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#stayhome! Ein Profi verrät: Wie Sie dem Lagerkoller entgehen

#WirbleibenzuHause: Wie Sie trotz Quarantäne dem Lagerkoller entkommen, die eigenen vier Wände genießen und ihren persönlichen Rückzugsort schaffen, erklärt Annette Schlipphak, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) im Interview.
Wohntipps: Der letzte Schliff zur Einrichtung der Wohnung

Frau Schlipphak, das Coronavirus beschränkt das Leben vieler Menschen aktuell auf die eigenen vier Wände. Wie schafft man es gerade in solch einer Situation, dem Lagerkoller zu entkommen?
Annette Schlipphak: Ein Lagerkoller ist ein Zustand, bei dem die Menschen das Gefühl bekommen, dass ihnen alles zu eng wird. Die Menschen gehen sich gegenseitig auf den Geist. Man hat das Gefühl, man muss ausbrechen. Der Zustand kann sich bei jedem anders äußern, in Angst, Wut, Verzweiflung, Überaktivität oder im Rückzug bis zu depressiven Zuständen. Es ist ganz wichtig zu versuchen, sich seine eigenen Ängste bewusst zu machen. Wir sind jetzt darauf angewiesen, die nächsten Wochen auf engem Raum zusammenzuleben. Welche Regeln können wir für uns aufstellen, dass ein gutes Zusammenleben möglich ist? Wie schaffen wir es, dass jeder seine Privatsphäre hat, auch wenn wir mit vielen Menschen so eng zusammenwohnen? Man sollte respektieren, wenn sich jemand zurückzieht. Zeiten vereinbaren, in denen man sich trifft. Es braucht ganz klare Regeln.

Sie haben in einem Interview gesagt, Kontrolle über unser Leben zu haben und irgendwo hinzugehören, sei eines der wichtigsten Grundbedürfnisse der Menschen. Befinden wir uns aktuell in einer Zeit, in der das Wohlfühlen in den eigenen vier Wänden wichtiger denn je wird?
Ja, auf jeden Fall. Dass wir uns zu Hause wohlfühlen, wird allgemein immer wichtiger und ist aktuell sehr akut. Wir wollen unsere eigenen vier Wände unseren Bedürfnissen anpassen, sie schön einrichten. Wichtig sind neben der Einrichtung vorallem auch die Menschen, mit denen wir dort leben und den Raum gestalten. Das gibt uns ein Gefühl von Sicherheit.

Annette Schlipphak

Kann man sich denn aktuell glücklicher wohnen?
Man kann auf jeden Fall viel tun, um sich in seiner Wohnung richtig wohl zu fühlen. Ich glaube, aktuell ist es besonders wichtig auf sich und seine Wohnumgebung zu achten. Man kann überlegen, ob man etwas verändern will oder wie man die Wohnung den neuen Bedürfnissen anpassen und so das Zuhause zum persönlichen Lieblingsort machen kann.

Um die Privatsphäre eines jeden zu schützen, braucht es folglich in erster Linie Kommunikation und Respekt untereinander?
Ja, man muss die Privatsphäre des anderen respektieren und schützen. Jeder hat ein Recht auf seine Privatsphäre. Bei einer kleinen Wohnung muss ich vielleicht organisieren, wer das „Allein-sein-Zimmer“ belegen darf, während sich die anderen im Rest der Wohnung aufhalten. Man muss die individuellen Möglichkeiten suchen. Je nach Alter der Menschen, die da zusammenwohnen, hat auch jeder unterschiedliche Bedürfnisse, die man koordinieren muss. Wenn jedes Kind und jeder Elternteil sein eigenes Zimmer hat, ist das mit der Privatsphäre natürlich unproblematischer, als wenn man zu dritt in einer Dreizimmerwohnung lebt.

Wieso ist Struktur im Alltag so wichtig?
Ohne Struktur besteht die Gefahr, dass wir uns verlieren. Wir kennen diesen Sachverhalt auch von Depressionen. Mit einer Alltagsstruktur haben wir Aufgaben und Ziele. Man weiß, was man tun muss. Bei einer Struktur wissen alle, woran sie sind. Wir stehen morgens auf, frühstücken, gehen unsere Wege, jetzt z.B. Aufgaben aus der Schule, mobile Arbeit, dann treffen wir uns vielleicht zum Mittagessen. Jeder hat seine Aufgaben und Fixpunkte.

Was würden Sie sagen, sind die größten Gefahren, mit denen man momentan rechnen muss?
Bei einem so engen Zusammenleben können soziale Beziehungen zu einem Problem werden. Die Gefahr häuslicher Gewalt kann zunehmen, wenn der Druck groß genug wird. Wenn ich mir einen pubertierenden Teenager vorstelle, hat der alles andere im Sinn, als sich an Regeln von oben zu halten. Da ist es mit kleinen Kindern wahrscheinlich einfacher, die brauchen dagegen viel Bewegung. Jugendliche sehen vielleicht nicht sofort die Notwendigkeit, die wollen chillen und Party machen. Denen klarzumachen, dass alle aktuell zu Hause bleiben müssen, ist nicht immer einfach.

Wohnzimmer H&M Home

Gibt es allgemeine Verhaltensregeln, zu denen Sie in solchen Situationen raten?
Viel reden. Es ist völlig normal, dass die Menschen in so einer Situation Hilfslosigkeit, Angst, Wut und Ärger verspüren. Dass sie nichts mit sich anfangen können. Es ist eine Situation, die wir nicht gelernt haben und die viele Ängste auslösen kann. Wichtig ist daher, regelmäßig mit anderen in Kontakt zu bleiben. Man sollte alle Möglichkeiten wie Telefon und Chat nutzen. Es hilft, sich Ziele zu setzen, so kann man zum Beispiel auch seinen Garten auf Vordermann bringen, ein Beet anlegen. Es hilft, etwas zu suchen, das die ganze Aufmerksamkeit fesselt. Es gibt zunehmend Streams von Konzerten. Gute Musik, Spieleabende, Basteln mit Kindern. Insbesondere Familien mit Kindern brauchen eine Struktur im Tag, in dem auch die Kinder Verantwortung übernehmen. Man sollte sich zu bestimmten Zeiten treffen, aber nicht ständig aufeinanderhängen. Hilfreich kann hier eine Art Stundenplan sein, bei dem jeder weiß, was es wann zu tun gibt. Das kann das Selbsterlernen und die Fähigkeit der Kinder sich mit sich selbst zu beschäftigen enorm stärken.

Man hat das Gefühl, dass viele die Zeit zuhause nutzen, um aufgeschobene Aufgaben zu erledigen, als hätten Sie Angst vor der Langeweile...
Es ist okay, sich abzulenken, aber man kann die freie Zeit auch für sich nutzen. Man kann sich zum Beispiel vornehmen, morgens die Küche zu putzen und sich dafür dann aber ohne Aufgabe nachmittags in die Sonne zu setzen.

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