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Porzellan-Designerin Barbara Schmidt

Ihre Entwürfe haben Kahla zu einem Marktführer in der Porzellan-Branche gemacht: Designerin Barbara Schmidt über verstaubte Ansichten und neue Lösungen.
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Mit der Erfolgsserie "Update" haben Sie Terrine und Kaffeekanne in den Keller verbannt. Warum ist multifunktionales Geschirr erfolgreich?

Ich schaue, was die Menschen brauchen. Sie sind heute mobil und flexibel – wie diese Form. Die Schale für Kaffee, Salat oder Müsli hat einen kleinen Teller, der auch Deckel sein kann.

Damit werfen Sie eine Menge Traditionen und Konventionen über Bord.

Viele verbinden mit Porzellan steifes Sitzen am Tisch – anstrengende Abende und ein in der Literatur oft gezeichnetes Bild. Die Beiläufigkeit des Essens, die Pizza am Rechner, der Kaffee unterwegs sind heute in allen sozialen Schichten verbreitet, schließen aber die Freude am schön gedeckten Tisch nicht aus. Wir lösen alte Strukturen auf und bieten neue, flexiblere an. Wir haben Kleinigkeiten verändert und geben so den Menschen ihre Selbstbestimmtheit zurück. Sie können sich aus dem Angebot etwas auswählen, was zu ihren Lebensumständen passt.

Erziehungsarbeit in Sachen Tischkultur?

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Wir erziehen nicht, wir machen Lust auf Porzellan. Die So-geht-Tischdecken-richtig-Moral ist total out. Die Leute sind selbstbewusst und suchen Ideen und Inspiration, nicht Belehrung.

50 % Kaolin, 25 % Quarz und 25 % Feldspat – fertig ist europäisches Hartporzellan; eigentlich kein Zauberwerk. Wo liegt das Geheimnis der Besonderheit?

Im Brand. Der eigentliche Zauber – das Weiß, der Klang, die Transluzenz – entsteht im Brennprozess bei 1.400 Grad, bei dem die natürlichen Materialien verschmelzen. Und in den Rohstoffen. Für gleichbleibende Qualität nutzen viele Firmen
Kaolinmischungen, denn der Rohstoff unterliegt Schwankungen. Mischt man z. B. fünf Kaolinsorten, heben sich die Schwankungen auf – wie bei einem Aktienfonds.

Warum soll ich 20 Euro für einen Teller ausgeben, wenn ich ihn für einen Euro aus Fernost bekommen kann?

Damit Sie ruhig schlafen können. Einen Teller, der einen Euro kostet, darf man nur auf dem Flohmarkt kaufen, sonst nirgends. Er kann nicht zu fairen Bedingungen hergestellt worden sein, weder was die Nachhaltigkeit noch die Qualität, noch die Arbeitsbedingungen betrifft. Bei Nahrungsmitteln und Mode entwickelt sich glücklicherweise ein Bewusstsein für Qualität und Herkunft. Auch wenn Porzellan heute leichter zu haben ist als früher, so ist es doch ein hochwertiges Material.

Kahla im Internet: www.kahlaporzellan.com

Das Interview führten wir im Oktober 2011.