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Bokashi selbst herstellen – so geht‘s

Küchenabfälle in einem Eimer
Bokashi: Küchenabfälle sinnvoll nutzen und als Dünger verwenden
© Adobe Stock / Руслан Галиуллин
Bokashi, die japanische Art des Kompostierens, hat in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt. Worum es dabei geht, wie sich Bokashi von Kompost unterscheidet und warum ein Bokashi-Eimer unverzichtbar ist, erfahren Sie hier.

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Die täglichen Küchenabfälle in wertvollen Dünger für Garten und Balkon verwandeln? Das lässt sich schon auf kleiner Fläche realisieren - Bokashi sei Dank! Was es mit der Methode auf sich hat und wie Sie selbst Dünger im Bokashi-Eimer herstellen können – hier kommt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung:

Was ist Bokashi?

Bokashi stammt aus dem Japanischen und bedeutet so viel wie "fermentiertes organisches Material“. Er wird wie Kompost verwendet, ist in der Herstellung aber deutlich weniger arbeitsintensiv und riecht nicht. Beim Bokashi wird organisches Material (Garten- oder Küchenabfälle) zerkleinert, mit sogenannten Effektiven Mikroorganismen (EM)geimpft und luftdicht verschlossen zum Fermentieren gebracht. Innerhalb von zwei bis sechs Wochen entsteht so wertvoller, flüssiger Dünger für Pflanzen. Zusätzlich ergeben sich aus dem Prozess fermentierte Pflanzenreste, das flach in den Boden eingearbeitet oder kompostiert werden kann.

Die Vorteile dieses Küchenkomposters: Er ist platz- und zeitsparender und macht deutlich weniger Arbeit, als ein herkömmlicher Komposthaufen. Durch seine geringe Geruchbildung lässt sich mit einem Bokashi-Eimer auch in der Küche leben. Und: Die täglich anfallenden Küchenabfälle werden direkt "recycelt“ und in hochwertigen Bio-Dünger verwandelt.

Fermentation und Effektive Mikroorganismen (EM)

Bei der Fermentation (auch Milchsäuregärung genannt) handelt es sich im Grunde um vergorenes, organisches Material durch Milchsäurebakterien. Während des Fermentierens ernähren sich diese Milchsäurebakterien von Kohlenhydraten aus dem organischen Abfall. Durch diese Verstoffwechslung wird das Ursprungsmaterial mit zusätzlichen wertvollen Vitaminen, Enzymen, Säuren und Mineralien angereichert.

Obwohl uns Fermentation eher aus der Lebensmittel-Konservierung bekannt ist (Joghurt, Käse, Sauerkraut, Bier, Wein usw.), können auch andere organische Stoffe wie Garten- oder Küchenabfälle fermentiert und sich so mit wertvollen Inhaltsstoffen aufwerten. Der geistige Vater von Bokashi, Teruo Higa, ein japanischer Professor für Gartenbau, entwickelte vor rund 40 Jahren die beschriebene Methode. Ihm gelang es kurz darauf, die unmittelbare Verbesserung der Bodenqualität durch natürliche Mikroorganismen wissenschaftlich nachzuweisen. Bokashi war geboren.

Higa experimentierte mit unterschiedlichen Mikroorganismen, bis er eine besondere Mischung aus Milchsäurebakterien, Hefen und Photosynthesebakterien als besonders gewinnbringend verzeichnen konnte. Er nannte sie Effektive Mikroorganismen (EM). Beim Bokashi helfen die Effektiven Mikroorganismen nicht nur dabei, Bioabfälle zu verarbeiten, sondern auch einen vollökologischen Dünger daraus herzustellen.

