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Bäume schneiden – so geht’s

Garten winterfest machen: Bäume, Hecken und Stauden schneiden
© Adobe Stock / Ueuaphoto
Warum Sie Ihre Bäume schneiden sollten, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist und welches Werkzeug sich für den Baumschnitt eignet.

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Bäume sind ideale Schattenspender im Garten und mit der richtigen Pflege erfreuen sie über Generationen hinweg mit imposantem Wuchs. Obwohl die Natur keinen Baumschnitt kennt, kann es sinnvoll sein, Bäume zu schneiden: etwa, um ihre Genesung nach Unwetterschäden zu beschleunigen, die Blüten- und Fruchtbildung anzuregen oder morsche Äste zu entfernen. In unserem Ratgeber erfahren Sie mehr über das Wie, Wann und Warum zum Thema Baumschnitt.

Wann ist es sinnvoll, Bäume zu schneiden?

  • Nach Sturm- oder Umweltschäden, um Sicherheit für Passanten und Nachbarn zu gewährleisten.
  • Ein Rückschnitt bei dicken, stabilen Ästen fördert das Wachstum und sorgt für eine kontrolliert schöne Ausbildung der Krone.
  • Bei Obstbäumen regt ein regelmäßiger Rückschnitt die Blüten- und Fruchtbildung an.
  • Bei morschen, abgestorbenen oder kranken Ästen kann Krankheiten oder Unfallschäden vorgebeugt werden.
  • Bei älteren Bäumen verhindert ein Rückschnitt der Krone einen Moosbewuchs an Stamm und Ästen.
  • Wirft ein Baum viel Schatten oder konkurrieren Zweige miteinander, können Sie ebenfalls einen Baumschnitt vornehmen.

Unterschiedliche Schnittarten

Beim Beschneiden von Bäumen unterscheidet man vier Arten:

  • Ein Pflanzschnitt (oft bei Obstbäumen genutzt) ist ein Rückschnitt auf Haupttriebe und maximal drei Nebentriebe, der das Anwachsen und die Kronenbildung fördert.
  • Formschnitt ist ein Rückschnitt für optische Zwecke, bei dem der Durchmesser der Krone reduziert, sowie überhängende Äste beseitigt und ein krummes Wachstum begradigt werden.
  • Entlastungs- oder Pflegeschnitt ist ein Baumschnitt zur Erhaltung der Baumgesundheit, bei dem geschädigte Zweige entfernt und eine Wundversorgung der Schnitte vorgenommen wird.
  • Beim Ertragsschnitt hält man (Obst-)Bäume blühfähig, indem man die Kronen ausdünnt.

In welchem Zeitraum sollte man Bäume am besten schneiden?

Der richtige Zeitpunkt zum Beschneiden hängt unter anderem von der Sorte und dem Wuchsverhalten des Baumes ab. So sollten Frühjahrsblüher wie Mandelbäumchen oder Forsythien nach der Blüte geschnitten werden, auch stark austreibende, aber fruchtarme Sorten wie Weiden schneiden Sie am besten im Sommer. Klassische Sommerblüher, Obstbäume und viele Rosensorten werden dagegen im Spätwinter beschnitten.

Prinzipiell unterscheidet man deshalb zwischen einem Winterschnitt und einem Sommerschnitt: Der Winterschnitt erstreckt sich vom Spätwinter bis ins zeitige Frühjahr (Januar bis Anfang März), während ein Sommerschnitt zwischen Ende März und Ende August/September vorgenommen werden sollte.

Ab August bis zum Eintritt der herbstlichen Laubverfärbungen sollten Sie größere Schnitte vermeiden, da nun die Zeit ist, in der die Bäume wichtige Nährstoffe von den Blättern in ihre Wurzeln verlagern. Wer jetzt seine Bäume schneidet, schwächt sie. Außerdem gilt für sogenannte "blutenden" Bäume, bei denen nach einem Baumschnitt eine Flüssigkeit austritt (z.B. bei Walnuss, Ahorn oder Birke), sie bestenfalls direkt nach dem Austrieb im Frühjahr zu beschneiden, damit die Schnitte gut verheilen können.

