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Ein Haus aus den 1960er Jahren renovieren – Architekt Alexander Lempke im Interview

Villa Walther
© Sabine Bungert
60er Jahre, Wirtschaftswunder und alte BRD – doch was bedeutet das für Häuser aus dieser Zeit? Architekt und Bauherr Alexander Lempke gibt Tipps zum Thema Kauf und Sanierung eines Sixties-Hauses.

Häuser aus den 60er-Jahren sind oft Mauerblümchen auf dem Immobilienmarkt. Wo liegen ihre Qualitäten?
Alexander Lempke: Es fängt mit der Lage an. Die damaligen Neubaugebiete waren noch nicht weit draußen gelegen, sondern relativ zentrumsnah. Die Grundstücke sind meist recht groß und schön eingewachsen, oft mit vielen alten Bäumen.

Villa Walther
Kurz nach der Geburt von Tochter Lotta (5) zogen Anna und Alexander Lempke aus Luzern zurück in ihre westfälische Heimat nach Lippstadt. Inzwischen macht Lio (1) das Quartett komplett.
© Sabine Bungert

Und die Häuser selbst?
Die 60er waren die Zeit des Wirtschaftswunders, es ging aufwärts, das merkt man der Architektur an. Die Materialien sind hochwertig, die Details oft anspruchsvoll gestaltet, die Grundrisse großzügig, die Fensterflächen ebenso – damit kommen die Häuser auch heutigen Bedürfnissen erstaunlich nahe. Anders übrigens als viele Gebäude aus den 50er-Jahren. Damals waren gute Baustoffe noch rar, die Zimmer beengt und die Fenster klein.

Villa Walther
Gut gehalten: Die Vorbesitzer hatten das Haus kaum verändert. Elektrik, Sanitär und Dämmung erneuerten die Bauherren.
© Villa Walther / Sabine Bungert

Welches sind besonders kritische Punkte beim Modernisieren?
Zur Bauzeit war Energieeffizienz kein Thema, daher sind Wärmebrücken ein Problem. Oft stehen Heizkörper in Nischen direkt an der Außenwand und heizen den Garten sozusagen mit. Auch der Dachboden ist oft nicht ausreichend isoliert. Die Herausforderung ist, das Haus energetisch zu ertüchtigen, ohne seinen Charakter zu zerstören.

Wie steht es um die Grundrisse?
Die Wohn- und Esszimmer sind oft groß, die separaten Küchen dafür umso kleiner – das waren reine Arbeitsräume. Auch die Bäder sind eher klein. Meist kann man aber mit begrenztem Aufwand Wände herausnehmen oder zwei kleine Zimmer zu einem zusammenlegen.

Was raten Sie Käufern?
Man sollte unbedingt auf Dachstuhl und Keller achten, am besten mithilfe eines Gutachters. Marode Dachbalken oder feuchte Kellerwände können immense Folgekosten nach sich ziehen.

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