Blumen und Pflanzen bewässern im Urlaub: Nachbarn fragen
Der Sickersaft beim Bokashi kann als natürlicher Dünger sowie als Pflanzenschutzmittel genutzt werden.
© Adobe Stock / EdNurg

Unterschied zwischen Bokashi und Kompost

Sowohl Bokashi als auch Kompost haben bodenverbessernde Eigenschaften und sind nährstoffreich - doch der Weg dahin unterscheidet sich immens. Beim Kompostieren werden organische Reste und Biomüll aufeinandergeschichtet, die sich unter Einwirkung von Wärme, Sauerstoff und Wasser zersetzen. Obwohl hierbei, ähnlich wie beim Bokashi, verschiedene Mikro- und Makroorganismen beteiligt sind, ist das Verfahren ein anderes: Kompost entsteht, weil der organische Abfall verrottet und im Laufe der Zeit zu humusreicher Erde umwandelt. Dabei sind eine regelmäßige Sauerstoffzufuhr und Wärme wichtige Erfolgsfaktoren für die Reifung. Bokashi dagegen reift anaerob, also unter Luftabschluss, und bei sehr niedrigen Temperaturen.

Ein weiterer wichtiger Unterschied beider Methoden liegt im Endergebnis: Bei Kompost entsteht am Ende krümelige, humusreiche Erde, die im Garten von den Bodenlebewesen in Nährstoffe umgewandelt wird und den Pflanzen zur Verfügung steht. Bokashi bildet durch die Fermentation zwei Produkte: einen Saft, der als Flüssigdünger verwendet werden kann und das Bokashi Ferment, eine vorverdaute Nahrung für die Bodenlebewesen, die noch nicht vererdet ist. Das fertige Bokashi Ferment enthält alle Nährstoffe des organischen Ursprungsmaterials und dank der Effektiven Mikroorganismen (EM) auch zusätzliche Nährstoffe. Es wird im Garten mit Erde gemischt und zersetzt sich innerhalb von vier bis sechs Wochen zu humusreicher Erde, die Nährstoffe werden beim Zerfall direkt an den Boden abgegeben.

Auch der Zeitaufwand unterscheidet sich bei beiden Methoden. Die Fermentation geht wesentlich schneller (ca. 2-4 Wochen) als das Kompostieren und steht als Dünger direkt zur Verfügung.

Kürbis wachsen auf dem Komposthaufen
Ein Komposthaufen im Garten muss regelmäßig gepflegt werden.
© Adobe Stock / kaliantye

Der Bokashi-Eimer – Infos und Tipps

Was ist ein Bokashi-Eimer?
Um aus Küchenabfällen wertvollen Dünger herzustellen, bietet sich ein sogenannter Bokashi-Eimer an: In diesem luftdicht verschließbaren Plastikeimer mit Siebeinsatz füllen Sie Ihre organischen Abfälle und besprühen oder vermengen sie mit Effektiven Mikroorganismen (EM). Damit das organische Material schnell fermentiert, müssen die Garten- und Küchenabfälle vorher zerkleinert werden. Der Sickersaft, der beim Fermentieren entsteht, kann durch einen Auslaufhahn abgelassen und als flüssiger Dünger verwendet werden.

Was darf in einen Bokashi-Eimer – und was nicht?
Alle gängigen Garten- und Küchenabfälle wie Pflanzenreste, Rasenschnitt, Obst- und Gemüsereste sowie Kaffeesatz eignen sich für Bokashi. Große Knochen, Asche, Fleisch, Fisch oder Papier sind zu vermeiden, ebenso wie Nudel- oder Kartoffelgerichte, Fette und Öle, da sie die Arbeit der Mikroorganismen hemmen oder schlecht abgebaut werden können.

Bokashi-Eimer selber bauen
Spezielle Bokashi-Eimer gibt es im Fachhandel zu kaufen – man kann sie aber auch leicht selber bauen. Hierfür benötigen Sie ein Kunststoffgefäß mit Deckel und einem Fassungsvermögen von 15 bis 20 Litern, einen Siebeinsatz und einen kleinen Auslaufhahn: Bohren Sie 2 bis 5 cm oberhalb des Bodens ein Loch für den Auslaufhahn und setzen Sie ihn hinein. Anschließend bringen Sie den Siebeinsatz oberhalb des Auslaufhahnes an.

