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Gefährliche Schönheiten: Die giftigsten Pflanzen im Garten

Blauregen
Die erbsenförmigen Schoten des Blauregens sind besonders giftig. Bei Kindern können die ersten Vergiftungserscheinungen bereits nach dem Verzehr von 2 Samen auftreten. 
© Adobe Stock / artifirsov
Sie sehen wundervoll aus, können aber zur Gefahr werden, vor allem für Kinder und Tiere. Von der Engelstrompete über Alpenveilchen bis hin zum Eisenhut – eine Auswahl der giftigsten Schönheiten der Pflanzenwelt.

Opulente Blüten, betörender Duft, intensive Farben – die Pflanzenwelt hat viele dramatische Schönheiten zu bieten. Doch so dekorativ sie auch sein mögen, viele von ihnen sind wahre Giftzwerge. Diesen Pflanzen sollten Sie mit Vorsicht begegnen und sie insbesondere von Kindern und Haustieren fernhalten.

Blauer Eisenhut (Aconitum napellus)

Ziegentod, Würgling, Venuswagen, Wolfskraut – der Eisenhut hat mit der Zeit viele Namen erhalten, einige davon deuten bereits seine Giftigkeit an. Tatsächlich ist der Eisenhut die giftigste Pflanze Europas. Ursprünglich kommt er in bewaldeten Bergregionen, Feuchtwiesen und an Bachufern vor. Doch mittlerweile findet man die 1,5 Meter hohe Staude mit den dunkelvioletten oder -blauen Blüten auch in vielen Ziergärten. Tatsächlich sind alle Pflanzenteile giftig. Schon bei Berührung von Blüten, Blättern, Stielen oder Wurzeln verursacht das Kontakt-Gift Aconitin schmerzhaften Ausschlag, gefolgt von Krämpfen Herzrhythmusstörungen, Atemlähmung und Herzversagen. Die tödliche Dosis von Acontinin für einen ausgewachsenen Menschen liegt bei 1,5 bis 5 mg. Es heißt, dass schon der römische Kaiser Claudius mit Eisenhut vergiftet wurde.

Eisenhut - Aconitum
Giftigste Pflanze Europas: Blauer Eisenhut
© Adobe Stock / Irina

Goldregen (Laburnum anagyroides)

Ein Blick auf die gelb-leuchtenden, herabhängenden Blütentrauben genügt, um den Namen dieser Pflanze zu verstehen: Goldregen ist ein äußerst dekoratives kleines Bäumchen, das bereits seit Jahrhunderten als Zierpflanze kultiviert wird. Sowohl in Gärten als auch in  Parkanlagen ist Goldregen gut vertreten und es fällt einem leicht, sich in seinem Anblick zu verlieren. Zwar sind alle Pflanzenteile giftig, es sind jedoch die Früchte, die dem Goldregen eine besonders bittersüße Aura verleihen: Optisch ähneln sie kleinen Erbsen-Schoten und enthalten eine hohe Dosis der giftigen Alkaloide Cytisin, Laburnin, Laburamin und N-Methylcytisin. Insbesondere Kinder sollten von dieser Giftpflanze ferngehalten werden. Der Verzehr von drei bis fünf Hülsen kann bereits tödlich enden. Auch die übrigen Pflanzenteile sind giftig und können neben Erbrechen, Magenkrämpfen und Fieber zum Tod durch Atemlähmung führen.

Goldregen mit üppigen Blütendolden - Pflanzenlexikon
Besonders gefährlich für Kinder: Goldregen.
© Adobe Stock / Bernd Rehorst

Maiglöckchen (Convallaria majalis)

Das Maiglöckchen zählt zu den bekanntesten Giftpflanzen Deutschlands. Die robusten Frühblüher mit den schönen weißen Blüten wachsen bevorzugt in Laub- und Mischwäldern, gerne in direkter Nachbarschaft mit dem Bärlauch, deren Blätter denen des Maiglöckchens optisch ähneln. Eine Verwechslung der beiden Pflanzen ist jedoch nicht ohne: Aufgrund verschiedener enthaltener Gifte kann der Verzehr von Maiglöckchen Schwindel, Sehstörungen und Krämpfe auslösen. Im schlimmsten Fall greift das Gift das Herz an und führt zu Herzrhythmusstörungen sowie Herzversagen.