Hecke schneiden: Blühhecken immer erst nach der Blüte
Forsythien zählen zu den Frühjahrsblühern und sollten nach der Blüte geschnitten werden.
© Adobe Stock: M. Schuppich

Gesetzliche Vorgaben zum Baumschnitt

Das deutsche Bundesnaturschutzgesetz schützt wild lebende Tiere und ihre Lebensräume. Aus diesem Grund dürfen Gehölze wie Bäume, Hecken, Gebüsche oder lebende Zäune zwischen dem 1. März und 30. September nicht abgeschnitten, auf den Stock gesetzt oder beseitigt werden. Ordnungswidrigkeiten haben hohe Geldbußen zur Folge.

Schonende Form- und Pflegeschnitte sind jedoch ganzjährig erlaubt. Auch pflegende Schnittmaßnahmen bei Obstbäumen sind in diesem Zeitraum zulässig. Für alles andere benötigen Sie in der Regel eine Ausnahmegenehmigung, die Sie bei Ihrer Gemeinde beantragen können. 

Vorteile eines Sommerschnittes

  • Da der Baum im Wachstum ist, steckt er einen Schnitt besser weg und die Wunden verschließen schneller.
  • Viele Bäume kommen in dieser Zeit ohne Wundverschluss aus.
  • Geschnittene Gehölze reagieren weniger stark mit Neuaustrieben, "Wassergerschossen" u.ä.
  • Durch den Sommerschnitt wird starkes Wachstum eingedämmt.
  • Geschnittene Gehölze wachsen im Sommer buschiger und tragen mehr Blüten und Früchte.
  • Durch zeitiges Auslichten erhalten Bäume mehr Licht und Luft – dadurch können Pilzkrankheiten dezimiert oder sogar verhindert werden.
  • Kranke oder abgestorbene Äste erkennen Sie leichter am fehlenden Laub.

Vorteile eines Winterschnittes

  • Durch das blattlose Gehölz sind Korrekturmaßnahmen im Winter schnell und einfach durchzuführen.
  • Ein Winterschnitt regt einen verstärkten Austrieb im Frühjahr an, da Gehölze wie Kugelbaum, Beeren- oder Steinobst bereits voller Reservestoffe stecken.
  • Das Entfernen von schwach wachsenden Ästen bietet sich im Winter besser an, da nach dem Schnitt die gesamte Energie des frühjährlichen Austriebes in die erhaltenswerten Zweige geht.
  • Der Winter ist der ideale Zeitpunkt, um Obstbäume zu beschneiden.

Tipp: Wenn Sie Ihre Bäume im Winter schneiden wollen, wählen Sie hierfür einen trockenen und frostfreien Tag, um ihnen durch die offenen Stellen nicht unnötig zu schaden.

Weide
Weiden schneiden Sie am besten im Sommer.
© Schöner Wohnen / Vanessa Schmitt

Dieses Werkzeug benötigen Sie zum Bäume schneiden

Um Obstbäume oder junge, dünne Äste und Zweige zu schneiden, reicht meist eine stabile Gartenschere aus. Das wichtigste Kaufkriterium ist hierbei eine scharfe und robuste Klinge, sogenannte Bypass-Scheren sind hierbei besonders empfehlenswert, da sie keine kurzen Zweigstummel hinterlassen. Im Idealfall können Sie die Einzelteile nachkaufen. Scheren mit Amboss-Schneidtechnik bringen hingegen Vorteile beim Abschneiden von totem oder sehr hartem Holz. Tipp: Desinfizieren Sie die Klingen Ihrer Gartenschere vor dem Schnitt, um das Risiko von ausbrechenden Krankheiten oder Pilzbefall zu minimieren.

