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Tiny House Preise: Das kostet das Miniatur-Zuhause

Tiny House mit schwarzer Holzfassade im Grünen
Entworfen vom dänischen Designer und Architekten Sigurd Larsen, ist das Tiny House von Raus im Kulturort Wehrmuehle im Brandeburger Biesenthal ein echtes Schmuckstück.
© Raus / Noel Richter
Das Leben im Tiny House hat sich in den letzten Jahren zum Lifestyle entwickelt, bei dem Nachhaltigkeit und Minimalismus großgeschrieben werden. Ob sich die Reduzierung aufs Wesentliche auch auf die Kosten bezieht, hängt nicht zuletzt vom gewählten Modell, den Grundstückskosten und geltenden Baurichtlinien ab.

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Während bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird, ist in den letzten Jahren die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf in Deutschland gestiegen. Ein Trend, dem sich Tiny Houses entgegenstellen. Der größte Vorteil: Man braucht von allem weniger. Weniger Grundstücksfläche, weniger Unterhaltskosten, weniger Strom, weniger Heizkosten, weniger Baumaterialien. Bei steigenden Baukosten eine willkommene Alternative. Doch fällt am Ende auch die Gesamtrechnung niedriger aus? Wie verraten, welche Kosten im Tiny House anfallen.

Tipps für kleine Räume
SCHÖNER WOHNEN

Was ist ein Tiny House und warum ist es so beliebt? 

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei einem Tiny House um ein kleines oder gar winziges Haus, das sich durch eine geringe Wohnfläche, aber nicht unbedingt durch wenig Komfort auszeichnet. Auch als bewusste und nachhaltige Alternative zum konventionellen Wohnen eignen sich die Raumwunder, die sich üblicherweise auf 10 bis 50 Quadratmeter umbauten Raum beschränken (alles darüber bis einschließlich 100 Quadratmeter wird als Minihaus bezeichnet). Denn je kleiner ein Haus ist, desto geringer fällt sein ökologischer Fußabdruck aus. Viele Hersteller haben sich zusätzlich auf eine ökologische Bauweise der Minihäuschen spezialisiert.

Ihren Ursprung haben Tiny Houses in den USA, wo sie 2007 aus der Not heraus während der Finanzkrise entstanden sind. Wurden sie in Deutschland bisher vor allem als Garten-, Wochenend- oder Ferienhaus genutzt, kommen Tiny Houses zunehmend auch als vollwertiges Eigenheim zum Einsatz. Knapper Wohnraum und ein steigendes Umweltbewusstsein sowie die Reduzierung aufs Wesentliche verschaffen den Kleinsthäusern einen regelrechten Boom. Hinzu kommt der Trend hin zu einer minimalistischen, auf Funktionalität ausgelegten Inneneinrichtung und die Möglichkeit eines flexiblen Lebensstils – sofern das Tiny House über einen fahrbaren Untersatz verfügt.

Wie setzen sich die Tiny House Kosten zusammen?

Bei der Frage nach den Kosten für ein Tiny House gilt wie so oft: Es kommt darauf an – vor allem auf das Modell, die Ausstattung, das Grundstück und die baulichen Richtlinien.

Einbauschränke und Küchenzeile im Tiny House
Perfekt ausgenutzer Raum im Tiny House von Green House
© TMS Buesum GmbH

Grundstück oder Stellplatz

Auch für ein Tiny House muss in erster Linie ein passender Standort gefunden werden. Gekaufte Bauplätze bieten zwar den meisten Gestaltungsfreiraum, sind in vielen Gegenden jedoch rares Gut und für ein Tiny House ohnehin meist viel zu groß. Alternativen sind private Miet- oder Pachtgrundstücke, feste Standplätze auf einem Campingplatz oder sogenannte Tiny-House-Siedlungen, die speziell für diese Art des Wohnens ausgelegt sind. Neben dem eigentlichen Haus ist das Grundstück der größte Kostenfaktor, wobei eine Fläche von 150 bis 200 Quadratmetern in der Regel ausreichend ist.

Fest steht: Sobald Sie ein Tiny House auf einem Grundstück bewohnen, wird es zu einem Gebäude und unterliegt dabei dem deutschen Baurecht. Ausgenommen hiervon sind beispielsweise Fahrzeuge (Wohnwägen).

