CROSSMEDIA
WERBEPARTNER

Designer-Porträt Walter Gropius (1883 - 1969)

Der Wegbereiter: Seine Vision vom gestalterischen Neuanfang begründete in den 20er Jahren den kühlen Look der Moderne. Nie wieder war Deutschland so Avantgarde wie in Gropius` Bauhaus-Schule.
Walter Gropius

Ein Sessel, eine Bank, ein Teeservice. Das ist fast schon das gesamte Design-Werk von Walter Gropius. Und doch ist ihr Schöpfer Deutschlands wichtigster, weil folgenreichster Gestalter – dass Design "Made in Germany" überhaupt auf der Weltkarte steht, verdankt es Walter Gropius legendären Bauhaus-Schule. Nie wieder waren so viel Aufbrucheuphorie und so viel Talent an einem Ort versammelt. In seinen Hochzeiten Mitte der 20er Jahre lebten Kandinsky, Klee und Feininger Tür an Tür, und sie unterrichteten Schüler wie Marcel Breuer oder Max Bill – berufen von Gropius und wohnend in Häusern, die Gropius für sie baute.

Walter Gropius: Zusammenbruch und vergessene Ideale

Hier, im Bauhaus, entstand der unterkühlte Look der Moderne – kubische Häuser voller Stahlrohrmöbel –, und er wuchs aus Walter Gropius’ Traum von einer Schule der Erneuerung. Schuld an allem ist der Krieg – der reduzierte Stil ist eine Folge tiefer Ernüchterung. Der junge Kavallerieoffizier Walter Gropius erlebt den Ersten Weltkrieg als Zusammenbruch der alten Welt. Und für den Nachwuchsarchitekten Gropius sind spätestens 1918 mit dem Ende des Kaiserreiches all die repräsentativen Haus-Türmchen und all die schmückenden Säulen und Friese nicht nur konstruktiv überflüssig, er lehnt sie auch als Symbole moralisch erledigter Werte ab.

Die Erlösung sieht er, ähnlich wie Le Corbusier in Frankreich, im neuen "Maschinenzeitalter", auch in Geometrie und Abstraktion, wie die holländische De-Stijl-Gruppe. Aber Gropius schaut, anders als diese, auch weit zurück und stößt auf vergessene Ideale der mittelalterlichen Bauhütten: "Die enge persönliche Fühlung der Künstler aller Grade, nur sie ließ die gotischen Dome entstehen!" Walter Gropius träumt von "gemeinsamer Geistigkeit", und sein Suchen hat durchaus etwas Romantisierendes, Geheimbündlerisches.

 

Etablierung von Designikonen unter Gropius

In der Umbruchstimmung der Nachkriegsjahre gibt ihm Thüringens sozialdemokratische Regierung die erhoffte Chance und lässt Gropius die Weimarer Kunstgewerbeschule nach seinen Ideen reformieren. Der Zuspruch ist sofort groß. Es kommen die Maler, die Metallkünstler, die Keramiker ebenso wie die Weltverbesserer und die Träumer. Und Walter Gropius hält sie alle zusammen, wenigstens eine Zeit lang. Neugierig oder argwöhnisch, auf jeden Fall aufmerksam beobachtet von den Außenstehenden, wird unter dem Signum des Bauhauses genäht, geschweißt und collagiert, es gibt Kostümfeste und jede Menge Theoriestreit. Und es entstehen fast nebenbei und anfangs unbemerkt Designikonen des 20. Jahrhunderts.

Der Silberschmied Wilhelm Wagenfeld baut die "Bauhausleuchte", die nur aus einem Stab und einer Dreiviertelglaskugel zu bestehen scheint. Der Jungmeister Marcel Breuer lässt sich von seinem Fahrradlenker zu Stühlen und Tischen aus gebogenem Stahlrohr inspirieren. Feininger und Schlemmer malen kubistische Gemälde, die heute Millionen wert sind. Und Walter Gropius baut weiße Kubus-Häuser, die inzwischen auf der Weltkulturerbe-Liste stehen – licht, klar und schmucklos. Sein Büro richtet er mit kantigen Möbeln im geometrischen Raster besonders sachlich ein.

