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Thonet

Die Entwürfe der Familienfirma Thonet gelten als Meilensteine der Designgeschichte und punkten sowohl mit klassischen Möbelstücken als auch innovativen Ideen.
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Peter und Vivie Thonet streiten nur sehr selten. Das Ehepaar ist sich in privaten wie auch in geschäftlichen Fragen meistens einig. Aber wenn es um die "Nr. 4" geht, flammt eine jahrealte Meinungsverschiedenheit auf. Die "Nr. 4" steht im Esszimmer der Thonets, ist ein Bugholzstuhl mit dem Modellnamen "4" und soll weg. Das zumindest meint Peter Thonet.

Ein Stahlrohrfreischwinger, zum Beispiel ein Bauhaus‐Klassiker wie der "S 64" von Marcel Breuer, wäre ihm lieber, "weil bequemer". Vivie Thonet hingegen pocht auf die Einzigartigkeit der Thonet‐Bugholzstühle, mit denen Mitte des 19. Jahrhunderts das Wiener Kaffeehaus "Daum" ausgestattet wurde: "Die kann man nicht einfach austauschen!"

Ob Stahlrohr‐ oder Bugholzstühle am Tisch stehen, ist in Peter Thonets Haus also Ansichtssache. Der 65‐Jährige, der das Traditionsunternehmen Thonet heute als Geschäftsführer in fünfter Generation leitet, nimmt die Diskussion gelassen. Fest steht, dass die Klassiker, und dazu zählen sowohl Stahlrohr‐ als auch Bugholzmöbel, immer noch ein knappes Fünftel zum Umsatz beisteuern. Den Rest erwirtschaften moderne Entwürfe, die von Designern wie Stefan Diez, James Irvine, Naoto Fukasawa und Claudio Bellini stammen und von den rund 160 Mitarbeitern der Familienfirma im hessischen Frankenberg produziert werden.

Dass innovative Produkte der Schlüssel zum Erfolg sind, weiß schon Firmengründer Michael Thonet (1796–1871), der seine erste Werkstatt 1819 in Boppard am Rhein eröffnet. Dort experimentiert der Tischlermeister unter anderem mit gebogenem Schichtholz. Die Entwürfe fallen Fürst Metternich auf und begeistern ihn so sehr, dass er Thonet 1842 nach Wien ruft. Zunächst werden dort das Palais Lichtenstein, das Palais Schwarzenberg und das Kaffeehaus "Daum" mit Thonet‐Möbeln ausgestattet.

Der Stuhl "214" - 60 Millionen Mal verkauft

214, Thonet, 1859, Buchenholz, Rohrgeflecht, Stühle

1859 gelingt Michael Thonet dann, worauf er jahrelang hingearbeitet hat: Der später so genannte Wiener Kaffeehausstuhl, das Modell "14" (heute "214") mit der typisch geschwungenen Bugholzlehne, geht in Produktion. Der Stuhl wird aus nur sechs Teilen zusammengeschraubt, er ist leicht und robust, lässt sich platzsparend verpacken und markiert den Wendepunkt vom handwerklich hergestellten Einzelmöbel hin zum industriellen Serienprodukt. Bis heute ist das Modell "14" mehr als 60 Millionen Mal verkauft worden – das meistproduzierte Möbel weltweit.

1889 bauen die Thonets in Frankenberg ein Werk, das nach dem Zweiten Weltkrieg Stammsitz des Unternehmens wird. Dort beginnt in den 30er Jahren die Ära neuartiger Stahlrohrmöbel, entworfen von der Crème de la Crème der damaligen Architekten-Avantgarde: Mart Stam, Mies van der Rohe, Marcel Breuer und Le Corbusier. Die reduzierte Konstruktion, die elegante Form und der hohe Sitzkomfort der hinterbeinlosen Freischwinger bleiben jahrzehntelang wegweisend. Für Thonet bedeuten die Stahlmöbel ein lukratives Geschäft – und die Festigung des Firmenrenommees, denn ganz nebenbei gelten die neuen Möbel schnell als Meilensteine der Designgeschichte.

