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Energiesparend und ökologisch: So punkten Passivhäuser

Flachdachhaus mit grünem Blättergewand
© Jürgen Holzenleuchter
Dicht halten, kontrolliert lüften, den Rest erledigt die Sonne: Das simple Prinzip senkt den Energieverbrauch von Passivhäusern. Und so funktioniert das Wohnen im Passivhaus mit modernem Wohnkomfort, aber meist ohne klassische Heizung.

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Sparsam und autark: So funktioniert ein Passivhaus

Ein Passivhaus ist in der Regel ein Gebäude, das aufgrund seiner guten Wärmedämmung keine klassische Heizung benötigt. Bei Passivhäusern ist der Name Programm: Sie nutzen Energie vor allem passiv. Sonnenlicht, das durch dreifach verglaste und vor allem nach Süden ausgerichtete Fenster fällt, heizt die Räume auf.  Der Begriff Passivhaus bezeichnet somit nicht einen bestimmten Bautypus, sondern die "passive" Wärmegewinnung des Hauses, kombiniert mit einer Lüftungsanlage. Beides wird benötigt, um die Energiestandards, die für das Prädikat Passivhaus vorgeschrieben sind, zu erreichen.

Ein Passivhaus verbraucht extrem wenig Energie, ohne dass seine Bewohner in den kalten Monaten frieren müssen. Der niedrige Energieverbrauch im Passivhaus wird durch eine "passive" Nutzung von Wärme erreicht. Denn Wärme, die Bewohner, Haushaltsgeräte oder Kerzen abstrahlen, wird genutzt, um die Innentemperatur zu regeln. Mehr als eine Wärmepumpe oder einen Pelletofen braucht es zusätzlich nicht. Hinzu kommt meist eine Photovoltaikanlage und damit schlechte Luft im Passivhaus keine Chance hat, sorgt eine Lüftungsanlage mit modernem Wärmetauscher für einen regelmäßigen Luftaustausch.

Oberstes Gebot im Passivhaus: den Wärmeverluste durch Transmission oder Lüftung so gering wie möglich zu halten. Dach, Gebäudehülle und Fenster, aber auch Kellerwände und Fundamente werden beim Passivhaus deswegen gründlich wärmeisoliert. Eine Lüftungsanlage sorgt für eine regelmäßige Frischluftversorgung. Praktisch: Moderne Anlagen gewinnen zudem aus der verbrauchten Innenraumluft Wärme zurück und wärmt im Winter die frische Zuluft vor. Das Ergebnis: Passivhäuser verbrauchen 75 Prozent weniger Heizenergie als herkömmliche Neubauten und bis zu 90 Prozent weniger als Häuser im Bestand.

© Privat

Expertentipps für alle, die von einem Passivhaus träumen

Johannes Hünig, Head of Haus & Bauen bei SCHÖNER WOHNEN, weiß wie ein Passivhaus funktioniert. Das sind seine Tipps

1. Der weg zum Passivhaus
Schritt für Schritt lässt sich bei jeder Neubauplanung der Passivhausstandard erreichen, ebenso bei der Modernisierung von Altbauten. Es gibt solche Gebäude in Massiv-, Holz- oder Mischbauweise. Das Konzept ist frei verfügbar. Jeder kompetente Architekt kann ein Passivhaus entwerfen. Orientierung bieten etwa das Passivhaus-Projektierungspaket des Passiv-haus Instituts (passov.de) und Informationsquel-len wie Passipedia.de. Wer sich an Planer, Berater und Handwerker wenden möchte, die sich gut aus-kennen, findet entsprechend zertifizierte Experten.

2. Förderprogramme nutzen
Die KfW-Bank (kfw.de) vergibt zinsgünstige Kredite und Investitionszuschüsse für energieeffizienten Haus-bau und die Sanierung alter Gebäude. Auch ein Blick auf die Förderprogramme des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sowie von Ländern, Regionen und Kommunen kann lohnen.

Wenn Sie ein Passivhaus planen, sollten Sie noch sorgfältiger als bei jedem anderen Wohngebäude darauf achten, dass keine Wärmebrücken oder undichten Stellen entstehen. Dreifach verglaste Fenster gehören beim Passsivhaus zum Standard. Hochwertige Spezialfenster lassen in den kalten Monaten mehr Sonnenenergie in das Passivhaus hinein, als sie Wärme nach außen abgeben. Aufgrund des höheren Sonnenstandes kann das Passivhaus im Sommer bei Südfenstern nicht überhitzen.

Energiesparend und ökologisch: So punkten Passivhäuser
© Victor Brigola

So punkten Passivhäuser

Wesentlicher und unschlagbarer Vorteil an einem Passivhaus ist sein im Vergleich zu einem konventionell errichteten Gebäude unglaublich niedriger Energieverbrauch. Als Besitzer von einem Passivhaus können Sie quasi mit Schulterzucken auf steigende Öl- oder Gaskosten reagieren – und dabei die Umwelt schonen. Ihr Passivhaus wird allein durch Abwärme und Sonnenenergie behaglich warm.

Außerdem Angenehm: Im Passivhaus herrscht eine deutlich konstantere Temperatur als in anderen Wohngebäuden. Die Innentemperatur ändert sich nur langsam. Selbst bei ausgeschalteter "Heizung" im Winter sinkt sie im Passivhaus um weniger als ein halbes Grad am Tag.

Wer Angst vor klobiger Haustechnik hat, kann angesichts der Anlagen im heutigen Passivhaus beruhigt aufatmen. Diese findet mittlerweile in einem Wandschrank Platz. Lüftung mit Wärmerückgewinnung, eine kleine Wärmepumpe für Luft- und Brauchwassererwärmung sowie ein Brauchwasserspeicher sind oft in kompakte Geräte für das Passivhaus integriert. Filterwechsel können mit etwas Geschick selbst übernommen werden.

  • sehr große Energieersparnis
  • niedrige Unterhaltungskosten
  • konstante Temperatur im Haus
  • kompakte Haustechnik

Haben Passivhäuser Nachteile?

Ein Passivhaus ist als Neubau etwa fünf bis 15 Prozent teurer als ein konventionell gebautes Haus. Wenn Sie einen Altbausanieren und in ein Passivhaus umwandeln möchten, liegt Ihr finanzieller Mehraufwand zwischen zehn und 18 Prozent. Und: Neben dem finanziellen muss auch der zeitliche Aufwand beim Bau eines Passivhauses bedacht werden. Die Gebäudehülle, aber auch die unterirdischen Bauten wie Keller und Fundament müssen besonders sorgsam gedämmt werden. Arbeiten, die die Bauzeit im Vergleich zum konventionellen Haus verlängern.

  • höhere Baukosten
  • größerer Zeitaufwand beim Bau
  • noch keine Lösungen von der Stange

Niedrige Unterhalts- und Energiekosten im Passivhaus

Ob aus ökologischer Überzeugung oder aus Kostengründen – ein Leben im Passivhaus zahlt sich trotz der erhöhten Baukosten auf lange Sicht aus, denn die Unterhaltungskosten bleiben weit hinter denen konventioneller Bauten zurück. Spätestens nach einigen Jahren rechnet sich die Investition in die Haustechnik, meist ist dann die Amortisationszeit der teureren Isolationsarbeiten und der Technik verstrichen. Nicht vergessen werden darf allerdings der moderne Wohnkomfort, den Bewohner von einem Passivhaus von Anfang an genießen. Diese schwören zumeist auf das angenehme Raumklima, die behagliche Wärme im Winter und die gute Luftqualität in ihrem Passivhaus.

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