Grundstück kaufen
Der Grundstückspreis für baureifes Land in Deutschland ist in den letzten Jahren stark gestiegen und sehr stark abhängig von Region und Lage und schwankte im letzten Jahr dementsprechend je nach Bundesland im Durchschnitt zwischen ca. 50 und 1.200 Euro, wobei urbane Regionen wie die Stadt München mit deutlich über 2.000 Euro pro Quadratmeter zu Buche schlagen. Im Durchschnitt lagen die Grundstückspreise 2022 bei etwa 200 Euro pro Quadratmeter (Quelle: Statistisches Bundesamt). Für das Grundstück kommen demnach im Schnitt etwa 10.000 Euro schnell zusammen. Je nach Region auch mal weniger oder deutlich mehr. Hinzu kommt die sogenannte Grunderwerbssteuer, die je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent des Kaufpreises beträgt. 

Erstmal ausprobieren? 

Grundstück mieten
Wenn Sie mit einem mobilen Tiny House nur eine gewisse Zeit auf einem Grundstück oder Stellplatz bleiben möchten, bietet es sich an, diesen nur zu mieten. An Miete lässt sich für ein 150 bis 200 Quadratmeter großes Grundstück mit etwa 150 bis 300 Euro kalkulieren. Auch hier sind je nach Lage und Region deutliche Schwankungen möglich. Da für eine Vermietung weder ein Notar noch ein Grundbucheintrag notwendig sind, können Sie an dieser Stelle Kosten sparen. Anders sieht es aus, wenn Sie das Grundstück mieten, aber ein fest platziertes Häuschen dort errichten möchten. Grundsätzlich sollten Sie die rechtlichen, meist noch nicht auf (mobile) Tiny Houses angepassten Rahmenbedingungen beachten. 

Tipp: Sollten Sie für Ihr Tiny House eine Finanzierung benötigen und das Grundstück dafür zusätzlich mieten, lohnt sich der Vergleich mit einem gekauften Grundstück und eventuellen Ersparnissen allemal. Denn gerade in dieser Kombination summieren sich die Gesamtkosten schnell. Benötigen Sie keine Finanzierung, kann es dagegen durchaus sinnvoll sein, ein Grundstück zu mieten statt zu kaufen (z. B. im Alter).

Tiny House im Schrebergarten
Influencerin Anne Dirfard baute sich sie in Hamburg eine Schrebergartenlaube mit guter Substanz zum gemütlichen Tiny House um.
© Anne Dirfard

Grundstück pachten
Eine mögliche Alternative ist es, das Grundstück zu pachten, was Ihnen zusätzlich das Recht einräumt, wirtschaftlichen Nutzen aus dem Grundstück zu ziehen. Das Erbbaurecht, oft auch Erpacht genannt, erlaubt es einem, ein Haus auf dem Grundstück eines anderen Eigentürmers oder einer Eigentümerin zu bauen. Die Pachtgebühr, auch Erbbauzins genannt, beträgt üblicherweise zwischen drei und sechs Prozent des Grundstückswertes pro Jahr. Ob das Erbbaurecht (die Pacht) wirklich eine günstige Alternative zum Grundstückskauf ist, sollte stets im Einzelfall geprüft werden. Außerdem ist zu beachten, dass Sie sich als Erbbaurechtsnehmer:in (Pächter:in) an vielen Kosten beteiligen müssen, obwohl sie nicht der Grundstückseigentümer sind. Dazu gehören beispielsweise die Grunderwerbssteuer, die Grundsteuer und andere kommunale Abgaben sowie die Erschließungskosten.

Baugenehmigung und Erschließung

Sofern Sie dauerhaft im Tiny House wohnen, müssen Sie in den meisten Fällen einen Bauantrag stellen und das Grundstück muss erschlossen sein. Das heißt, an das öffentliche Straßen- sowie Ver- und Entsorgungsnetz (Wasser- und Energieversorgung und Kanalisation) angebunden sein. Oft selbst dann, wenn das kleine Häuschen am Ende komplett autark funktionieren soll. Falls das Grundstück nicht schon erschlossen ist, ist der Preis ist stark abhängig von dessen Lage und Größe, der bebaubaren Fläche, den Bodenverhältnissen sowie der Gebührenstaffelung der Gemeinde. Ein Kostenfaktor, der nicht zu unterschätzen ist.

Außerdem Pflicht: Eine Küche und ein Bad sowie allgemeine Bauvorschriften zur Raumhöhe, Auflagen zu Türen, Fenstern und Fluchtwegen. Wenn sie das Tiny House als Wochenend- oder Ferienhaus oder als Wohnwagen nutzen möchten, gelten wiederum liberalere Vorschriften.