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Von der Schwierigkeit, die eigenen Klassiker zu überbieten

Thonet-Bestseller im Wohnbereich war im vergangenen Geschäftsjahr einer jener Klassiker: der Stahlrohrstuhl "S 43", ein Entwurf des Niederländers Mart Stam. Als der Freischwinger 1931 auf den Markt kam, war seine Konstruktion revolutionär, denn das schwingende Stahlgestell machte eine Polsterung von Sitz und Rückenlehne überflüssig. Weniger ging wirklich nicht. Doch so stolz die Familie heute auf ihre Historie ist, sie bedeutet auch eine große Herausforderung. Die Thonet-Klassiker lassen sich nicht so einfach überbieten – und dessen sind sich die Thonet-Brüder bewusst.

S 43 Teak, Thonet, Mart Stam, 1931, Edelstahl, Fiomrholz, Teakholz, Stuhl

"Selbst die besten Entwerfer können die Bugholzstühle und Stahlrohr-Freischwinger kein zweites Mal erfinden. Was wir brauchen, sind neue, zeitgemäße Entwürfe, die unseren hohen Qualitätsanspruch an Form und Funktion erfüllen. Wir brauchen keine modischen Bugholzmöbel, nur weil wir Thonet heißen. Was in Zukunft zählt, sind wieder innovative Entwicklungen", so Peter Thonet. Ein vom Vater, Georg Thonet, vererbter Leitsatz? "Vom Vater haben wir auf jeden Fall den Enthusiasmus für das Unternehmen geerbt. Immer neugierig zu bleiben. Und dass es wichtig ist, mit den Mitarbeitern und generell mit Menschen gut zurechtzukommen."

Die Familienfirma nicht zu übernehmen stand weder für Claus, den ältesten der Brüder und zuletzt Vorstands- und Beiratsmitglied, noch für Peter, seit 2011 Geschäftsführer, oder Philipp Thonet, der die internationalen Geschäfte leitet, zur Debatte. "Unsere Eltern haben mir und meinen Brüdern freigestellt, ob wir in das Unternehmen eintreten wollen oder nicht. Wir wollten definitiv. Für uns war das keine Frage, denn wir sind praktisch im Betrieb aufgewachsen", erinnert sich der leidenschaftliche Motorradfahrer Peter Thonet, kurz Pit genannt. Sein Sohn Moritz, der noch das Gymnasium besucht, soll sich allerdings erst einmal in einem anderen Unternehmen beweisen. Es sei nicht gut, wenn die eigenen Kinder direkt nach der Schule einen Job in der Firma übernehmen.

Frischer Wind mit der sechsten Generation

Werkstatt, Stefan Diez, Stühle, Thonet, "404", Tisch

Doch die kommende, dann sechste Generation der Familie ist bereits am Start. Die Söhne von Claus Thonet, Felix und Percy, sind im Vertrieb tätig. Der eine leitet die Thonet-Dependance in Düsseldorf, der andere jene in Wien. Die Verkaufsschlager sind dort nicht die Klassiker, sondern neue Modelle wie beispielsweise die Stuhlserie "404" des Münchner Designers Stefan Diez. Diez`Holzstühle beziehen sich zwar auf das Bugholz-Erbe der Thonets, übersetzen es aber in ästhetischer und in technologischer Hinsicht ins Heute. Die gebogenen Stuhlbeine und Armlehnen sind in einem konstruktiven Knoten unter der komfortabel geformten Sitzschale verleimt, die geschwungene Rückenlehne federt angenehm leicht nach.

Auch die Massivholzstühle "130" des Japaners Naoto Fukasawa sind erst seit kurzer Zeit, dafür aber sehr erfolgreich, im Portfolio. Ihre unaufgeregte, perfekt proportionierte Form und die feinen handwerklichen Details entsprechen dem hohen Anspruch der Thonets. Vielleicht ist das Modell gar ein würdiger Nachfolger der unbequemen "4er"-Erbstücke im Esszimmer von Vivie und Peter Thonet. Wer weiß.

Kontakt

Thonet GmbH
Michael-Thonet-Straße 1
D-35066 Frankenberg (Eder)
Tel.: +49(0) 6451-508-0
Fax: +49(0) 6451-508-108 Zentrale
E-Mail: info@thonet.eu
www.thonet.de

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