Maiglöckchen
Gefährliche Verwechslung: Die Blätter der Maiglöckchen werden im Frühjahr oft für Bärlauch gehalten.
© Schöner Wohnen / Vanessa Schmitt

Pfaffenhütchen (Euonymus europaea)

Wer im Mai oder Juni durch Wälder streift, dem könnte diese heimische Giftpflanze aufgefallen sein. Die intensiv orangerot gefärbten, vierlappigen Blüten-Kapseln des Pfaffenhütchens sind ein wahrer Hingucker. Bei Vollreife springen sie auf, um ihre Samen an die Umwelt abzugeben. Leider sind es genau diese bunten, interessant geformten Früchte, die bei Kindern schnell im Mund landen und zu scherwiegenden Vergiftungen führen können. Auch in den übrigen Pflanzenteilen sind große Mengen an Alkaloiden wie Evonin vorhanden, die – und das ist das Tückische – erst nach ca. 15 Stunden die ersten Symptome hervorrufen. Erbrechen, Durchfall, Magenkrämpfe und Herzrhythmusstörungen sind die Folge. Glücklicherweise benötigt es eine vergleichsweise große Menge an Früchten (ca. 30 bis 40 Stück), bevor die Vergiftung zum Tod führt.

Pfaffenhütchen Früchte
Heimisch, dekorativ, tödlich – das Pfaffenhütchen kommt hauptsächlich in Wäldern und an Waldrändern mit feuchtem Lehmboden vor.
© Schöner Wohnen / Vanessa Schmitt

Hortensie (Hydrangea)

In den letzten Jahren kam es bei so manchen Hortensienbesitzer:innen zu merkwürdigen Zwischenfällen im Garten: Über Nacht klaffen plötzlich hässliche Lücken in den prächtigen Stauden, große Mengen an Blüten wurden entfernt. Es klingt wie ein schlechter Scherz, doch Polizeibehörden vermelden zunehmend Hortensiendiebstähle in deutschen Vorgärten. Vermutlich werden die Blumen getrocknet und anschließend als Rauschmittel konsumiert. Vor allem Jugendliche erhoffen sich eine ähnlich berauschende Wirkung wie Cannabis. Dabei sind diese "Naturdrogen" keineswegs harmlos: Die Blätter und Blüten der Hortensie enthalten Blausäureverbindungen, die bei Verbrennung freigesetzt werden. Der inhalierte Rauch kann binnen weniger Minuten zu Schwindel, Beklemmung, Bewusstlosigkeit oder gar zu Herzstillstand führen. Auch andere hochgefährliche Pflanzen wie Tollkirsche, Engelstrompete und Stechapfel werden als Naturdrogen missbraucht und sorgen unter anderem für Nervenschäden, Psychosen und Wahnvorstellungen.

Verschiedene Hortensien in einem Kübel auf einer Holzbank auf einer Terrasse
Die Hortensie (Hydrangea) wurde in den letzten Jahren immer wieder als Naturdroge genutzt – doch das kann tödliche Folgen haben. 
© Blumenbüro Holland

Engelstrompete (Brugmansia Hybriden)

Die trichterförmigen, bis zu 30 Zentimeter großen Blüten sind das Erkennungszeichen der schönen Engelstrompete, die zu den beliebtesten Kübelpflanzen zählt. Doch ähnlich wie der Stechapfel und die Tollkirsche dient diese Giftpflanze einigen Menschen als Ersatz für halluzinogene Drogen. Der Verzehr der Blüten sowie das Rauchen anderer Pflanzenteile kann Glücksgefühle und Halluzinationen hervorrufen. Schon geringe Mengen haben für Kinder tödliche Folgen. Typische Symptome einer Vergiftung mit Engelstrompete sind Unruhezustände, Erbrechen, Durchfall, trockene Schleimhäute, Heiserkeit, Sehstören, hoher Puls und Krämpfe.