Je kleiner das Tiny House, desto geringer die Kosten?

Mag man denken. Doch trotz der kleineren Quadratmeterzahl im Vergleich zu herkömmlichen Einfamilienhäusern bleiben auch hier die Grundkosten, die bei jedem Hausbau anfallen. Beispielsweise die genannten Anschlusskosten, die Grunderwerbssteuer oder die Notar- und Grundbuchkosten. Insgesamt sind die Kosten pro Quadratmeter bei einem Tiny House demnach höher als bei einem klassischen Haus. Dagegen ist ein Tiny House im Unterhalt bzw. bei den Nebenkosten deutlich günstiger.

Energieversorgung

Besonders im Winter möchte man es sich im Tiny House gemütlich machen. Da darf die passende Heizung nicht fehlen. Die Herausforderung dabei: Die Kleinhäuser haben in der Regel nur Außenwände, sind oft weniger gut gedämmt und stehen von unten belüftet (sofern auf sie auf Rädern platziert sind). Hinzu kommt, dass die Heizung nicht zu schwer sein sollte, wenn das Tiny House regelmäßig bewegt und neben einer autarken auch eine nachhaltige Lösung gewünscht wird. Ob Elektro-, Infrarot- oder Gasheizung, Holz-, oder Pelletofen, Split-Klimaanlage (die auch heizen kann) oder Fußbodenheizung, – alle Heizsysteme haben Vor- und Nachteile, die es besonders im Tiny House abzuwägen gilt. Und ebenso wie für einen Kaminofen fürs Tiny House die Preisspanne zwischen 250 und 2.500 Euro liegen kann, so variieren auch die anderen Heizmethoden preislich stark.

Holzofen im Tiny House
Ein Holzofen im Tiny House macht's besonders gemütlich an kalten Wintertagen – doch auf Campingplätzen meist nicht erlaubt. 
© Raus / Noel Richter

Wer im Tiny House nicht kalt duschen will, sollte auch hier Budget für eine geeignete Wärmetechnik einplanen. Durchlauferhitzer und Warmwasserboiler können besonders in Kombination mit Photovoltaik oder Solarthermie zu nachhaltigen Insellösungen für autarke Tiny Houses werden.

Vor allem im Sommer wird so auch eine autarke Stromversorgung durch Photovoltaik möglich. Generell muss im Tiny House natürlich eine geringere Fläche beheizt und in der Regel weniger Elektrogeräte betrieben werden, wodurch sowohl, Energie- als auch Stromverbrauch (etwa 2000 kWh pro Jahr) vergleichsweise gering ausfallen. Durch steigende Preise sollten jedoch auch hier Mehrkosten einkalkuliert werden. Hinzu kommen je nach Bundesland noch spezielle Genehmigungen, wenn Sie selbst Energie erzeugen wollen, beispielsweise mit Mini-Photovoltaikanlagen oder Windkraftanlagen.

Tipp: Wer seine Energiekosten möglichst geringhalten möchte, setzt auf eine gute Effizienhausstufe, die angibt, wie energieffizient ein Gebäude ist.

Tiny House Modell

Wie viel ein Tiny House am Ende kostet, ist vor allem auch davon abhängig, für welches Modell Sie sich entscheiden und wie viel am Bauprozess Sie in Eigenleistung erbringen. Für ein schlüsselfertiges Tiny House, was sofort beziehbar ist, müssen Sie deutlich tiefer ins Portemonnaie greifen als für ein Haus im Rohbau. Ob Sie sich für ein vorgefertigtes Serienmodell oder ein sehr individuelles Tiny House entscheiden, spielt bei den Kosten ebenso eine Rolle. Besonders günstig sind in der Regel Fertigbausätze für Tiny Houses. Die technische Ausstattung und die Einrichtung des kleinen Hauses können dagegen preislich wie bei jedem anderen Wohnhaus – abhängig von ihren Vorstellungen – sehr variieren.

Tiny Haus auf Anhänger
Für ein mobiles Tiny Houses sind meist mit anderen Kosten zu rechnen als für ein feststehendes
© TMS Buesum GmbH

Schlüsselfertiges Tiny House
Bei einem schlüsselfertigen Tiny House, was sofort bezugsfertig und komplett eingerichtet ist, dürfen Sie mit einem Quadratmeterpreis von etwa 2.200 Euro rechnen. So können sich die Kosten bei einer Wohnfläche von etwa 50 Quadratmeter (inkl. kleiner Terrasse) auf ca. 110.000 Euro belaufen, wie zum Beispiel das Modell "Bungalow Classic Mecklenburg" von Rolling Tiny House.

