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Teppichdesigner Jan Kath

Einem Mann aus dem Pott und nicht aus Persien ist es gelungen, das Image des Orientteppichs zu retten. Jan Kath hat die geknüpfte Teppichkunst aus dem Morgenland kräftig ausgeklopft und eine alte Tradition zum neuen Trend gemacht.
In diesem Artikel
Prominente Kunden
300.000 Knoten pro Quadratmeter
Die Angst, kopiert zu werden
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Perserteppich, das klingt nach Gelsenkirchener Barock, nach Orientteppichen, die generationenlang auf dem Boden lagen, muffig, spießig, scheußlich, und nicht nach Tausendundeiner Nacht. Wer Jan Kath in Bochum besucht, den riesigen Showroom in einer ehemaligen Maschinenhalle betritt, wird dagegen verzaubert.

Die Farben, die Muster, das Material – was hier auf Holzpaletten lagert, an den Wänden wie in einer Bildergalerie zur Schau gestellt wird, hat seinem Macher zahlreiche Designpreise eingetragen, lässt Besucher und sogar Scheichs staunen. Mief sieht anders aus. Die Bilder, die Jan Kath Millimeter für Millimeter in Nepal per Hand knüpfen lässt, zitieren Traditionen, sind dabei jedoch so modern wie der smarte Turnschuh-Typ, der erst einmal jedem, der ihm begegnet, einen Button mit dem Aufruf "Make rugs not war" in die Hand drückt.

Prominente Kunden

Jan Kath arbeitet bereits seit 20 Jahren im Geschäft, hat zwei fast erwachsene Söhne und produziert mittlerweile so viel Teppiche, dass nicht nur die halbe Familie mithelfen muss, sondern auch 20 Menschen in der Entwicklung und etwa 2000 Knüpfer in den Produktionsstätten in Nepal, Indien, Thailand und Marokko. Wie schafft man das mit nur 39 Jahren? Glück oder Arbeit?

Ein bisschen von beidem. Er ging als Techno-Hippie auf Weltreise und kam als Shootingstar der Teppich-Szene zurück, bei dem selbst so coole Typen wie Anthony Kiedis von der amerikanischen Band Red Hot Chilly Peppers einkaufen. Und das alles, weil der Enkel und Sohn einer Orientteppich-Verkäuferfamilie nicht auf seinen Vater hörte, dem die Reiselust seines Kindes verständlicherweise Sorgen bereitete. "Bevor du nach New York fliegst, fahr doch mal nach Dortmund", so der elterliche Rat. Gut, dass sich Jan Kath trotzdem auf den Weg machte, die Welt zu erobern, und dabei den Orientteppich rettete.

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Anderthalb Jahre lang war er, nach der Lehre zum Kaufmann und dem Zivildienst, mit dem Rucksack auf dem Rücken schon unterwegs, als er in Kathmandu auf der Straße einen deutschen Geschäftsfreund seiner Eltern traf. "Als er mir einen Job anbot, griff ich zu, denn die nepalesische Hauptstadt gefiel mir so gut, dass ich unbedingt bleiben wollte." Plötzlich findet er sich mit nur 21 Jahren als Qualitätskontrolleur und Entwickler für Tibetteppiche wieder und ist Einwohner seiner Traumstadt. Als er nach einem Jahr in die Mongolei geschickt wird, um neue Produktionsstätten zu erschließen, verliebt er sich in seine junge Dolmetscherin, bleibt eine Zeit lang in dem Land zwischen Russland und China und wird Vater seines ersten Sohnes.

Dann kommt 1996 ein Anruf aus Kathmandu mit dem Angebot, eine Teppichknüpferei zu übernehmen: Das ist die Geburtsstunde von Jan Kath Design. "Plötzlich hatte ich den Druck, für 600 Menschen Arbeit zu beschaffen." Und weil kein Geld für einen Designer da war, übernahm der Chef den Part selbst. "Heute bin ich im Designteam der einzige, der keine gestalterische Ausbildung hat, aber immer noch stammt jede Idee von mir." Natürlich seien im Laufe der Jahre die Handschrift sicherer und die Entwürfe mutiger geworden, fügt er hinzu. Beim Wissen um Fertigungstechniken und Rohmaterial aber kann kaum ein Designer-Kollege mithalten.

