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Meissen

Alle Welt kennt Meissen als Synonym für feinstes Porzellan. Jetzt punktet die Manufaktur auch mit Schmuck, edlen Fliesen und einer Home-Collection.
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Vier zarte Pinselstriche setzt die Unterglasur-Malerin auf den Boden eines Tellers: zwei gekreuzte Schwerter. Der Tisch, an dem sie arbeitet, steht in der großen Halle der Meissener Porzellanmanufaktur. Um sie herum stapeln sich auf hohen Regalwagen Becher, Teller, Figuren und Vasen, die aus dem Glühbrand kommen. Hier werden sie mit dem Logo versehen, bevor sie glasiert und in den Glattbrand geschickt werden. Die Schwerter (die Rezeptur ist ein Werksgeheimnis!) sind jetzt noch schwarz, erst im Brand kommt das Kobaltblau heraus. Die gekreuzten blauen Schwerter sind es, nach denen unsere Großmütter verstohlen geschaut haben, wenn die Gastgeberin den Raum verließ und sie unbeobachtet einen Blick unter den Kuchenteller werfen konnten. Und deren Großmütter haben es vermutlich auch so gemacht.

Klassiker brauchen Modernisierung

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Es ist das älteste durchgehend genutzte Markenlogo der Welt, 1723 eingeführt vom sächsischen Kurfürsten und Manufakturgründer August dem Starken. Und damit noch 16 Jahre älter als das berühmteste Dekor aus Meissen – das "Zwiebelmuster", das eigentlich Granatäpfel und Pfirsiche darstellt und das erste Gebrauchsgeschirr für den Mittelstand war. Noch heute ist das Zwiebelmuster einer der Bestseller im Meissen-Tischkultur-Programm, aber verkauft wird es weniger und weniger. In einer Zeit, in der junge Leute ihren ersten Hausstand im Möbelhaus kaufen und, wenn sie heiraten, sich lieber eine Weltreise als ein ordentliches Tafelservice wünschen, stirbt den Porzellanmanufakturen die Kundschaft weg. Wer es nicht schafft, seine Klassiker zu modernisieren, der macht Verluste.

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Die dänische Manufaktur Royal Copenhagen rettete sich 2000 aus der Krise, als sie ihrem blauweißen Porzellan das zeitgemäße Dekor "Blue Fluted Mega" verpasste. Ausgerechnet Meissen aber, die erste aller deutschen Manufakturen, schien den Anschluss verpasst zu haben. Zu DDR-Zeiten war sie eine Insel der Privilegierten. Wer hier arbeitete, hatte
eine Stelle auf Lebenszeit. Als die Wende kam, blieb die Firma Staatsbetrieb – produziert wurde wie eh und je, nur verkauft nicht. Als 2008 der ehemalige Boston-Consulting-Manager Christian Kurtzke als neuer Geschäftsführer hier anfing, blickte er auf volle Regale – und leere Kassen.

Lagerbestände wurden vernichtet

Jedes Jahr machte das Unternehmen Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Die Bestände billig auf den Markt zu werfen kam nicht infrage, so ergriff Kurtzke eine ungewöhnliche Maßnahme. Um den Wert der Marke zu erhalten, ließ er 2010 unverkäufliche Lagerbestände vernichten. Was den Manager an der Marke faszinierte, war ein Blick in die Archive. "Zigtausende von Dekoren und Formen hat Meissen in 300 Jahren hervorgebracht", erzählt er begeistert, "es ist ein Spiegel der Kunstgeschichte – und eine Welt, in der man sich verlieren kann."

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Eine Ironie der Geschichte: Die berühmten Figuren und kunstvoll verzierten limitierten Editionen verkaufen sich heute nur noch dort wirklich gut, wo Porzellan seinen Ursprung hat – in Fernost. Eine weiße Löwin ging vor Kurzem bei einer Auktion für 1,1 Millionen Euro an einen japanischen Sammler. Doch der Markt für Porzellankunst schrumpft. Die begabten Handwerker, die teilweise schon seit 40 Jahren in der terpentingeschwängerten Luft ihrer Malstuben sitzen und wochenlang mit dem Blumendekor eines Teeservices beschäftigt sind, haben immer weniger zu tun. Was nutzt es da, dass Meissen eine der fünf bekanntesten Luxusmarken der Welt ist?

Wandverkleidungen aus Porzellan, Textilien, Möbel

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"Genau dort liegt uns er Potenzial", sagt Christian Kurtzke. "Wenn Armani, Ralph Lauren und Hermès unter ihrem Namen Möbel und Interior-Design verkaufen, warum dann nicht auch Meissen?" Seine Pläne setzt der gebürtige Berliner im Eiltempo um: 2010, zum 300. Geburtstag der Manufaktur, lancierte er eine Schmuckkollektion und stellte die ersten Prototypen von Wand- und Bodenfliesen aus Porzellan vor. Krawatten und Seidentücher folgten, in diesem Jahr kommt die Home Collection hinzu – Teppiche, Kissen, Tischleuchten und Textilien. Kürzlich eröffnete in Mailand, in einem Palast an der Via Montenapoleone, der erste Flagship-Store, im Frühsommer soll in Dresden-Blasewitz der zweite folgen. "Villa Meissen" präsentiert das gesamte Spektrum der neuen Luxusmarke, von Wandverkleidungen aus Porzellan über Textilien bis hin zu Möbeln. Und beweist, dass alles zusammenpasst: barocke Deckelvasen zu dunklem Holz und grafisch gemusterten Textilien, Ming-Drachen auf weißem Porzellan zu sandfarbenen Seidenkissen.

Anfänge liegen in der Schmuckherstellung

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Vieles von dem Neuen, was es jetzt bei Meissen gibt, ist übrigens gar nicht neu. "Was heute kaum noch jemand weiß", erklärt Kurtzke, "ist, dass die Anfänge von Meissen in der Herstellung von Schmuck lagen." Anfang des 18. Jahrhunderts nämlich, als Johann Friedrich Böttger, Alchimist am Hofe Augusts des Starken, auf der Suche nach Formeln zur Herstellung von Gold war, gelang ihm zunächst ein porzellanähnlicher Werkstoff in einem dunklen Braunton. Um dem Fürsten das neue Material möglichst schmackhaft zu machen, ließ er den Hofjuwelier Schmuckstücke daraus fertigen, besetzt mit Edelsteinen. August, der zahlreiche Mätressen hatte (die beschenkt werden wollten), war begeistert. Kurze Zeit später entdeckte Böttger das weiße Hartporzellan, das "weiße Gold", aus dem sich August nicht nur Geschirr, sondern auch Orgeln, Möbel und Paravents herstellen ließ.

Mit der Home Collection knüpft Meissen also an die eigenen Wurzeln an. Das braune "Schokoladenporzellan", Böttgersteinzeug genannt, ist heute ein Teil der neuen Meissen Architektur Kollektion. Die umfasst Fliesen aus Porzellan für Wand- und Bodenverkleidung. Jedes Element wird handgefertigt in Meissen, eignet sich für innen und außen und trägt auf der Rückseite ein kleines, wertvolles Zeichen: zwei gekreuzte Schwerter.