Weitere Beispiele:

Das Modell "Rundwagen" von Tiny Huchler Haus mit einer Wohnfläche von etwa 24 Quadratmeter für ca. 55.000 Euro.

Das Modell "Karl" von Tiny House by Wöhltjen mit einer Wohnfläche von ca. 22 Quadratmeter ab ca. 85.000 Euro.

Das Tiny House "Living House" von Tiny House Diekmann mit einer Wohnfläche von etwa 18 Quadratmeter ist ab ca. 60.000 Euro zu haben. 

Tiny House als Ausbaumodell
Wer den Innenausbau lieber selbst übernimmt, ist mit einem Tiny House als Ausbaumodell gut beraten und muss mit Kosten von etwa 30.000 bis 50.000 Euro rechnen – und die restlichen Ausstattungskosten einkalkulieren, die leicht noch einmal 20.000 Euro ausmachen können. Die meisten Hersteller bieten ihre Häuser in unterschiedlichen Ausbaustufen an. Wer sich nur noch um die Einrichtung selbst kümmern möchte, findet ebenso Tiny Houses, die aufgebaut und isoliert ausgeliefert werden.

Tiny House als Fertigbausatz
Ein Fertigbausatz, bei dem vorgefertigte Elemente selbst aufgebaut werden müssen, spart dagegen Einiges ein (v.a. an Personalkosten, die meist um die 40 Prozent der Baukosten ausmachen). Diese Modelle können schon bei etwa 10.000 Euro starten, wie zum Beispiel der Bausatz "Pure" aus Fichtenholz von Kleiner Nomade mit einer Länge von etwa 5 Metern, welcher jedoch wirklich nur das Grundgerüst sowie einen Anhänger für das Tiny House beinhaltet.  Ebenso der Bausatz von Tiny Home Deutschland mit einer Länge von etwa 8 Metern für etwa 15.000 Euro, der aus einem Stahlrahmen inklusive Anhänger besteht. 

Tipp: Wer beim Tiny House selbst Kosten sparen möchte, kann nach einem gebrauchten Modell aus zweiter Hand oder einem Muster- oder Messehaus Ausschau halten, die meist günstiger zu haben sind.

Inneneinrichtung

Wenn Sie kein schlüsselfertiges Tiny House beziehen, dürfen Sie sich selbst um die Einrichtung kümmern. Der Vorteil bei der Innenausstattung eines Tiny Houses: Man muss sich stark begrenzen und auf die nötigsten Dinge konzentrieren. Somit minimiert sich die Anzahl an Möbelstücken von ganz allein und damit auch die Kosten. Allerdings müssen diese Möbel oft individuell maßgefertigt werden, um den Platz optimal auszunutzen. Das wiederum treibt die Kosten eher in die Höhe. Trotzdem sollten Sie hier nicht an der falschen Stelle sparen. Sind die Lösungen nicht passgenau oder stabil, machen sie mehr Ärger als Freude. Auch das Gewicht spielt bei der Auswahl des Mobiliars eine entscheidende Rolle. Vor allem wenn es um ein mobiles Tiny House geht. 

Das braucht's im Tiny House: Eine Küche mit Herd, Spüle und Kühlschrank, ein Bad mit Toilette, Waschbecken und Dusche, ein Bett (oft erhöht auf zweiter Ebene), Schränke bzw. Stauraum, Tisch, eventuell ein.Sofa und Leuchten.

So wird es besonders praktisch und platzsparend: Schiebetür statt Schwingtür zum Bad, Leiter (zum Hochklappen) statt normaler Treppe zum Schlafzimmer, kleines Spülbecken und viel natürliches Licht, um den Raum größer wirken zu lassen. 

Insgesamt sind für die Inneneinrichtung inklusive Küche und Bad 10.000 Euro und mehr zu veranschlagen. Natürlich stark abhängig von den verwendeten Rohstoffen und den persönlichen Designansprüchen.