Dünger im Bokashi-Eimer herstellen – so geht’s

Für Bokashi benötigen Sie nur eine Handvoll Utensilien, um loslegen zu können:

  • einen Bokashi-Eimer
  • eine Lösung mit Effektiven Mikroorganismen (EM)
  • eine Sprühflasche, mit der Sie die EM-Lösung auf dem organischen Material verteilen können
  • einen Plastikbeutel mit Zip-Verschluss, mit Sand oder Wasser gefüllt
  • optional: Gesteinsmehl (hilft, die Nährstoffe des Bokashi Ferments für den Boden verfügbar zu machen)

Tipp: Bei großen Mengen an Küchenabfall sind zwei Bokashi-Eimer sinnvoll. So kann der eine in Ruhe fermentieren, während der andere täglich mit Küchenabfällen gefüllt wird.

  1. Ähnlich wie beim Kompostieren wird der organische Abfall aus Garten und Küche gut zerkleinert im Bokashi-Eimer geschichtet. Dabei sollten die einzelnen Lagen mit der EM-Mischung eingesprüht und durch Stampfen verdichtet werden, damit das Material feucht und luftdicht verschlossen bleibt.
  2. Legen Sie anschließend den mit Sand oder Wasser gefüllten Plastikbeutel darauf, sodass die gesamte Oberfläche bedeckt ist.
  3. Danach wird der Bokashi-Eimer jedes Mal wieder fest verschlossen, damit kein Sauerstoff an das Ferment gelangt.
  4. Diesen Vorgang wiederholen Sie, bis der Bokashi-Eimer gut mit Abfällen gefüllt ist und lassen ihn anschließend noch ca. 2 Wochen fermentieren, bevor das fertige Ferment in die Erde eingearbeitet werden kann. Das Ferment ist fertig, wenn es im Eimer sauer (leicht nach Apfelessig) riecht. Der Sickersaft, der bei der Fermentation entsteht, kann alle zwei bis drei Tage durch den Ablaufhahn abgelassen werden.

Tipp: Bokashi sollte immer leicht feucht sein, das fertige Ferment bröselig und locker.

Bokashi-Eimer mit Ablaufhahn und luftdicht verschließbarem Deckel
Praktischer Küchenkomposter: Ein Bokashi-Eimer mit Ablaufhahn und luftdicht verschließbarem Deckel.
© Adobe Stock / Chopard Photography

Bokashi: Saft und Ferment richtig verwenden

Der Sickersaft, den sie regelmäßig aus dem Eimer ablassen, ist sehr nährstoffreich (Stickstoff, Kalium, Magnesium) und eignet sich perfekt als Rasendünger, Pflanzenjauche oder für Bäume. Auch als Kompostbeschleuniger kann man ihn einsetzen. Bokashi-Saft sollte zügig verwendet werden, da er schnell zu schimmeln beginnt. Er hat einen niedrigen pH-Wert, weshalb er im Mischverhältnis 1:100 und bei Jungpflanzen im Verhältnis 1:200 mit Wasser ausgebracht werden sollte. Um den Saft als Pflanzenschutzmittel gegen Blattläuse verwenden zu können, reichen 40 ml auf 500 ml Wasser.

Das reife Bokashi Ferment aus dem Eimer können Sie direkt mit Erde mischen – ein Eimer Ferment reicht für ca. 100 Liter Erde. Nach dem Vermischen sollte das Bokashi Ferment ca. eine Woche ruhen und erst dann mit Pflanzen in Berührung kommen. Durch den niedrigen pH-Wert des Bokashi könnten sonst feine Wurzeln beschädigt werden. Während der frostfreien Zeit kann das Bokashi in Pflanzbeeten oder kleinen Gräben (ca. 10 cm tief) zwischen den Pflanzen vergraben und mit Erde bedeckt werden.

Bokashi im Winter lagern

In der kalten Jahreszeit fehlen oft die Verwendungsmöglichkeiten für Bokashi, weshalb es sinnvoll ist, das Ferment bis zum Frühjahr zu lagern. Hierzu können Sie Säcke oder Kunststofftonnen verwenden: Nehmen Sie das Ferment aus dem Küchenkomposter, füllen Sie es in die Säcke und drücken Sie überschüssigen Sauerstoff heraus. Anschließend lagern sie sie an einem frostfreien, kühlen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung. So bleibt das Bokashi Ferment lange frisch und lässt sich für die nächste Gartensaison sammeln.

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