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Hausfassade in Schwarz – geht das?

Wochenendhaus am Hang
Ob auf Putz und Wärmedämmung oder direkt auf Klinker - Häuser mit schwarzer Fassadenfarbe haben einen ganz eigenen Charme.

 
© Christian Grund
Ein ganzes Haus in Schwarz wirkt klar und schlicht. Früher war solch eine Fassade noch problematisch – neue Putz- und Farbrezepturen machen es jetzt aber möglich. Verkohlen, Streichen oder Ölen – es gibt verschiedene Wege, eine Fassade zu schwärzen und gleichzeitig zu schützen

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Noch vor wenigen Jahren waren Häuser in Dunkelgrau oder Schwarz tabu. Das hatte weniger ästhetische als vielmehr funktionale Gründe: Fassadenfarben oder dunkle Deckputze mit einem so genannten Hellbezugswert (HBW) unter 20 erhitzen sich in der Sonne schnell auf 80 Grad Celsius. In der Folge droht der Untergrund – vor allem Putz mit Polysteroldämmung – Risse zu bekommen oder sich zu verformen, und zwar in allen Klimazonen. Reinweiß hat mit 100 übrigens den höchsten Hellbezugswert, Tiefschwarz mit 0 den niedrigsten. Hausfassaden – vor allem moderne, hochwärmegedämmte – galten bisher als ungefährdet, wenn ihre Aufheizung 70 Grad Celsius nicht überschritt.

Moderner Freisitz: Terrasse mit Holzdeck
Elegantes Anthrazit wirkt als Hausfassade herrlich wertig.
© Christian Burmester

Schwarze Holzfassade ölen

Leinölfarbe hat eine gute "Wanderfähigkeit“, sie zieht also tief in die Poren ein und schützt das Holz von innen vor Feuchtigkeit und damit vor Fäulnis und Schädlingsbefall. Zutaten sind idealerweise nur kalt gepresstes Leinöl und Pigment (bei Schwarz z.B. Eisenoxid), keine Lösemittel, Harze oder Füllstoffe . Leinölpro etwa bietet solche reinen Mischungen an.

Die Farbe wird dünn und gleichmäßig auf trockenen Grund aufgetragen, beim ersten Anstrich zweimal. Ein Liter kostet um die 50 Euro und reicht für ca. 18 Quadratmeter. Anschleifen des Holzes ist nicht nötig, schadhafte Altanstriche müssen aber entfernt werden. Mit der Zeit wird die Oberfläche matt und kreidet. Nachölen sollte man je nach UV-Belastung jährlich oder alle zwei bis drei Jahre, ein Neuanstrich ist nach etwa 15 Jahren fällig.

Das Schwarze Haus
Dunkle Holzhäuser mit schwarzer Fassade sind alles andere als trist oder furchteinflößend, sondern ein Architektur Statement. Umgeben von natürlichem Grün, wirken sie wie ein modernes Nest.
© Regina Recht

Schwarze Fassade aus Holz verkohlen

Bei dieses jahrhundertealten Methode aus Japan, Yakisugi oder auch Shou Sugi Ban genannt, wird die Oberfläche des Holzes verkohlt. Es entsteht eine wasserabweisende Rußschicht, die vor Fäulnis, Schädlingen und Schimmel schützt. "Yaki“ bedeutet grillen, und "Sugi“ ist die japanische Zeder, die traditionell verwendet wird. Holzart, Brenndauer und Nachbehandlung der Bretter beeinflussen die Optik.

Pur mutet sie fast wie Leder an. Bürsten bringt die Maserung hervor. Öl bindet die Rußpartikel, verhindert also Abfärben und schnelles Verwittern. Manche Schreiner bieten Yakisugi an. Der Holzexperte Mocopinus in Ulm hat das Verfahren industrialisiert und stellt diverse Linien her, Burned Wood aus den Niederlanden bietet individuelle Lösungen und Nakamoto Forestry importiert gebrannte Zedernholzprofile aus Japan (ca. 80 Euro pro Quadratmeter). Nach etwa fünf Jahren vergraut die karbonisierte Oberfläche. Wer das nicht mag, ölt nach.