Tiny House von innen
Nicht an der falschen Stelle sparen und lieber den Ausblick aus dem maßgefertigten Bett ins Grüne genießen – wie hier im Tiny House von Raus. 
© Noel Richter

Versicherung

Wie und zu welchem Preis Sie Ihr Tiny House richtig versichern, hängt nicht nur von dessen Größe, sondern vor allem auch von dessen Nutzung und vom Standort ab. Ist das Tiny House mobil und steht auf einem Campingplatz unterliegt es nicht der Baugenehmigungspflicht und es kommt eine Camping- bzw. Wohnwagenversicherung in Frage. Wichtig: Hier darf das Häuschen nicht dauerhaft bewohnt werden. Für ein Tiny House von 110.000 Euro kommt dann etwa ein Jahresbeitrag von 250 Euro zusammen.

Ist das Tiny House dagegen feststehend, greift die klassische Gebäudeversicherung und Hausratversicherung. Sie ist passgenauer und in der Regel günstiger (ca. 120 Euro pro Jahr). Dafür muss das Tiny House allerdings durchgehend bewohnt werden, an die öffentliche Ver- und Entsorgung angeschlossen sein und eine gültige Baugenehmigung haben. Steht das Kleinsthaus zum Beispiel im eigenen Garten und wird gelegentlich genutzt, kann es als Nebengebäude mitversichert werden.

Generell steckt die Entwicklung spezieller Tiny-House-Versicherungen in Deutschland noch in den Kinderschuhen, wird aber von einzelnen Versicherern bereits angeboten.

© Privat

Herr Hünig, sind Tiny Houses die Zukunft?

Johannes HünigHead of Haus & Bauen bei SCHÖNER WOHNEN, verrät es:

  • Das Tiny House ist mehr als ein Trend, aber wird vermutlich auch nicht die Zukunft für alle sein. Das Wohnen auf so wenig Platz ist einfach nicht für ausnahmslos jeden Menschen das passende Modell und nutzt auch ein Grundstück nicht so effizient aus wie zum Beispiel ein Mehrfamilienhaus mit mehreren Stockwerken.
  • Es wird also ein Nischenphänomen bleiben, aber trotzdem Auswirkungen auf das "normale" Bauen und Wohnen haben. Weil es zeigt, mit wie wenig Platz man auch als Familie auskommt – wenn er gut geplant und ausgenutzt ist. Zum Beispiel durch Einbaumöbel, kompakte Küchen, die Ausnutzung des Raums nach oben hin mit Podesten oder Hochbetten.
  • Aber der vielleicht wichtigste Punkt: Wir haben in Deutschland das Phänomen, dass die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf immer weiter zunimmt. Sie ist in den letzten 30 Jahren etwa von 35 auf 46 Quadratmeter gestiegen Und das hat Auswirkungen auf den Flächenverbrauch, die Zersiedelung der Landschaft, den Energieverbrauch und das Klima.
  • Meine Hoffnung und Erwartung ist, dass das Tiny House als Vorbild dabei helfen kann, diesen Trend umzukehren. Zum einen weil es zeigt, was mit weniger Platz möglich ist und zum anderen auch, weil es die Wohnfläche von der Statusfrage entkoppelt. Bei vielen gilt ja immer noch viel Wohnfläche (auch aus Prestigegründen) als erstrebenswert.
  • Das Tiny House holt das Wohnen auf wenig Fläche aus dieser Nische des Nachteiligen raus. Klein wohnen heißt dann im besten Fall nicht mehr: Ich kann mir nicht mehr leisten, sondern es ist eine bewusste Entscheidung, sich zu reduzieren. Das wiederum macht es modern und erstrebenswert und wirkt sich auf diese Weise auch auf das Bauen insgesamt aus. Und: das Verhältnis von Fläche und Status kehrt sich um.
  • Wenn Tiny Houses diese Wirkung auf das Bauen und Wohnen entfalten würden, wäre schon viel erreicht. Und dazu muss längst nicht jeder im Tiny House wohnen.

Die Finanzierung eines Tiny Houses

Um ein Tiny House zu finanzieren, ist meist ein Kredit notwendig. Während bis vor ein paar Jahren nur ein privater Verbraucherkredit mit vergleichsweise hohem Zinssatz (ca. 8 %) in Frage kam, können heute baugenehmigte Tiny Houses über einen Baukredit mit vergleichsweise niedrigem Zinssatz (3,5 %) finanziert werden.

In Zeiten von Klimawandel, knapper werdendem Wohnraum und steigenden Bau-, Versorgungs- und Energiekosten können Tiny Houses eine nachhaltigere Alternative darstellen. Und auch in Sachen platzsparender Inneneinrichtung können sich Bauherr:innen "gewöhnlicher Häuser" so einiges abgucken. Ob es ihnen die Kosten wert sind, dürfen sie natürlich selbst entscheiden.


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