• CROSSMEDIA
    WERBEPARTNER
  • CROSSMEDIA
    WERBEPARTNER

"Cradle to Cradle" – mehr als Recycling

Wie kann man die Umwelt schonen, ohne den Lebensstandard senken zu müssen? Der Wissenschaftler Michael Braungart entwickelte gemeinsam mit William McDonough das Produktionsprinzip "Cradle to Cradle", ein in Holland und den USA bereits bekanntes Verfahren, unter anderem für die Herstellung von Möbeln.
cradletocradle_desso

Stellen Sie sich vor, Sie brauchen einen neuen Teppich und statt ihn zu kaufen, leasen Sie ihn. Sagen wir für 25 Jahre und dann nimmt der Hersteller ihn zurück und produziert einen neuen Teppich daraus. Und stellen Sie sich vor, dieser neue Teppich ist völlig geruchslos, weil bei seiner Herstellung auf giftige Chemikalien verzichtet wurde. Das ist keine Zukunftsmusik. Das ist "Cradle to Cradle".

"Cradle to Cradle" ("Von der Wiege zur Wiege") ist von der Natur inspiriert, in der alles Leben und alle Substanzen als Nährstoff für neues Leben dienen. Ende der 80er-Jahre kam dem Hamburger Verfahrenstechniker und Chemiker Michael Braungart in den Sinn, dass dieses Prinzip der Natur auf die Industrie übertragbar sein müsse. Er entwickelte das "Cradle to Cradle"-Prinzip oder kurz "C2C"-Prinzip.

cradletocradle_desso2

"Cradle to Cradle" verfolgt den Ansatz, dass bei der Herstellung von Produkten Materialien als Nährstoffe gesehen und in einem geschlossenen Kreislauf gehalten werden. Biologisch wertvolle Produkte gelangen nach ihrer Nutzung bedenkenlos in die Umwelt. "Technische Nährstoffe", zum Beispiel Metalle, werden für geschlossene technische Kreisläufe konzipiert und immer wieder aufs Neue genutzt – entweder um das gleiche Produkt wieder herzustellen oder ein anderes, das die gleichen Rohstoffe braucht. Anhänger sehen hier das Potential für eine industrielle Revolution.

c2c_steelcase_think

Es geht also darum, eine nahezu hundertprozentige Rückgewinnung aller Inhaltsstoffe zu ermöglichen, statt sie als Abfall zu deponieren, zu verbrennen oder geringwertiger zu recyceln. Sie werden immer und immer wieder neu verwendet.

In Deutschland hört man nicht viel von Herrn Braungart. In den USA ist er bereits bekannt. Selbst Brad Pitt soll das "Cradle to Cradle"-Buch von Braungart und dessen Wissenschaftsfreund William McDonough gelesen haben. Auch in Holland ist "Cradle to Cradle" ein Begriff. Hier wird sogar eine ganze Region nach dem Prinzip umgestaltet. Der Großraum Limburg will sich im Rahmen der Welt-Gartenbau-Ausstellung "Floriade 2012" als ersten "Cradle to Cradle"-Landstrich auf die Weltkarte setzen. Und in Rotterdam gibt es seit dem Wintersemester 2009 den ersten "C2C"-Lehrstuhl weltweit.

c2c_shavings_stool

Die Idee findet Anklang und es gibt weitere Vorreiter des "Cradle to Cradle"-Designs. So setzt der niederländische Teppichbodenhersteller Desso seit 2008 das Prinzip um. Ganz im Sinne Braungarts wurde der gesamte Herstellungsprozess angepasst. Die jetzt entstehenden Produkte sind entweder vollständig biologisch abbaubar oder lassen sich in Form von Rohstoffen für neue Waren wiederverwerten. Zusätzlich können bei Desso in einem Pilotprojekt die Teppiche nach Gebrauch von den Kunden zur Wiederverwertung zurückgegeben werden. Auch Möbeldesigner versuchen sich in dem nachhaltigen Produktionsprozess. So ist der Bürostuhl "Think" von Steelcase das erste "Cradle to Cradle"-zertifizierte Produkt überhaupt. Gleiches gilt für den "Shavings Stool" von Yoav Avinoam, der aus Sägemehl hergestellt wurde.

Aber warum hat man hierzulande noch kaum von "Cradle to Cradle" gehört? Weil das Thema in den deutschen Medien keines ist, von deutschen Politikern – wenn überhaupt bekannt – milde belächelt und auch von der Industrie bisher kaum beachtet wird. Wahrscheinlich muss die Idee erst wieder re-importiert werden, um als quasi amerikanische Erfindung mehr Gehör in deutschen Landen zu finden. Wir sind gespannt.

Websites zu "Cradle to Cradle":

Website von Prof. Dr. Michael Braungart, einem der Gründer des "Cradle to Cradle"-Prinzips: www.braungart.com

Homepage des Teppichherstellers Desso: www.desso.com

Homepage des Herstellers Steelcase mit seinem Bürostuhl "Think": www.steelcase.de

Website des isralischen Designers Yoav Avinoam, der den "Shavings Stool" aus Sägemehl entwickelt hat: www.yoavavinoam.com