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Designer-Porträt Frank Lloyd Wright (1866 - 1958)

Der Landhäusler
Frank Lloyd Wright

Der Kunde war Besitzer eines Kaufhauses in Pittsburgh, ein wohlhabender Mann und ein großer Fan von Frank Lloyd Wright. 1935 hatte Edgar J. Kaufman für seine Familie ein Waldgrundstück in Pennsylvania gekauft, und Wright sollte ihm dort ein Landhaus bauen, inmitten der Natur, mit Blick auf den Wasserfall. Dessen Entwurf, eine Komposition von Natursteinmauern und Betonterrassen, gefiel den Kaufmans sehr, bis auf eine Kleinigkeit: Wright wollte das Haus nicht mit Blick auf den Wasserfall bauen. Er wollte es darauf bauen. "Ich möchte, dass Sie mit dem Wasserfall leben, statt ihn nur anzusehen", erklärte er ihnen. Nach langem Hin und Her ließ die Familie sich überreden. Sie bezog ein Haus, in dem das Tosen des Wassers zum Alltag gehört wie bei anderen Leuten tickende Uhren und summende Kühlschränke.

Zur Belohnung bekamen sie eine Architekturikone: "Fallingwater" ist das wohl meistfotografierte Wohnhaus der Welt. Seit es 1964 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, kamen 4,5 Millionen Besucher. Das Gebäude wirkt, als wüchse es aus dem Boden wie ein Baum. Ein Teil des Felsens, auf dem es steht, ragt in den Wohnraum und wird als Feuerstelle genutzt. "Familie Feuerstein" für die Moderne – nicht einmal in einem Zelt ist man der Natur näher.

Für Frank Lloyd Wright, damals 69 Jahre alt, war "Fallingwater" ein Meilenstein. Nie zuvor war dem Architekten die Verbindung von Landschaft, Architektur und Wohnen, die er mit seiner "organischen Architektur" erreichen wollte, harmonischer gelungen als mit diesem Gebäude. Nun folgten, in seinem achten und neunten Lebensjahrzehnt, die Aufträge für seine wichtigsten Bauwerke: Das Johnson-Wax- Company-Gebäude, dessen zentrale Halle mit ihren riesigen pilzförmigen Säulen als "Kathedrale der Arbeit" gefeiert wurde. Das Guggenheim Museum in New York mit seinem spiralförmigen Innenraum, dessen Architektur bis heute vermutlich genauso viele Besucher anzieht wie die Kunst, die darin ausgestellt wird.

Frank Lloyd Wrights Fokus: Einfamilienhäuser

Obwohl das Museum sein bekanntestes Bauwerk ist, empfand Frank Lloyd Wright den Entwurf von Wohnhäusern stets als die wichtigere Disziplin. "Das Eigenheim in moderater Preislage stellt nicht nur Amerikas größte architektonische Aufgabe dar, sondern auch das schwierigste Problem seiner größten Architekten", sagte er. Wright hatte den Ruf, im Umgang mit Kunden kompromisslos bis anmaßend zu sein. Zu Bauherren, die sich über undichte Stellen in den Dächern beschwerten, soll er gesagt haben: "Das hat man davon, wenn man ein Kunstwerk im Regen stehen lässt."

Bei aller schöpferischen Arroganz war Architektur für ihn nie künstlerischer Selbstzweck, sondern der Rahmen für ein Leben im Einklang mit der Natur. Sein Verständnis von organischer Architektur hieß: Die Natur ist der Maßstab des Bauens, das Wohnen in der Natur der fruchtbare Boden amerikanischen Familienlebens. Wright war ein Kind des 19. Jahrhunderts, geboren im ländlichen Wisconsin als Sohn eines Musikers und einer Lehrerin. Seine Mutter Anna erzog ihn nach den Grundsätzen des deutschen Pädagogen Friedrich Fröbel, die damals in Europa sehr populär waren: Durch spielerischen Umgang mit organischen und geometrischen Formen sollte das Kind seine Umwelt und deren tiefere Gesetze im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Später prägten ihn amerikanische Transzendentalisten wie Henry David Thoreau und Ralph Waldo Emerson, denen Ästhetik gleichbedeutend mit Ethik war.

Frühe Nachhaltigkeit

Frank Lloyd Wright war aber zugleich ein Visionär des 20. Jahrhunderts. Schon die "Prairie Houses", die er bis 1910 baute, nahmen vieles vorweg, was heute als innovative oder "nachhaltige" Architektur gilt. Perfekt auf ihre Umgebung zugeschnitten, oft mit Holz und Ziegeln gebaut, boten ihre Grundrisse dem familiären Leben einen offenen Wohn-Essbereich und einen Kamin als Zentrum. Haus "Robie", 1908 in Chicago erbaut, war wegweisend in Sachen energieeffizientes Bauen. Sein Dach kragt so weit aus, dass die Sonnenstrahlen am 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres, nur das untere Ende der südlichen Glasfenster berühren und das Haus kühl bleibt. Am kürzesten Tag des Jahres jedoch, dem 21. Dezember, beleuchtet die niedrig stehende Wintersonne den gesamten Wohn-Essbereich und wärmt den Fußboden.