300.000 Knoten pro Quadratmeter

Die Balance zwischen Kaufmannsexistenz und Künstlertum war nicht immer leicht zu wahren. Kommerz oder Kunst, konkurrenzfähig bleiben, aber einen fairen Lohn zahlen – erst als ihm klar wurde, dass er den Markt "von oben her" erobern musste, fand er seinen Weg. Jan Kath konzentrierte sich schnell auf hochwertiges Handwerk, und das hat seinen Preis: 1.200 Euro und mehr kann ein echter Jan Kath pro Quadratmeter kosten.

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Und weil wir schon mal bei Preisen sind, räumt er auch gleich mit einem Märchen auf: "Quatsch, dass ein Orientteppich an Wert gewinnt. Das Verkaufsargument, das in den Fünfzigern in die Welt gesetzt wurde, stimmt so nicht." Jan Kath bleibt lieber ehrlich und verkauft das, was einen geknüpften Teppich ausmacht: beeindruckende Handwerkskunst. Gut drei Monate lang arbeitet ein Knüpfer an einem sieben Quadratmeter großen Teppich, bringt dabei 300.000 Knoten pro Quadratmeter in das Gewebe. "Weniger dürfen es auch nicht sein", weiß er und bekennt sich damit wieder einmal zur Qualität, zu der im Übrigen noch Zutaten wie Wolle, Seide und Brennnessel gehören. Dafür halten die immer erst nach Kundenwunsch gefertigten Bilder für den Boden ein Leben lang, selbst wenn sie täglich mit Füßen getreten werden.

Aber überleben seine Entwürfe auch alle Moden? Schließlich verhält sich ein Feuerwerk an Farben à la Kath nicht gerade zurückhaltend im Raum. "Mein Design ist langlebig", kontert er selbstbewusst. Wenn man bedenkt, dass viele der in Bochum neu interpretierten Muster sich schon jahrhundertelang bewährt haben, könnte er recht haben. Von Überheblichkeit ist im Gespräch trotzdem nichts zu spüren.

Jan Kath gibt sich bescheiden, bodenständig. "Bei uns bekommt jeder den gleichen Service, egal ob er nur einen oder zehn Quadratmeter bestellt, egal, ob er Anthony Kiedis oder Anton Müller heißt." Nur einmal gibt er die Zurückhaltung auf, klappt den Laptop auf und sucht nach Bildern der Kollektion, die er im Januar auf der Teppichmesse Domotex in Hannover zum ersten Mal zeigt. Ein bisschen stolz ist er doch auf seine "Stücke", wie er sie liebevoll nennt, und hebt die Teppiche mit dem Terminus auf eine museale Ebene. Und da haben sie ja auch schon hingefunden – in eine Ausstellung im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt.

Die Angst, kopiert zu werden

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Zwei Wochen pro Monat ist Jan Kath unterwegs, pendelt zwischen dem Pott und seinen zwei Produktionsbetrieben und ist dabei ein halber Asiate geworden, wie er selbst von sich sagt. Was macht er dann noch in Bochum? "Mein Interesse an fremden Kulturen ist ungebrochen, aber meine Heimat ist Bochum, hier lebt meine Familie." Und viele Ideen, die er in Wolle knüpft, findet er in der Industrielandschaft vor der Haustür.

Die Umsetzung auf den Teppich bleibt sein Geheimnis: "Bitte nichts zu den Techniken schreiben." Die Angst, kopiert zu werden, ist groß, und sie ist berechtigt. Aber verraten dürfen wir trotzdem etwas. In Istanbul hat er ein neues Unternehmen gegründet, JK Sourcing, das nur noch handversponnene und naturgefärbte Garne verarbeitet, und zwar dort, wo sie hergestellt werden. Mit dieser Kollektion will er noch "radikaler" werden. Und er will nagelneue Teppiche nachträglich auf Alt trimmen und als Grundlage für Graffiti nehmen, bei denen die Tuftingpistole zur Sprühdose wird. Wieso ist darauf eigentlich noch keiner gekommen?

Kontakt

Jan Kath Design GmbH
Telefon: 0234 - 941 23 44
info@jan-kath.de
www.jan-kath.de

 

Teppiche von Jan Kath und anderen: Die aktuellen Teppiche