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Wohnen auf dem Land oder in der Stadt?

Ein bisschen Stadt- und Landmensch steckt in jedem von uns. Unsere Lebenslage entscheidet, welche Seite dominiert. Wenigstens für eine gewisse Zeit. Denn nichts ist für immer - auch Immobilien nicht.
Landhaus mit Reetdach und blumenbepflanztem Holzzaun
In diesem Artikel
Immobilienkauf gut überlegen
Haus und Wohnung: teuer in der Stadt, billiger auf dem Land
Wohnen: urban und schick oder naturnah und ruhig
Stadtmensch oder Landei? Eigentlich beides

Wie das Leben oft so spielt: Eben noch Großstadtmensch, der die vorhandene Infrastruktur, Kulturangebote und Freizeitmöglichkeiten genießt, dann Umzug aufs Land wegen der Liebe, Beruf oder Kinder. Oft überwiegen dann sogar die Vorzüge des Landlebens gegenüber dem früheren Stadttrubel – und die Infrastruktur ist auch besser als zumeist erwartet. Die Idee eines Hauskaufs liegt da nicht fern. Doch ob man wirklich für immer bleiben will und kann, wird dabei oft nicht bedacht.

Frau in ihrem eigenen Apartment
Der Wunsch nach Besitz lässt immer mehr Menschen von der eigenen Wohnung träumen. Angesichts ständig steigender Mieten nicht die schlechteste Idee.

Immobilienkauf gut überlegen

Generell ist es stets wichtig, einen Hauskauf gut zu überlegen. Und dabei meinen wir nicht nur die konkrete Finanzierungslast, sondern auch eventuelles Treppensteigen im Alter oder sogar Fahrten in die Stadt zum Arzt. Denn wer ein Haus kauft, tut das zumeist auf sehr lange Zeit. Also auch für die Kinder und Kindeskinder. Oft wir ein Haus auch als Altersvorsorge erworben, um entweder später darin mietfrei zu wohnen oder es verkaufen zu können, um wieder in die Stadt zu ziehen. Das ist aber eine Wette auf die Zeit. Denn niemand kann sagen, was ein Haus auf dem Land in 20, 30 oder gar 40 Jahren wert ist. Dann kann es knapp werden, wenn man mit dem Geld für die Altersvorsorge rechnet. Wer also beabsichtigt, ein Haus auf dem Land zu kaufen, sollte all diese Punkte gegenüber einer Immobilie in städtischen Umfeld immer abwägen.

Haus und Wohnung: teuer in der Stadt, billiger auf dem Land

Grundsätzlich sind Immobilien auf dem Land viel billiger als vergleichbare Objekte in der Stadt. Das spricht für das Dorf. Je schwächer die Region, desto günstiger. Etwa in schrumpfenden Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern oder dem Ruhrgebiet. Aber: Je mehr Menschen abwandern, desto mehr Wohnraum steht leer. Die Preise sinken, irgendwann könnten die Immobilien dort nicht mehr viel wert sein. 

Fenster im Altbau sanieren

Eine sanierte Altbauwohnung in begehrter Stadtlage ist die letzten Jahre immer eine sichere Anlage gewesen.

In der Stadt und den Speckgürteln mit guter Verkehrsanbindung hingegen sind die Preise mindestens stabil. Der Immobilienverband Deutschland (IVD) weist in einer Studie nach: Mieten und Kaufpreise sind in den sieben größten Städten Deutschlands sogar schneller gestiegen als die Inflation. Mieter stöhnen, weil das Wohnen in der Stadt enorm teuer geworden ist. Immobilienbesitzer freuen sich: Ihr Besitz ist immer mehr wert. Aber Vorsicht: Dieser Schutz vor Wertverlust funktioniert  nur, wenn sich Angebot und Nachfrage die Waage halten. In Städten wie Berlin, Hamburg, München, Köln, Düsseldorf, Stuttgart und Frankfurt ist das so. Vor allem Altbauwohnungen (vor 1948) sind in den letzten 30 Jahren sehr viel teurer geworden. Mietzuwächse von mehrern hundert Prozent sind oft keine Seltenheit. Wer so eine Wohnung sein eigen nennt, ist fein raus. Auch künftig werden solche Objekte begehrt sein.

