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Eins plus eins macht drei: Scholten & Baijings

Carole Baijings und Stefan Scholten sind die neuen Stars an Hollands Designhimmel. So hell und so strahlend wie die Farben, die ihr Markenzeichen sind.
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Sie haben sich in einer Kirche kennengelernt. Die Agentur, für die Carole Baijings Ende der 90er Jahre arbeitete,
hatte ihre Räume in einem ehemaligen Gotteshaus und den Plan, eine Art frühes Facebook ins Leben zu rufen; einen realen und einen virtuellen Raum zu schaffen, in dem sich Kreative miteinander vernetzen würden. Stefan Scholten sollte das Interieur gestalten. Das Firmenprojekt war ein Flop. Es kamen zu wenige Menschen, und sie fühlten sich verloren in dem großen Raum.

Carole Baijings und Stefan Scholten aber haben sich dabei gefunden. Zwölf Jahre später sitzen sie in ihrem Atelier am Westerdoksdijk, einem neu erschlossenen Quartier im ehemaligen Hafengebiet von Amsterdam, am Besprechungstisch. Durch die Glasfronten kann man sehen, wie sich die kahlen Büsche am Straßenrand unter dem bitterkalten Wind wegducken, der Himmel hängt tief über dem schwarzen Wasser. Hier drinnen ist es licht und hell, acht Freelancer arbeiten an Modellen oder am Computer. Und Carole Baijings, 37, strahlt, als Stefan Scholten, 38, die Geschichte ihrer ersten Begegnung erzählt.

Sie hat allen Grund dazu. Nicht nur, dass Carole Baijings und Stefan Scholten wie ein glückliches Paar wirken, sie sind außerdem, elf Jahre nach der Gründung ihres Designlabels, an einem Punkt angekommen, an dem sie eigentlich mal kurz durchatmen und den Erfolg genießen könnten: Sie waren die Shootingstars der Mailänder Möbelmesse 2010, sie haben den Dutch Design Award in der Kategorie Produktdesign gewonnen, ihre Arbeiten wurden von Museen gekauft.

Sie grübeln nicht über Ideen, sie erkunden Materialien

Einen Tee eingießen, in eine kleine Tasse mit traditionellem niederländischem Zwiebelmuster, und erzählen. Das erste Projekt, damals, als alles anfing, waren acht handgefertigte Teppiche. Sie verwendeten die Reste aus einer Teppichmanufaktur, die unter anderem für das Königshaus fertigt, diese zerschnitten und neu zusammengesetzt. "Wir sind drei Monate lang auf Knien herumgerutscht", sagt Stefan Scholten, "und am Ende dieser Zeit waren unsere Hände von der Jute auf der Unterseite der Teppiche wund und zerschnitten." Die Resultate präsentierten sie auf einer Ausstellung im Einrichtungsladen "The Frozen Fountain", einer Design-Institution in Amsterdam und einem Sprungbrett für viele junge Designer.

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Sie verkauften einige der Teppiche und hatten eine Spur in der niederländischen Designszene hinterlassen. Heute sehen die Hände der beiden heil und gepflegt aus, wie sie da vor ihnen auf dem Tisch liegen, aber sie sind immer noch ihr wichtigstes Instrument bei der Entwicklung eines neuen Produktes. Man muss sich nur mal umschauen: Die Regale stehen voll mit ersten Modellen aus Pappe, aus Plastikfolie, mit Tape zusammengehalten, aus Papier, aus feinen Holzstreben. Tüfteleien mit großem Potenzial.

Womit wir beim Wesen der Arbeit von Carole Baijings und Stefan Scholten wären: Sie grübeln nicht über Ideen, sie erkunden Materialien. Sie erlernen Techniken, sie beschäftigen sich mit den ganz konkreten handwerklichen Fertigkeiten, die aus einem Material einen Gebrauchsgegenstand werden lassen. Im Laufe dieses Prozesses entwickeln sie ihre Produkte. Sie unterscheiden sich damit ganz gewaltig von dem, was lange als typisch niederländisches Design galt und was Labels wie Droog oder Designer wie Marcel Wanders repräsentieren: Entwürfe, deren Ausgangspunkt ein Konzept ist. Scholten & Baijings dagegen erinnern viel mehr an die alten Meister des Handwerks, die ihrerseits immer auch Designer waren.

Wie geht das, als Paar zusammen zu entwerfen?

Dass ihre Arbeiten trotzdem nie rückwärtsgewandt oder altbacken aussehen, liegt zum einen an den strengen grafischen Mustern und Formen, die sie gern verwenden, vor allem aber an ihrem Umgang mit Farben; fast fluoreszierende, leuchtende Farben, die dennoch nie aufdringlich wirken.

Besonders gut zu sehen ist das an den "Colour Plaids", ihren bisher bestverkauften Produkten. Sie sind das Ergebnis einer dreimonatigen Experimentierphase im "TextielLab" des Textilmuseums Tilburg – dicke, gewebte Merinodecken, auf denen leuchtende Farben ineinanderlaufen, Pink wird zu Grün wird zu Gelb. "Wir wollten herausfinden, wie man beim Weben einen Farbverlauf entstehen lassen kann. Wir dachten, es sei einfach. Aber das war es nicht."

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Die Resultate sind um so beeindruckender. Bei einer ihrer Partys warfen sie zu Hause ein paar davon über Sofas und Bett, und alle Gäste waren so begeistert von ihnen, dass Scholten & Baijings die Decken Thomas Eyck anboten. Der nahm sie gern in sein Programm, nun werden sie von der niederländischen Traditionsweberei de Ploeg gefertigt. Hier im Studio sind die Decken auf Raumteiler gezogen, und die Kraft ihrer Farben lässt den Himmel draußen vor Neid ein bisschen blasser werden.

Noch einen Tee? Gern, ja, und noch eine Frage: Wie geht das überhaupt, als Paar zusammen zu entwerfen? Was kann Stefan besser als Carole? "Stefan ist sehr gut darin, Dinge tatsächlich umzusetzen", sagt Carole Baijings. "Und darin, das Potenzial von Projekten und von Menschen zu erkennen." Und Carole? "Carole ist in so vielen Dingen gut", sagt Stefan Scholten, ohne eine Sekunde zu zögern. "Am beeindruckendsten ist ihre Intuition. Sie weiß genau, wann ein Entwurf fertig ist. Das ist manchmal anstrengend. Wenn das Team etwa denkt, so, das ist es jetzt – und Carole sagt: Nein, ist es nicht. Aber sie hat immer recht."

Machen sie denn immer alles gemeinsam? "Früher mehr als heute", sagt er. "Das liegt auch daran, dass die Arbeit so viel mehr geworden ist und es manchmal ökonomischer ist, sich aufzuteilen." Aus diesem Grund war es auch Stefan Scholten alleine, der die Stücke für eine Ausstellung in einer Galerie in Antwerpen arrangierte. "Während ich das tat", erzählt er, "dachte ich: Allein könnte ich diese Arbeit nicht tun." Und Carole Baijings sitzt ihm gegenüber, lächelt ihn an und sagt: "Wenn wir gemeinsam arbeiten, ergibt sich etwas, was keiner von uns beiden allein schaffen kann. Zusammen sind wir drei."

Kontakt

Scholten & Baijings
Westerdoksdijk 597
1013 BX amsterdam
Niederlande
Tel: +31 (0)20 420 8940
Fax: +31 (0)20 420 8941
E-Mail: info@scholtenbaijings.com
www.scholtenbaijings.com