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"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner

In Neukirchen bekam ein leer stehendes Hauses eine fröhliche Strickfassade.
In Neukirchen bekam ein leer stehendes Hauses eine fröhliche Strickfassade.
© Ute Gabriel
Von der eingestrickten Fußgängerzone bis zum Gemeinschaftsgarten - zehn nachbarschaftliche Projekte aus ganz Deutschland wurden vom Netzwerk Nachbarschaft, von Hagebaumarkt und SCHÖNER WOHNEN ausgezeichnet.

Als Martha Schlothmann begann, gegen die Verödung ihrer Dorfmitte anzustricken, war sie allein mit ihrer Freundin Mechthild Heimbach. Eines schönen Tages setzten sich die beiden 66-jährigen Seniorinnen in die Fußgängerzone und fingen an, einen der vier Bäume einzustricken. Es dauerte nur wenige Tage, und aus den zwei Strickerinnen wurden vier, sechs und schließlich zwölf. "Und das Tollste war, dass keine die andere schon mal gesehen hatte. Da ist ein ganz neuer Bekanntenkreis entstanden", erzählt Martha Schlothmann.

Mehr als 130 Initiativen aus ganz Deutschland machten mit

Was im Frühjahr in Neukirchen-Vluyn, einer Kleinstadt westlich von Duisburg, zaghaft begann – nämlich die aktive Neugestaltung der Nachbarschaft –, geschah parallel im ganzen Land: Genau 133 Initiativen folgten dem Aufruf des Netzwerks Nachbarschaft, von SCHÖNER WOHNEN und Hagebaumarkt und beteiligten sich am Wettbewerb "Deutschlands schönste Straße". Damit erhielt so manche Idee erst den entscheidenden Rückenwind, denn wer zugelassen wurde, konnte sich für 200 Euro im nächstgelegenen Hagebaumarkt mit Werkzeug, Farbe oder Baumaterial eindecken und war offiziell registriert. Und musste bis zum 31. August 2013 fertig werden, denn die Jurysitzung, auf der die zehn besten Projekte (siehe unten) prämiert werden sollten, war auf September angesetzt.

"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner
© Ute Gabriel

Die "Dorfmasche" in Neukirchen wuchs durch das Betreten dieser öffentlichen Bühne auf knapp 300 Aktive an, ein regelrechter Hype entstand. "Als ich von der Ausschreibung berichtete, kam sofort die Idee auf, die ganze Fußgängerzone einzubeziehen, vor allem aber diese hässliche Bauruine am Anfang der Straße", erzählt Martha Schlothmann.

Der WDR filmte, die örtliche Presse berichtete monatelang, dann kam der Ritterschlag: Preisträger im Wettbewerb "Deutschlands schönste Straße!" und 5.000 Euro Gewinnsumme.

Berliner Gemeinschaft verschönert ihre Straße

Welche Kraft der einmal gefasste Entschluss freisetzt, einfach nicht länger hinzunehmen, dass der Hinterhof eine Wüste, der Gehsteig eine Mülldeponie und die Bauminseln Hundeklos sind, hat Philip Schreiterer aus der Emdener Straße in Berlin-Moabit erlebt: "Zuerst waren es meine Frau und ich, die den Hinterhof begrünten, zum Schluss haben 100 Nachbarn zusammen angepackt und die Straße bepflanzt, die Stromkästen bemalt und Patenschaften für einzelne Grünflächen übernommen."

Der Projektmanager aus der Medizintechnik wohnt seit 16 Jahren in Moabit, in der Emdener Straße lebt er mit seiner Frau seit drei Jahren in einem modernisierten Dachgeschoss – und litt darunter, dass Straßenkriminalität die ganze Gegend in Verruf brachte, der öffentliche Raum mehr gemieden denn gepflegt wurde. Es ist, als hätten sich die Anwohner mit ihrer Aktion "Emdener treffen Emdener" die Straße vor der Tür zurückerobert. "Schlägereien und Pöbeleien werden weniger", erzählt Schreiterer, "es ist alles persönlicher geworden, man kennt und hilft sich jetzt."

"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner
© Michael Becker

Der Funke, der in der "Emdener" die Nachbarschaftswärme entzündete, machte auch Behörden und Geschäftsleuten Beine. Die neue Spielhalle, sonst eher lichtscheu, übernahm die Patenschaft für zwei Straßenbeete, andere Läden spendeten Grills, Lebensmittel oder Pflanzen. Auch das Bezirksamt konnte sich nicht länger heraushalten: Es reparierte eine alte Wasserpumpe, besserte die Straße aus und stellte Fahrradständer auf – und so ist die Welt ein bisschen angenehmer und schöner geworden in der Emdener Straße in Moabit.

Die 133 Initiativen des Wettbewerbs haben alle ähnliche Erfahrungen gemacht, und am Ende geht jeder Einzelne, der Mitglied in dieser Gemeinschaft geworden ist, gestärkt daraus hervor.

Die 10 Gewinnerprojekte im Überblick:

Dorfgemeinschaft Häger

"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner
© Alexander Heim

Berlin/Moabit

"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner
© Michael Becker

Neukirchen-Vluyn

"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner
© Ute Gabriel

Dorfgemeinschaftsförderungsverein Stiepelse e.V.

"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner
© Axel Kirchhof

Interkultureller Garten Erfurt

"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner
© Marcel Krummrich

Wohnprojekt Lurup / Hamburg

"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner
© Axel Kirchhof

Schortens

"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner
© Axel Kirchhof

München

"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner
© Jürgen Bankamp

Kleiner-Spreewald-Park in Schöneiche

"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner
© Katharina Wendlandt

Ziegendorfer Landfrauen

"Die schönste Straße Deutschlands" – die Gewinner
© Jens Wegner

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