Wohnen: urban und schick oder naturnah und ruhig

Metropolen wachsen. Viele heruntergekommene Quartiere leben wieder auf – dank der jungen Leute, der Kreativen, die alte Lofts und Lagerhallen entdecken. Neben dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt gibt es eine funktionierende Infrastruktur, Kindergärten, Schulen, Spielplätze – meist alles im eigenen Viertel vorhanden. Kurze Wege, kein zweites Auto notwendig. Niemand muss den Nachwuchs, wenn er klein ist, den halben Tag zum Tennisspielen oder Musikunterricht durch die Gegend fahren. Schlecht gelaunte Teenager gondeln allein per U-Bahn zur besten Freundin im anderen Stadtteil. Das spart Zeit, Nerven und Kosten. Viele Kulturangebote, schicke Einkaufsboulevards und ausreichende ärztliche Versorgung – letztere vor allem für ältere Bewohner wichtig. Ebenso wie innerstädtische Seniorenheime oder der Lieferservice für das Mittagessen. Auf dem Land gibt es das nicht flächendeckend. Alles in allem: ein dicker Pluspunkt für das Leben in der Stadt.

Kinderzimmer mit Ausblick

Vorteile nicht für junge Familien mit Kind. Auch für Ältere sind die kurzen Wege in der Stadt oft von Vorteil.

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Stadtmensch oder Landei? Eigentlich beides

Nachteil der Stadt: Man nimmt hier mehr Lärm, Enge, Schmutz und ständigen Trubel in Kauf. So klingt es reizvoll, aufs vermeindlich gesündere Land zu ziehen. Jedenfalls sind die Menschen dort zufriedener. Das fand zumindest das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR, 2011) heraus. "Geschätzt werden die Naturnähe, aktives soziales Miteinander und die Sicherheit, die der übersichtliche Lebensraum mit sich bringt", sagt Gabriele Sturm vom BBSR. Was jedoch fehlt, sind Ausbildungsplätze, Freizeitaktivitäten für Jugendliche sowie Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten vor Ort.

Wohnen auf dem Land oder in der Stadt?

Das eigene Haus, Natur und Ruhe machen eine Immobilie auf dem Land so reizvoll. Was fehlt sind jedoch oft Freizeitaktivitäten oder Ausbildungsplätze für Jugendliche.

Dafür können sich hier sehr viel mehr Menschen den Traum vom eigenen Heim verwirklichen. Denn auf dem Land setzt man auf Eigentum. Mehr als drei Viertel des Wohnungsbestands sind in privater Hand. Zusammen mit den selbst genutzten Wohnungen und Häusern gerechnet, sind 80 Prozent aller Immobilien im ländlichen Raum in Familienbesitz. In der Stadt wohnt man viel häufiger zur Miete. Auch nicht verkehrt. Spätestens, wenn die Kinder erwachsen sind und eigene Wege gehen, eine überlegenswerte Alternative. "Man lebt ja in Wellenbewegungen", sagt die Soziologin Sturm. "Häufig will man das, was man noch nicht hatte. Hat man das dann ausprobiert, möchte man wieder das Altbekannte."

Wo wollen wir leben? "Immer eine Abwägung aus Emotionen und hoffentlich ganz viel Rationalität", so Sturm. "Sonst klappt es nirgends." Ein bisschen Land und Stadt steckt ohnehin in jedem von uns. Schließlich nutzt ein Viertel der Stadtmenschen die Angebote der Stadt nicht, umgekehrt fährt ein Viertel der Landbevölkerung regelmäßig in die Stadt, um Theater, Konzerte oder Ausstellungen zu besuchen.

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