Das Œuvre Frank Lloyd Wrights umfasst aber nicht nur öffentliche Bauten und Wohnhäuser. Er entwarf auch Dekoration, Tischgeschirr und Möbel, die auf seine Räume abgestimmt waren. Stühle mit hohen Lehnen etwa sollten in den offenen Wohnräumen helfen, Zonen abzugrenzen. Wrights Produktivität – er zeichnete mehr als 1.000 Entwürfe, von denen etwa die Hälfte gebaut wurde – war nur dank eines enormen Arbeitspensums möglich. Sein Tag begann oft um 4 Uhr morgens. Er skizzierte schon vor dem Frühstück zwei bis drei Ideen und arbeitete bis spät in die Nacht.

Eine seiner ersten Anstellungen als Architekt im Chicagoer Büro Adler & Sullivan wurde ihm gekündigt, weil seine Arbeitgeber dahinterkamen, dass er ungezählte Nebenaufträge annahm. Wright machte sich daraufhin selbstständig, doch trotz Disziplin – er arbeitete von früh bis spät, rauchte und trank nicht – war er oft verschuldet. Selbst Dauerstress mit Banken und Baufirmen, deren Kreditraten und Rechnungen er nicht zahlte, und Auftraggebern, deren Häuser nicht fertig wurden, konnte ihn nicht davon abhalten, einen luxuriösen Lebensstil zu führen – und eine der wichtigsten Sammlungen japanischer Holzschnitte anzulegen. Seine Liebe zu japanischer Kunst entdeckte er auf einer ersten Reise 1905. Als Wright 1919 nach Japan zurückkehrte, um das "Imperial Hotel" in Tokio zu bauen, gaben sich Kunst- und Antiquitätenhändler in seinem Atelier die Klinke in die Hand.

Mitarbeiter hatten es nicht immer leicht mit dem Genie. Wright bot ab 1932 jungen Architekten die Möglichkeit, eine Ausbildung in seinen Ateliers in Spring Green zu machen. Gegen eine Studiengebühr bekamen sie Kost und Logis in der "Taliesin-Gemeinschaft", mussten dafür allerdings nicht nur am Zeichentisch arbeiten, sondern auch kochen und Renovierungsarbeiten am Haus durchführen. Haus "Taliesin" hatte Wright 1911 gebaut, nachdem er seine erste Frau Catherine verlassen hatte. Entworfen für seine zweite Liebe Mamah Borthwick Cheney, hat "Taliesin" eine dramatische Geschichte: Der psychopathisch veranlagte Koch der Hausgemeinschaft setzte das Anwesen 1914 in Brand, nachdem er Mamah Borthwick und sechs andere Menschen getötet hatte. Wright errichtete das Haus wieder, doch es wurde noch zwei weitere Male vom Feuer zerstört – und Wright baute es jedes Mal erneut auf. Später, als die kalten Winter in Wisconsin dem alternden Architekten zu schaffen machten, kaufte er zusammen mit seiner vierten Frau Olgivanna ein Grundstück in Arizona, wo er "Taliesin West" errichtete – das Winterquartier der Taliesin-Gemeinschaft.

 

"Weniger ist nur mehr, wenn mehr nicht gut ist."

Das ländliche Leben war für den bedeutendsten Baumeister Amerikas eine Idealvorstellung, die seinem Begriff von demokratischem Leben entsprach. Großstädte wie New York hielt er für eine "böse Wucherung", die Wolkenkratzer aus Glas und Stahl, die er in Chicago aus dem Boden wachsen sah, waren ihm ein Gräuel. Als er 1931 vom New Yorker MoMa zur (inzwischen legendären) Architekturausstellung "International Style" eingeladen wurde, wollte er zunächst absagen, als er hörte, dass auch Mies van der Rohe und Le Corbusier eingeladen waren. Das Ideal, das Frank Lloyd Wright für die Architektur imaginierte, lag weit jenseits von deren sachlicher "Weniger-ist-mehr-Ästhetik".

Er beschrieb seine Utopie "Usonia" in seinem Buch "The Living City": In der Idealstadt "Broadacre City" sollte jeder Familie nicht nur ein Automobil, sondern auch ein "Acre Land" (ca. 4.000 qm) zur Verfügung stehen, darauf ein Häuschen, zwischen 90 und 140 qm groß, mit L-förmigem Grundriss, offenem Wohn-Essraum und zentraler Feuerstelle. Wright beließ es nicht bei der Utopie, etwa 40 dieser "Usonian"-Häuser baute er – und widmete den Bauherren, die ein einfaches Wohnhaus für 5.000 Dollar wollten, ebenso seine Aufmerksamkeit wie einem Edgar J. Kaufman oder Solomon R. Guggenheim. Dass das Genie seinen Ehrgeiz in das Wohnglück der amerikanischen Kleinfamilie steckte, war vielleicht seine größte Leistung. Grandios bescheiden konnte Wright also auch sein.

Autorin: Dorothea Sundergeld

Alle Produkte des Designers

Tisch "Taliesin 2"
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Taliesin 2, Cassina, Frank Lloyd Wright, 1925, Kirschbaumholz, Tisch
Sofa "Imperial Tokyo"
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Imperial Tokyo, Cassina, Frank Lloyd Wright, 1916 - 1922, Holz, PU-Schaum, Sofa
Sideboard "Aurora"
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Aurora, Cassina, Frank Lloyd Wright, 1912, Kirschbaumholz, Sideboard
Schreibtisch "S.C. Johnson Wax"
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S.C. Johnson Wax, Cassina, Frank Lloyd Wright, 1936, Holz, Stahlrohr, Schreibtisch
Beistelltisch "Robie 2"
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Robie 2, Cassina, Frank Lloyd Wright, 1906, Kirschbaumholz, Glas, Beistelltisch