Gropius´ heimliche Affären und unglückliche Liebschaften

Wer aber davon auf ein reduziertes Seelenleben Gropius schließt, täuscht sich, eher scheint es umgekehrt: so aufgeräumt sein Werk, so verschlungen Walter Gropius’ Gefühlswelt. "Es wirrt ja alles durcheinander, Eis und Sonne, Perlen und Dreck, Teufel und Engel", schreibt er an seine erste große Liebe, die verheiratete Alma Mahler. Er ist 27 und sie 31, und es ist Sommer, als er sie bei einer Kur in Tirol kennenlernt. Jahre voller Versteckspiel sind die Folge, abgestimmt auf die Proben und Auftritte des Komponisten Gustav Mahler.

Mal treffen sich die heimlich Liebenden konspirativ im Hotel, mal reisen sie, minutiös geplant, aber zufällig scheinend im Orientexpress in benachbarten Schlafwagenabteilen. Sie heiraten nach dem Tod Mahlers und haben ein Kind zusammen; doch Alma Mahler-Gropius kann sich nie entschließen, aus Wien wegzuziehen – und mit seinen jungen, ungestümen Bauhaus-Studenten in Weimar kann sie sowieso nicht viel anfangen. Die Beziehung endet, wie sie begonnen hat, mit Seitensprüngen, und diesmal ist Gropius der Betrogene, Alma hat Verhältnisse mit dem Maler Kokoschka und dem Dichter Werfel. Trost findet Gropius erneut bei einer Verheirateten, der Ehefrau eines Stuttgarter Kunstwissenschaftlers.

Erst die dritte und letzte bestimmende Frau bringt Ruhe in Walter Gropius Leben: Ise Frank, die er auf einer Vortragsreise ("Die Einheit von Kunst und Technik") kennenlernt und nur fünf Monate später heiratet.

Abschied vom Bauhaus

Für Walter Gropius´ Bauhaus wird der Ton dagegen rauer: War das Bauhaus schon aus Weimar vertrieben worden, als dort die konservative Volkspartei die Regierung übernahm, so wiederholen sich jetzt auch in der zweiten Gastgeberstadt, Dessau, die Anfeindungen der Konservativen und der immer mächtiger werdenden Nationalsozialisten. Gropius, im Inneren ein Freigeist, aber im äußerlichen Auftreten immer bürgerlich korrekt geblieben, zieht sich verletzt zurück. Neun Jahre hielt sein Talent-Konstrukt, noch einmal vier Jahre später kann auch der letzte Leiter, Mies van der Rohe, dem politischen Druck nicht mehr standhalten, und das Bauhaus löst sich 1933 auf – beim Abschiedsfest wandern Klee-Gemälde in die Tombola.

Der Rest lässt sich zusammenfassen wie in einer "Was-wurde-aus?"-Aufzählung in Filmabspännen. Im amerikanischen Exil revolutionieren Gropius und Mies die dortige Architektenausbildung, der eine in Harvard, der andere in Chicago. Im Deutschland der 50er Jahre führen Bauhaus-Gedanken über Wagenfeld zur WMF und deren Modernisierung der Tischkultur und über Max Bill zur Ulmer Hochschule für Gestaltung (HfG).

Walter Gropius selbst stirbt mit 86 hochgeehrt in den USA. Dass sich in Deutschland eine Baumarktkette seinen visionär-elitären Namen "Bauhaus" klaute, hat er nicht mehr erlebt.

Alle Produkte des Designers

Geschirr "TAC"
Zum Produkt
Geschirr "TAC"
Sofa "F 51-3"
Zum Produkt
F 51-3, tecta, Walter Gropius, 1920, Esche oder Ahorn, Leder, Sofa
Stuhl "D51"
Zum Produkt
D51, tecta, Walter Gropius, 1922, Eschenholz, Textil, Stuhl
Sofa "F51-2"
Zum Produkt
F51-2, tecta, Walter Gropius, 1920, Eschenholz, Polyurethan, Textil, Sofa
Geschirr "TAC"
Zum Produkt
TAC, Rosenthal AG, Walter Gropius, 1969, Porzellan, Geschirr
Sessel "F 51"
Zum Produkt
F 51, tecta, Walter Gropius, 1920, Eschenholz, Polyurethan, Textil, Sessel