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Mispel

Mispel - alte Obstbaumsorte im Pflanzenlexikon
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Die Echte Mispel oder Deutsche Mispel (Mespilus germanica) ist eine fast vergessene, heimische Obstbaumart. Noch im Mittelalter war sie in Mitteleuropa weit verbreitet. Heute findet man sie kaum noch. Kein Wunder – sehen die Früchte ein wenig unattraktiv wie übergroße, braune Hagebutten aus. Direkt vom Baum geerntet, schmecken die Mispelfrüchte – auch als Steinapfel bezeichnet – außerdem bitter und herb und das Fruchtfleisch ist relativ hart. Nach einem ersten Frost und als Fallobst gesammelt, ist das Fruchtfleisch weich und schon fast musartig. Der Geschmack ist nach der Frosteinwirkung viel süßer, aber immer noch säuerlich. In diesem Zustand kann das Obst zu Mispelmarmelade, Mispelgelee, aber auch Wein oder Mispelbrand, den sogenannten "Hundsärsch", verarbeitet werden.

Der Wuchs der Mispel ist strauchartig bis baumartig und es bildet sich mit den Jahren eine üppige, mehrere Meter breite Krone. Wer gern alte Obstsorten erhält oder mal Abwechslung zum üblichen Apfel-, Birnen- oder Kirschbaum im Garten hätte, bekommt mit einem Mispelbaum oder Mispelstrauch ein vielseitiges Obstgewächs. Im Sommer zeigt die Mispel weiße, mehrere Zentimeter große Blüten und im Herbst beeindruckt sie mit rot-goldener Blattfärbung. Übrigens: Die auch beliebte Japanische Wollmispel (Eriobotrya japonica) ist keine richtige Mispel, sondern ein Obstbaum einer ganz anderen Gattung. Sie wächst bis zu zwölf Meter hoch – ihre Früchte sind wie bei Mispeln essbar.

Mispel pflanzen

Dank ihres kompakten Wuchses um die fünf Meter Höhe eignet sich die Echte Mispel neben der Verwendung als Einzelpflanze sogar für Hecken. Da sie aus ihren Wurzeln gern neu austreibt, bildet sie dichte Begrenzungen. Aber auch alleinstehend begeistert sie mit einem malerischen Wuchs dank ihrer vielen Verzweigungen. Im Handel gibt es oft die Mispel im Topf zu kaufen. Eingepflanzt wird das Obstgewächs dann wie folgt:

  • Beste Pflanzmonate sind April und Mai.
  • Heben Sie ein Pflanzloch aus, das eineinhalbmal so groß wie der Topf ist.
  • Lockern Sie das Pflanzloch in der Tiefe zusätzlich auf und geben Sie einige Kieselsteine zur Drainage hinein.
  • Geben Sie die Pflanze ins Pflanzloch und füllen Sie es mit dem Aushub auf.

Anschließend die Erde vorsichtig andrücken, gießen und einen Pfahl als Stütze setzen, an dem Sie die Mispel mit einem Kokosstrick anbinden. Damit erhält das Obstgewächs die ersten Jahre den notwendigen Halt.

Mispel - die Früchte der alten Obstbaumsorte
Fruchtig-säuerlich - so schmecken die Früchte der Mispel. Genießbar sind sie erst, wenn sie Frost bekommen haben.
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Mispel pflegen

Mispeln sind am richtigen Standort glücklicherweise kaum anfällig für Krankheiten und generell eher anspruchslos. Daher wird die Mispel auch kaum gedüngt. Um sie mit Nährstoffen zu versorgen, können Sie jedoch im Frühjahr zwei bis drei Schaufeln frischen Kompost um den Stamm verteilen. Das reicht als Dünger.

Auch brauchen Sie die Mispel kaum schneiden - es sei denn, dass Äste abgestorben sind oder der Kronenwuchs zu dicht ist! Ansonsten bietet es sich jedoch ein früher Erziehungsschnitt an, sodass sich von einem Hauptstamm ausgehend ungefähr vier tragende Leitäste ausbilden.

Aber Achtung: Steht die Mispel nicht ideal – wird sie also zu stark verschattet oder der Boden ist zu feucht – kann sie schnell für Pilzkrankheiten anfällig werden. Dann müssen Sie die betroffenen Äste bis in das gesunde Holz zurückschneiden und schnellstmöglich für bessere Standortbedingungen sorgen. Verschließen Sie außerdem die offenen Stellen am Ast mit Wundverschluss aus dem Gartencenter, damit sich keine neuen Pilzsporen ansiedeln können.

Mispel vermehren

Auch wenn die Mispelfrüchte große Kerne enthalten, ist eine Vermehrung mit ihnen langwierig und schwierig. Sinnvoller ist es, die Pflanze über Stecklinge aus einjährigen Trieben zu ziehen.

  • Schneiden Sie dazu im Frühjahr einen ungefähr 12-15 cm langen, einjährigen Neutrieb von Ihrer Mispel ab.
  • Befreien Sie ihn im unteren Bereich von Blättern.
  • Anschließend können Sie den Trieb in ein Wasserglas oder in einen Topf mit Anzuchterde geben. In Laufe der Zeit wird er Wurzeln bilden und Sie können ihn im nächsten Frühjahr, sobald es frostfrei ist, in den Garten pflanzen.

Ist die Mispel winterhart?

Ja, die Mispel ist winterhart. Junge Pflanzen sollten Sie dennoch die ersten Jahre mit Tannenzweigen, einer Schicht Laub oder Rindenmulch im Wurzelbereich abdecken, um sie so vor zu starken Frösten zu schützen.

Mispel als Bodendecker?

Häufiger werden Mispeln auch als Bodendecker angeboten. Diese Mispeln tragen knallrote Früchte, die wie kleine Äpfel aussehen. Und es stimmt, dass diese sogenannte Zwergmispel Hänge oder freiliegende Flächen bestens bedeckt. Aber mit dem lateinischem Namen Cotoneaster dammer ist sie aus botanischer Sicht offiziell keine echte Mispel-Art, auch wenn sie geläufig so genannt wird. Und Achtung: Die Zwergmispel ist giftig! In ihren roten Früchten und allen Pflanzenteilen enthält sie das blausäurehaltige Glycosid Amygdalin.

SCHÖNER WOHNEN-Tipp zur Mispel

Sie haben nun eine Echte Mispel im Garten und wollen das Obst für Marmelade oder Gelee verwenden? Dann müssen Sie normalerweise vor der Ernte darauf warten, dass es den ersten Frost gab, damit das Fruchtfleisch seine weiche Konsistenz bekommen hat und enthaltene Gerbstoffe abgebaut sind. Wem das zu lange dauert, kann die Früchte schon früher ernten und sie dann zum Frosten in den Gefrierschrank geben. So verkürzen Sie die Wartezeit! Anschließend die Früchte auftauen, damit sie sich durch ein Sieb streichen lassen. Unten wird sich das Fruchtmus absetzen, während oben die Kerne und die Schale zurückbleiben.

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