Für dickere Zweige (ab etwa drei Zentimeter Durchmesser) und größere Bäume ist eine Astschere mit langem Griff die richtige Wahl. Modelle mit Getriebe schaffen durchaus auch dickere Äste. Mittlerweile gibt es Astscheren, bei denen der Scherenkopf an einem langen Stiel sitzt, der über einen Mechanismus am Stielende betätigt werden kann. So können Sie Bäume auch ohne Leiter beschneiden. Auch Teleskop-Astscheren können sinnvoll sein, da sie zwischen zwei bis vier Metern ausgefahren werden.  

Ein scharfes Messer bietet sich an, um eventuelle Ränder an kräftigen Ästen sauber abzuschneiden. Für dichtes Geäst ist eine Klappsäge ideal, da sie in feuchtem Holz nicht stecken bleibt und saubere Schnitte hinterlässt.

Grüne Astschere setzt zum Schnitt an einem beblätterten Baumzweig an
Eine Astschere ist ein unverzichtbares Werkzeug für den Baumschnitt.
© Adobe Stock / Animaflora PicsStock

Bäume schneiden – Tipps für den perfekten Baumschnitt

Keine Aststummel (= Huthaken) stehen lassen
Wenn Sie Äste von einem Stamm oder Seitentrieb schneiden, achten Sie darauf, den Schnitt sauber am Astkragen durchzuführen, um kleine Aststummel (sogenannte Huthaken) zu vermeiden. Diese treiben nicht mehr aus, können aber im schlimmsten Fall faulen und so bei geschwächten Bäumen zur Fäulnis des gesamten Stammes führen.

Auf Außenaugen schneiden
Ruhende Knospen, also Verdickungen an den Zweigen, werden auch als schlafende Augen bezeichnet. Durch einen Rückschnitt werden diese aktiviert, das heißt, sie treiben dann aus – die Knospe, die der Schnittstelle am nächsten ist, treibt dabei am stärksten aus. Oft zeigt sie dabei in die Richtung, in die der neue Ast wächst: Sie können also die Wuchsrichtung des Austriebes durch die Wahl des Außenauges festsetzen. Schneiden Sie den Zweig leicht schräg und nur wenige Millimeter über dem entsprechenden Auge ab.

Wasserschosser entfernen
Bei den sogenannten Wasserschossern handelt es sich um dicht und nach oben wachsende dünne Triebe, die insbesondere bei Obstbäumen auftreten. Wenn sie nicht entfernt werden, erreichen sie teilweise beachtliche Längen und durchwachsen die Baumkrone. Da es sich um unproduktive Triebe handelt, sollten Sie sie entfernen. Schneiden oder reißen Sie die Triebe dicht an der Basis ab.

Baumkronen auslichten
Um die Gesundheit Ihrer Bäume zu erhalten, ist eine Krone wichtig, die nicht zu dicht bewachsen ist. Ein lockerer Aufbau sorgt für eine bessere Durchlüftung des Baumes und kann Pilzerkrankungen an den Blättern reduzieren. Nehmen Sie deshalb alle Triebe heraus, die nach innen wachsen, sich überlagern, abgestorben oder mit Moos bewachsen sind. Entfernen Sie dabei nie mehr als maximal 25 Prozent der lebenden Krone, denn: je mehr Sie zurückschneiden, desto stärker reagiert das Gehölz mit einem neuen Austrieb, um das Gleichgewicht zwischen Wurzel- und Astvolumen beizubehalten.

Schatten einer blattlosen Baumkrone auf einem grünen Rasen
Manchmal kann es sinnvoll sein, die Baumkrone auszulichten, um die Sauerstoffversorgung des Baumes zu gewährleisten.
© Adobe Stock / Hillary Fox/Stocksy

Baumkrone verkleinern durch Ableiten der Äste
Um die Krone zu verkleinern, ohne dabei ihre natürliche Wuchsform zu verlieren, sollten Sie Äste ableiten. Das heißt, dass Sie ganze Äste direkt am nächsten Seitenast entfernen. So übernimmt dieser die Funktion des entfernten Astes. Achten Sie jedoch darauf, dass der verbleibende Ast dreimal so dick ist, wie der, den Sie abschneiden wollen.

