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Mies van der Rohes Freischwinger

Mies van der Rohes Freischwinger
© Thonet / Constantin Meyer
Einige der schönsten Stücke der Designgeschichte wurden von Architektinnen und Architekten entworfen – wie der Freischwinger von Ludwig Mies van der Rohe.

Es war ein warmer Sommertag im Juli 1927, als der Werkbund zur Eröffnung der Ausstellung "Die Wohnung" in die Stuttgarter Weißenhofsiedlung geladen hatte. Unter der Leitung des 31-jährigen Ludwig Mies van der Rohe hatte die Avantgarde der europäischen Architekten 21 Wohnbauten für das 20. Jahrhundert errichtet, mit lichtdurchfluteten Räumen und schnörkellosen Interieurs. Der Niederländer Mart Stam zeigte die ersten "Stühle ohne Hinterbeine", gefertigt aus Stahlrohr. Mies van der Rohe, der einen ähnlichen Stuhl-Prototypen entwickelt hatte, wurde zwar nicht rechtzeitig zur Eröffnung fertig, präsentierte seine Innovation aber wenig später in der Weißenhofsiedlung. 

Ludwig Mies van der Rohe (1886–1969) schuf als Architekt Ikonen wie die Villa Tugendhat, das Farnsworth House und die Neue Nationalgalerie in Berlin. Bis zu seiner Emigration in die USA 1938 entwarf er aber auch Möbel. Der Freischwinger wurde 1935 erstmals als "MR 533" im Thonet-Katalog gelistet, heute heißt er "S 533" (oben) und schmückt so bedeutende Bauten wie Haus Schminke.
Ludwig Mies van der Rohe (1886–1969) schuf als Architekt Ikonen wie die Villa Tugendhat, das Farnsworth House und die Neue Nationalgalerie in Berlin. Bis zu seiner Emigration in die USA 1938 entwarf er aber auch Möbel. Der Freischwinger wurde 1935 erstmals als "MR 533" im Thonet-Katalog gelistet, heute heißt er "S 533" (oben) und schmückt so bedeutende Bauten wie Haus Schminke.
© Thonet

Darüber, wer als Erfinder des Kragstuhls gelte – Mart Stam oder Mies –, gab es lange Streit. Auf einen Mitarbeiter von Mies geht folgende Anekdote zurück: Während der Vorbereitungen für die Ausstellung trafen Stam und Mies zusammen, und Mart Stam skizzierte seinen Stuhl mit rechtwinkligen Vorderbeinen, konstruiert aus Gasrohrabschnitten und Winkel-Fittings. Zurück im Atelier, zeichnete Mies den Stuhl an eine Tafel und sagte: "So was Hässliches mit diesen Muffen. Wenn er wenigstens abgerundet hätte – so wäre es schöner." Daraufhin zeichnete er einen Bogen über die Stuhlbeine. Daraus entstand der "MR 10"-Freischwinger, der noch heute in Varianten von Tecta, Thonet und Knoll International hergestellt wird. Mart Stam gilt also als Erfinder des "Stuhls ohne Hinterbeine", das elegantere Design aber geht auf Mies zurück. Wie visionär der Freischwinger war, muss sein Schöpfer früh geahnt haben, denn schon einen Monat nach der Eröffnung der Weißenhof-Ausstellung stellte Mies einen Patentantrag dafür. www.thonet.de


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