Blühende Engelstrompete
Engelstrompete (Brugmansia): Alle Teile der Pflanze, vor allem die Wurzeln und Samen, sind für Mensch und Tier gefährlich.
© Colourbox

Rittersporn (Delphinium)

Alle Pflanzenteile dieser imposanten Gartenprachtstaude sind sehr stark giftig. Besonders in den Samen stecken giftige Alkaloide, die dem Aconitin des Eisenhutes ähnlich sind. Während ein bloßer Hautkontakt meist noch keine Auswirkungen hat oder bei sensiblen Menschen zu Hautreizungen führen kann, geht eine Vergiftung durch den Verzehr oft mit Symptomen wie Kribbeln oder Brennen in Mund und Rachen, Taubheitsgefühle an Zunge und Gliedmaßen, Erbrechen, Schweißausbrüche, Durchfall sowie Atemlähmungen einher. Besonders giftig sind der Garten-Rittersporn und der Hohe Rittersporn. Besonders Kinder und Tiere sollten deshalb vom Rittersporn ferngehalten werden.

Rittersporn
Bei Kontakt mit der Haut kann der Rittersporn bei sensiblen Menschen Rötungen und Juckreiz verursachen.
© Colourbox / Jonnysek

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

Diese kleine Zwiebelblume, die uns ab August mit ihren rosa und violetten Blüten fasziniert, hat im deutschen Sprachgebrauch nicht grundlos so unschöne Beinamen wie "Leichenblume", "Giftkrokus" oder "Teufelsbrot". Sämtliche Pflanzenteile der Herbstzeitlose enthalten das Gift Colchicin, das dem Arsen ähnelt und bereits in kleinen Mengen giftig ist. Durch ihre optische Ähnlichkeit mit dem Bärlauch, kommt es im Frühjahr immer wieder zu Verwechslungen beider Pflanzen. Schon innerhalb weniger Stunden treten erste Vergiftungserscheinungen in Form von Schluckbeschwerden und einem brennenden Gefühl in Hals und Rachen auf, gefolgt von Erbrechen, Magenkrämpfen, starken Durchfällen, sinkendem Blutdruck und Lähmungen der Atemwege.

Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) Blüten
Tückische Schönheit im Garten: Die Herbstzeitlose ist so giftig wie Arsen.
© COLOURBOX / Jolanta Mayerberg

Lupine (Lupinus)

Die schönen Schmetterlingsblüten der Lupine sind in engen Trauben oder Ähren angeordnet und leuchten je nach Sorte in Violett, Rosa, Weiß, Rot oder Gelb. Darunter gibt es zahlreiche Lupinen-Arten, die giftige Bitterstoffe enthalten. Zu den giftigen und am meisten verbreitetsten Arten zählt vor allem die „alte“, blau oder gelb blühende Art Lupinus polyphyllos. Die gefährlichen Giftstoffe sitzen in den Samen sowie in den krautigen Blättern, deren Verzehr zu einer ganzen Bandbreite an Vergiftungserscheinungen führen kann: Von Herzrasen und Schwindel, Verwirrtheit und Übelkeit über Zittern und Unruhe bis hin zu Atemnot und Herzstillstand äußert sich eine Vergiftung sehr unterschiedlich je nach Pflanzen-Sorte.

Blaue Lupine (Lupinus) in Nahaufnahme
Die Blätter und Samen der Lupine enthalten Alkaloide, die für Menschen und Tiere wie Pferde oder Schafe giftig sind. Pflanzen Sie besser keine Lupinen, wenn sich Kinder und Hunde häufig im Garten aufhalten.
© Adobe Stock / naruedom

Rhododendron (Rhododendron anthopogon)

In ihrer Heimat Asien wird diese Pflanze gerne als Medizin gegen Muskel- und Gelenkschmerzen verwendet, Rhododendron kann aber auch anders: Alle Pflanzenteile, also Blätter, Blüten, Triebe, Früchte und sogar Nektar und Pollen sind giftig. Das Grayanotoxin, so der Name des Giftes, führt bei Menschen zu Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Auch Herzrhythmusstörungen und Krämpfe zählen zu den Vergiftungserscheinungen.

Pinkblütiger Rhododendron
Gärtner:innen sollten bei Arbeiten an Rhododendron stets Handschuhe tragen, um mit den Giftstoffen der Pflanze erst gar nicht in Kontakt zu kommen.
© Schöner Wohnen / Vanessa Schmitt

Blauregen (Wisteria)

Durchaus romantisch mutet er an, der Anblick der hängenden, blauen Blütenpracht des Blauregens. Zu schade, dass er, ähnlich wie der Goldregen, im Spätsommer Schoten und Samen entwickelt, die besonders gefährlich sind. Zwar enthalten alle Teile dieser Pflanze Alkaloide, die beim Verzehr schwere Vergiftungen hervorrufen, doch die Hülsen sind am giftigsten. Neben heftigen Kopfschmerzen, Magenkrämpfen, Durchfall und geweiteten Pupillen sind auch Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufprobleme typische Vergiftungserscheinungen.