Seitentriebe und Äste richtig absägen
Der wulstige Übergang zwischen Stamm und Ast nennt sich Astring. Dieser spielt eine wichtige Rolle bei der Wundheilung. Deshalb sollten Sie Äste und Seitentriebe nicht direkt am Stamm entfernen, sondern stets sauber auf Astring schneiden.

Aufasten der Stämme
Durch das Aufasten können Sie Bäume mit sehr vielen Seitentrieben am Stamm freilegen, z.B. um Platz für einen Weg oder eine Sitzbank zu schaffen. Schneiden Sie die Äste bis in Kopfhöhe ab und achten Sie darauf, dass das Verhältnis von Stamm und Kronenvolumen harmonisch wirkt. Andernfalls können Sie die Baumkrone ein wenig auslichten.

Dicke Äste schrittweise abschneiden – so geht‘s

Äste mit mehr als vier oder fünf Zentimetern Durchmesser sollten Sie in mehreren Schritten abschneiden, damit durch das Herunterfallen des schweren Astes keine Rindenzunge vom Stamm gerissen wird. So haben Bakterien oder Pilze leichtes Spiel in die entstandene Wunde einzudringen und den Baum zu schädigen. Um dies zu vermeiden gehen Sie wie folgt vor:

  • Sägen Sie etwa ein oder zwei Handbreit entfernt vom Stamm einen Schnitt von unten in den Ast, der ungefähr bis zur Mitte reicht.
  • Nehmen Sie Ihre Säge und setzen Sie sie ein paar Zentimeter innen oder außen vom unteren Schnitt auf der oberen Seite an. Sägen Sie so lange, bis der Ast abbricht. Bei sehr langen Ästen sollten Sie diesen Schritt einige Male wiederholen, um ihn kontrolliert abzusägen.
  • Durch die getätigten Schnitte bricht der Ast sauber ab, ohne auszufransen. Den verbleibenden Aststummel sägen Sie dicht am Astring entlang von oben nach unten ab. Halten Sie dabei den Stumpf beim Sägen fest, damit er nicht vorher abknickt. Sehr dicke Aststummel können Sie zusätzlich von unten einschneiden.
  • Die Schnittfläche glätten Sie mit einem scharfen Messer, damit die Rinde nicht ausfranst.

Wundverschluss bei Bäumen

Über Schnittwunden können Schädlinge (Pilze, Bakterien) in den Baum eindringen und das Holz beginnt zu faulen bis schließlich ganze Äste abbrechen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie ausgefranste Schnitte vermeiden und mit scharfem Werkzeug arbeiten. Folgen Sie dieser Regel, müssen die Schnittwunden nach dem Baumschnitt in aller Regel nicht zusätzlich versiegelt werden.

Sollten Sie doch mal eine Schnittwunde versiegeln wollen, nutzen Sie hierfür ein Wundverschlussmittel. Dieses sorgt dafür, dass keine Schädlinge eindringen können und die Wunde schneller verheilt. Sind die Schnittwunden größer als zehn Zentimeter, reicht es, wenn Sie den Rand der Schnittwunde etwa zwei Zentimeter breit entlang der Rinde mit Wundverschlussmittel versorgen. Tipp: Wundverschlussmittel helfen auch bei der Behandlung von Frostschäden oder Rissen in der Rinde.

Kürbis wachsen auf dem Komposthaufen
Schnittgut vom Baumschnitt kann gehäckselt für den Kompost genutzt werden.
© Adobe Stock / kaliantye

Nach dem Baumschnitt: Wohin mit dem Schnittgut?

Beim Bäume schneiden entstehen automatisch Gartenabfälle und Schnittgut. Größeren Baumschnitt können Sie zersägen und zu Brennholz weiterverarbeiten. Alternativ können Sie im naturnahen Garten das Schnittgut unzerkleinert zu einer Benjeshecke aufschichten, die Insekten, Kleinsäugern und Vögeln als Unterschlupf dient. Eine andere Möglichkeit ist das Häckseln von Schnittgut. Die Holzhäcksel lassen sich als wertvolles Kompost- und Mulchmaterial verwenden und können als Wegbelag für Gartenwege dienen.

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