie gründlich manuell lüften. Also unmittelbar nach dem Duschen oder Baden für Durchzug sorgen. Dafür die Fenster der angrenzenden Zimmer öffnen und einen Luftkanal erzeugen. Ein Ventilator im Bad beschleunigt den Luftaustausch. Wichtig: Nicht zu lange, aber auch nicht zu kurz lüften. Während zu langes Lüften wertvolle Energie kostet, trägt zu kurzes Lüften zur Schimmelbildung bei, da es im Badezimmer zu feucht bleibt. Ideal sind 5 bis 10 Minuten querlüften. Vorsicht: Die Türen der anderen Räume geschlossen halten, um zu verhindern, dass der Wasserdampf sich in der Wohnung oder im Haus verteilt und sich das Problem nur verlagert. Außerdem gilt: Die Badezimmertür im Alltag wann immer möglich einen Spalt offenlassen, um vom Luftaustausch der umliegenden Zimmer zu profitieren.

Raumentfeuchter:
Um die Luftfeuchtigkeit im Badezimmer zu senken, können Sie auch elektrische oder chemische Raumentfeuchter einsetzen, die das "zu viel" an Wasser aus der Luft filtern und binden. Chemische Luftentfeuchter arbeiten langsamer und leiser als elektrische Geräte. Das in ihnen enthaltene Granulat bindet die Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft wie ein Schwamm. Elektrische Raumentfeuchter erzielen je nach Gerät hohe Leistungen und kommen deshalb vor allem in Räumen mit wenig Luftzirkulation zum Einsatz. Wer lieber auf Hausmittel setzt, kann auch Speisesalz oder Reis in einer Schale ins Bad stellen. Die Lebensmittel entziehen der Luft Feuchtigkeit, sind aber nicht sehr effektiv.

Infrarotheizung:
Eine Infrarotheizung vermeidet dank ihrer angenehmen Strahlungswärme Kondensat auf Wänden und Oberflächen und hilft so spürbar, die Luftfeuchtigkeit im Raum nicht zu stark steigen bzw. schnell wieder sinken zu lassen. Der große Nachteil des Heizsystems ist freilich sein hoher Energieumsatz, da Infrarotheizungen mit Strom betrieben werden.

So vermeiden Sie Schimmel

Um sogenannte Feuchtespitzen und Schimmel im Badezimmer zu vermeiden, ist es wichtig, die entstandene Nässe so schnell wie möglich von den Fliesen und Duschwänden zu entfernen. Nutzen Sie dafür ein trockenes Tuch oder einen Duschabzieher. Nasse Handtücher (sofern möglich) in einem separaten Raum oder über einem beheizten Handtuchtrockner aufhängen. Das fördert eine effektive Trocknung und versorgt das Badezimmer zusätzlich mit Wärme. Weiterer Pluspunkt für Frostbeulen im Winter: kuschlig warme Handtücher nach dem Duschen.

Ist die Raumluft im Badezimmer zu kalt, sprich unter 18 Grad Celsius, setzt sich Wasser schneller ab, die Wände kühlen aus und es kommt zu Schimmelbildung. Aus diesem Grund empfehlen Experten, das Badezimmer während der Wintermonate durchgehend zu heizen. Ideal: eine Raumtemperatur von 23 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 50 bis 70 Prozent. (Zum Vergleich: Die ideale Luftfeuchtigkeit der Wohnräume liegt bei 40 bis 60 Prozent). Ein Hygrometer, der die Luftfeuchtigkeit im Raum misst, hilft den Wert, der beim Duschen auf rund 80 Prozent Luftfeuchtigkeit steigt, im Blick zu behalten.

Heizkörper "Soho" von Tubes
© Tubes

Umbauen oder clever beleuchten: Licht im innenliegenden Bad

Wo immer baulich (und statisch!) umsetzbar, lassen sich auch im Nachhinein Lichtkuppeln nachrüsten. Und auch sogenannte Lichtkamine bieten die Möglichkeit, Tageslicht über Lichtschächte ins fensterlose Badezimmer zu leiten. Wer im Bad komplett auf natürliches Licht verzichten muss, kann mit der richtigen Beleuchtung ein wohnliches Raumgefühl schaffen. Lichtpaneele und Einbauleuchten an Decken und Wänden wirken gut platziert und mit der richtigen Lichttemperatur ausgestattet beinahe wie ein Fensterersatz. Ein wohnliches Beleuchtungskonzept gelingt, indem Sie verschiedene Lichtquellen - mindestens zwei bis drei - im Raum verteilt platzieren.

Die richtigen Farben fürs Bad ohne Fenster

Farben sind ein wichtiges Gestaltungsmittel, um Raumwirkungen zu beeinflussen. Gerade bei kleinen Bädern ohne Fenster kann mit der richtigen Farbwahl optisch viel "Platz gestrichen" werden. Kühle Nuancen oder Wandfarben mit grauem Unterton wirken - vor allem ohne den Einfluss von natürlichem Licht - schnell kalt und ungemütlich. Stattdessen sollten Sie eher auf warme Töne wie Creme oder Beige setzen. Sie reflektieren künstliches Licht, ohne zu blenden.

Vorsicht: Zu viel Weiß wirkt in einem Raum ohne Fenster schnell unangenehm grau. Für Mutige darf es auch eine dunklere Nuance sein, solange ein warmer Grundton dominiert. Brauntöne wirken beispielsweise beruhigend und sorgen für Entspannung nach einem stressigen Arbeitstag. Wer dem Bad mehr Tiefe verleihen möchte, kann eine Wand gezielt farbig gestalten. Bei der Deckengestaltung gilt: Dunkle Farben wirken drückend, während helle Nuancen die Raumhöhe optisch erweitern.

Tapete "Naturalmente" in Marmorlook von Wallpepper
© Wallpepper

Einrichtungstipps für das fensterlose Bad

Neben dem wohnlichen Lichtkonzept und klug gewählten Farben sorgen auch Spiegel- und Glaselemente sowie helle und filigrane Möbelstücke für mehr "Luft". Dunkle und schwere Formen lassen ein kleines und vor allem dunkles Badezimmer hingegen gedrungen wirken. Um das Auge nicht zu überfordern, sollten Sie in Sachen Deko auf wenige, aber besondere Highlights setzen.

Große Spiegel vergrößern optisch nicht nur den Raum, sondern reflektieren auch das (wenige) vorhandene Licht. Ein Spiegelschrank sorgt außerdem für versteckten Stauraum. Tipp: Spiegelflächen gegenüber der Tür sorgt für Extraweite im Raum. Auch Glaselemente in Form einer Duschwand lassen das Bad größer erscheinen. Wer trotz wenig Licht nicht auf eine Pflanze im Badezimmer verzichten möchte, sollte auf Farne setzen, die sich auch im dunklen und zeitweise feuchten Bad wohlfühlen.

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