Blauregen an Hauswand
Ein Blickfang im Garten: der giftige Blauregen.
© Adobe Stock / smileus

Christrose (Helleborus niger)

Die hübsche Christrose blüht über die Weihnachtszeit bis in den Februar hinein, weshalb sie auch unter dem Namen "Schneerose" oder "Weihnachtsrose" bekannt ist. Neben den weiß blühenden Christrosen gibt es auch kräftigere Blütenfarben, doch so schön sie sein mag – christliche Nächstenliebe ist nicht ihr Ding: Ihr Gift-Cocktail aus Protoanemonin, Sterodidsaponinen und Bufadienoliden verursacht Durchfall, Unwohlsein, Erbrechen und erweiterte Pupillen bis hin zum Kollaps.

Christrosenblüten auf einem beigen Keramikteller mit goldener Schere
Die Christrose (Helleborus niger) vereint gleich mehrere Gifte in ihren Bättern und Blüten.
© Pflanzenfreude.de

Roter Fingerhut (Digitalis purpurea)

Wenn sich die glockenförmigen Blüten langsam öffnen, ist der Rote Fingerhut ein charmanter Blickfang. Doch der Schein trügt, denn diese Pflanze ist hochgiftig. Je nach Jahres- und Tageszeit variiert die Konzentration der verschiedenen Giftstoffe im Roten Fingerhut, darunter Digitoxin, Gitaloxin und Gitoxin. Schon ein zufälliger Verzehr geringer Mengen kann bereits zu tödlichen Vergiftungen führen, was dieser Pflanze 2007 auch den Titel "Giftpflanze des Jahres" einbrachte.

Blüten des roten Fingerhutes (Digitalis purpurea) in Nahaufnahme
Schönling mit verheerenden Nebenwirkungen: Roter Fingerhut (Digitalis purpurea).
© Adobe Stock / helmutvogler

Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens)

Mit ihren rosafarbenen, elegant geneigten Blüten sieht das Alpenveilchen herrlich unschuldig aus – doch das täuscht: Diese Giftpflanze ist von der Knolle bis in die Blütenspitzen toxisch und verursacht zahlreiche Vergiftungserscheinungen. Das enthaltene Cyclamin, das besonders stark in der Knolle und den Blättern sitzt, kann zu Krämpfen, Schwindel, Magenschmerzen, Durchfall, Brechreiz, Lähmungserscheinungen und im schlimmsten Fall zum Tod führen.

Herbst-Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium) mit hellen Blüten
Unscheinbar und doch höchst gefährlich: das Alpenveilchen.
© Adobe Stock / Simona

Oleander (Nerium oleander)

Dieser blühfreudige Strauch zählt zu den ältesten mediterranen Kübelpflanzen und sollte trotz seiner üppigen Blütenpracht nicht unterschätzt werden: In allen Pflanzenteilen des Hundgiftsgewächses ist Oleandrin enthalten, das in höheren Mengen zum Tod führen kann. Hautkontakt mit dem Saft der Giftpflanze führt zu Juckreiz und geröteter sowie gereizter Haut. Beim Verzehr von Pflanzenteilen kommt es unweigerlich zu Kopfschmerzen, allgemeinen Magen-Darm-Beschwerden, Krämpfen, erweiterten Pupillen oder gar zu Herzrhythmusstörungen mit tödlichem Ausgang.

Oleander (Nerium oleander) Hecke
Auch bei Schnittmaßnahmen am Oleander sollten Sie Handschuhe tragen, damit der austretende giftige Milchsaft die Haut nicht reizt.
© SCHÖNER WOHNEN / Katharina Eidam

Was ist im Notfall bei einer Vergiftung zu tun?

Bei einem Verdacht auf eine Vergiftung sollten Sie umgehend bei den Expert:innnen der Giftinformationszentren anrufen. Die Hotlines sind rund um die Uhr besetzt. Könnten Kinder betroffen sein, informieren Sie sich in der App "Vergiftungsunfälle bei Kindern" des Bundesinstituts für Risikobewertung zu Erste-Hilfe-Maßnahmen oder rufen Sie direkt den Notarzt unter 112.

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