Das Schwarze Haus
Unbehandelte Holzfassaden verändern sich durch Umwelteinflüsse in Farbe und Struktur. Eine Lasur schützt vor UV-Licht, Feuchte und Mikroorganismen.
© Regina Recht

Schwarze Fassade aus Holz streichen

Ein besonders tiefes, mattes Schwarz erreicht man auf unbehandelten, sägerauen Weichhölzern mit der aus Schweden bekannten Schlammfarbe. Die Holzoberfläche bleibt offen, Feuchtigkeit kann hinein und wieder hinaus. Die Farbe enthält Eisensulfat und Kupferoxid, die antiseptisch, keimtötend und fäulnishemmend wirken. Als Staub schädigen sie allerdings die Atemwege, darum beim Abbürsten von Altanstrichen eine Maske tragen. Ein Liter kostet zwischen fünf und zehn Euro (schwedischer-farbenhandel.de), die Standzeit liegt zwi-schen fünf und zehn Jahren. Eines der ältesten Holzanstrichmittel, ebenfalls tiefschwarz und schützend, ist Nadelholzteer. Aus harzhaltigem Kiefernholz produziert, funktioniert er wie ein Öl, jedoch mit dickerer Konsistenz. Mit Schutzhandschuhen auftragen.

Neue Farben reflektieren Wärme

Das Problem der Überhitzung lösen heute neuartige Farbsysteme, die sich die Tatsache zunutze machen, dass die solare Strahlungsenergie nur zu 39 Prozent im sichtbaren, zu 61 aber im unsichtbaren ultravioletten und infraroten Spektrum liegt. So wurden Gebinde entwickelt, die je nach System im Oberputz oder in der Fassadenfarbe mittels besonderer Füllstoffe und Buntpigmentrezepturen die Infrarot- und ultravioletten Wellen unmerklich reflektieren. Dadurch heizen sich sehr dunkle Oberflächen um 15 bis 20 Prozent weniger auf, sie sind so mit Sicherheit vor einer kritischen Überschreitung von 70 Grad Celsius geschützt.

Farbangaben sind wichtig

Die solare Reflexion einer Farbe wird als Total Solar Reflectance (TSR) angegeben. Zur Beurteilung des Aufheizverhaltens einer Hausfassade sollte also in erster Linie der TSR-Wert zugrunde gelegt werden. Hier gilt: Je höher der Wert (0 bis 100), desto geringer die Aufheizung. Da er sich allerdings einer optischen Kontrolle entzieht, muss er vom Hersteller angegeben werden.

Unproblematischer als bei Leichtbau- oder Wärmedämmverbundfassaden ist das direkte Streichen von Klinkern oder verputzten Ziegeln: Der massive Untergrund hält einer solaren Aufheizung jederzeit Stand, mit einer sogenannten TSR-Farbe schont man sie dennoch.

Bevor Sie nun Ihr Haus schwarz oder dunkelgrau streichen, sollten Sie vorher beim zuständigen Bau- bzw. Bezirksamt nachfragen. Nicht selten grenzt der Bebauungsplan auch das Spektrum der Fassadenfarben ein.

Auch eine Holzfassade lässt sich gut mit dunklen Farben kombinieren
Auch eine Holzfassade lässt sich gut mit dunklen Farben kombinieren
© Zooey Braun

Hersteller schwarzer Fassadenfarbe

Karbon-Putzsystem
Das neue Dämm- und Putzsystem "Edition Carbon DarkSide" von Caparol ermöglicht es, sogar Schwarz mit einem extrem niedrigen Hellbezugswert von 5 auf Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) – insbesondere solche mit Polysterol-Dämmung – aufzubringen, ohne dass Schäden drohen. Außer reflektierenden Farbpigmenten enthält der Putz auch Carbon- bzw. Kohlefasern, die zudem die Schlagfestigkeit erhöhen.
www.caparol.de

Reflektorfarbe
Dank so genannter Nah-Infrarotreflexion hat die Firma Sto die wärmereflektierende Farbe "StoColor X-black" entwickelt, die sowohl auf WDVS als auch auf monolithische Baukörper gestrichen werden kann. Sie ist in allen Farben des "StoColor"-Systems tönbar und eignet sich auch zum Renovieren.
www.sto.de

Farbsuchsystem
"Solreflex" von Brillux ist ein Beschichtungs- und Farbsystem, das kraft TSR-Formel einen gefährlichen Wärmestau innerhalb der Dämmschicht verhindert. Auf der Website finden Profis mittels Suchmaske heraus, ob der favorisierte Farbton mit dem verwendeten WDV-Systems kompatibel ist.
www.brillux.de

Putz- und Farbsystem
"CoolPigments" von Baumit besteht aus dem Kunstharz-Deckputz "StyleTop" bzw. der TSR-Farbe "StyleColor". Der mit Farb- und Reflektorpigmenten versetzte Deckputz eignet sich für wärmegedämmte Neubauten, die ebenfalls mit Reflektoren angereicherte Farbe ist für Renovierungsanstriche oder für Klinker gut.
www.baumit.de


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