Recyclingmöbel

Von der Möbeldesignerin Franziska Wodicka haben diese alten Schubladen eine neue Aufgabe erhalten und bilden jetzt zusammen ein neues Regal.

Von der Möbeldesignerin Franziska Wodicka haben diese alten Schubladen eine neue Aufgabe erhalten und bilden jetzt zusammen ein neues Regal.

Foto: schubladen.de

Nachhaltig produzierte Möbel liegen im Trend, doch viele Designer gehen noch einen Schritt weiter. Sie produzieren Recyclingmöbel aus gebrauchten Materialien. Und das kann sehr gut aussehen.

Recyclingmöbel sind von einem Nischenprodukt zu einem Wachstumsmarkt geworden. Das Material für Recyclingmöbel wird von den Herstellern sorgfältig ausgewählt, behält teilweise den Charakter der Erstnutzung und wird doch zu einem neuen Möbel. Bevorzugte Materialien, aus denen Recyclingmöbel entstehen, sind Altholz, Glas, Karton, PVC oder Reste aus anderen Produktionsprozessen. Recyclingmöbel sind somit nicht nur Unikate, die jeweils kein zweites Mal auf dem Markt zu finden sind, sondern leisten außerdem einen wichtigen Beitrag zur Müllvermeidung.

Recyclingmöbel mit anspruchsvollem Design

Bei der Produktion von Recyclingmöbeln aus Altmöbeln, Industrieabfällen oder Altholz entstehen mittlerweile nicht mehr nur chaotisch-kreative Möbel mit Wollsockencharakter, sondern auch edle Recyclingmöbel, die herkömmlichen Designmöbeln in nichts nachstehen. Im Gegenteil.
Die Idee hinter Recyclingmöbeln ist nicht neu. Hinsichtlich Design haben Recyclingmöbel in den letzten Jahren jedoch stark aufgeholt. Produktpalette und Verarbeitung haben sich verändert, das oft muffige Öko-Image der ersten Stunde ist verschwunden. Recyclingmöbel sind hochwertiger, moderner und damit auch beliebter geworden.
Das Hamburger Label Lockengelöt fertigt aus ehemaligen Schallplatten weiße Leuchten im Stil der 50er und 60er Jahre.

Das Hamburger Label Lockengelöt fertigt aus ehemaligen Schallplatten weiße Leuchten im Stil der 50er und 60er Jahre.

Foto: Lockengelöt

Design als Beitrag zur Müllvermeidung

Rund sieben Millionen Tonnen ausgediente Möbel müssen jährlich in Deutschland entsorgt werden. Nur ein Bruchteil wird weiterverkauft, verschenkt oder zu einem Recyclingmöbel verarbeitet. Doch in der bisher noch kleinen Nische der Recyclingmöbel tut sich etwas: Recyclingmöbel sind im Kommen und nicht mehr allein die Domäne junger Designer oder studentischer Arbeitsgruppen. Auch große Hersteller erkennen mittlerweile, dass sich mit Recyclingmöbeln Geld verdienen lässt. Denn heute entscheiden beim Möbelkauf nicht mehr nur Aussehen und Preis, sondern auch die nachhaltige Produktion von Sofas oder Sesseln. Und dann haben Recyclingmöbel im Zweifel die Nase vorn.
Designer machen sich mittlerweile auf den Weg in eine nachhaltigere Zukunft und modifizieren Produktionswege, Produktionsweise und Materialzusammensetzung ihrer Produkte. Gemeinhin lassen sich, geht es um Recyclingmöbel, zwei Ansatzpunkte bei den Herstellern erkennen. Einige verwenden beispielsweise Altholz oder -papier, als wäre es neues Arbeitsmaterial. Einem solchen Recyclingmöbel sieht man seine nachhaltige Produktionsweise nicht auf den ersten Blick an. Bei anderen ist der Prozess des Recyclings zugleich Bestandteil des Designs. Charakter und Beschaffenheit des einstigen Materials bleiben erhalten, es entstehen beispielsweise Leuchten aus Schallplatten oder Wandregale aus alten Schubladen.
Recycling-Stuhl von Piet Hein Eek

Recycling-Stuhl von Piet Hein Eek

Foto: Jonas von der Hude

Recycling als Designstil

Während bei vielen Recyclingmöbel-Herstellern der ökologische Aspekt im Vordergrund steht, kommt mancher Designer aus ästhetischen Gründen zu einem Recyclingmöbel. Piet Hein Eek beispielsweise, bekannter niederländischer Möbeldesigner, hatte weniger die Umwelt als vielmehr die faszinierende Oberfläche von wettergegerbtem Holz im Sinn, als er seine ersten Patchwork-Möbel entwarf. Eeks Recyclingmöbel haben es inzwischen in die internationalen Designshops geschafft.