Linoleum

Linoleum hat sich gerade in der Küche als pflegeleichter Bodenbelag bewährt.

Linoleum hat sich gerade in der Küche als pflegeleichter Bodenbelag bewährt.

Foto: Tilo

Linoleum ist umweltfreundlich, pflegeleicht und wird als natürlicher Bodenbelag immer beliebter. Hier erfahren Sie alles über Auswahl und Pflege.

In diesem Artikel:

  • Linoleum: Natürlicher Bodenbelag mit vielen Vorteilen
  • So entsteht das Naturmaterial Linoleum
  • Linoleum ist ökologisch und nachhaltig
  • Linoleum als Rollware oder Klick-Linoleum verlegen
  • Linoleum pflegen und reinigen
  • Vorteile von Linoleum gegenüber PVC
  • Linoleum bietet Vielfalt bei Farben und Mustern
  • Linoleum passt perfekt zu moderner Architektur
  • Die wichtigsten Linoleum-Hersteller

Linoleum: Natürlicher Bodenbelag mit vielen Vorteilen

Auch wenn man es ihm nicht auf den ersten Blick ansieht: Linoleum ist ein nachhaltiges, umweltfreundliches Naturmaterial, das als Bodenbelag viele Vorteile mitbringt. Linoleum ist strapazierfähig, bietet ein angenehm weiches Trittgefühl, ist robust und langlebig, verträgt sich gut mit Fußbodenheizungen und wirkt selbst an kalten Tagen fußwarm. Daneben ist das Naturprodukt von sich aus antistatisch, antibaktieriell, hygienisch und pflegeleicht.

Auch die Optik spricht für Linoleum: Kannte man den Bodenbelag früher nur in biederen, marmorierten Farbtönen, werden Linoleumböden heute in vielen Farben und Dekoren angeboten, die perfekt zu zeitgemäßen Interieurs passen.
Linoleum-Fliesen lassen sich spielend leicht als geometrisches Muster verlegen.

Linoleum-Fliesen lassen sich spielend leicht als geometrisches Muster verlegen.

Foto: Meister

So entsteht das Naturmaterial Linoleum

Den Bodenbelag Linoleum verdanken wir einem Zufall: In den 1860ern experimentierte Frederick Walton mit schnell trocknenden Farben. Dabei entdeckte er auf einer Dose eine feste, gummiartige Schicht aus oxidiertem Leinöl. Nach mehreren Versuchen und Zugabe weiterer Stoffe stellte er schließlich 1863 das erste Linoleum her. Dessen Name verweist auf das lateinische Wort für Leinöl, "oleum lini".

Neben Leinöl besteht Linoleum aus weiteren natürlichen Inhaltsstoffen: Holz- oder Korkmehl, gemahlenem Kalkstein, Naturharzen und Pigmenten. Als Trägermaterial dient Jute. Aufgrund seiner Strapazierfähigkeit war Linoleum bis in die 50er Jahre ein weit verbreiteter Bodenbelag. Doch mit dem Aufkommen des kostengünstigeren PVCs, des Teppichbodens und des Fertigparketts geriet Linoleum immer mehr in Vergessenheit.

Als in den 1980er Jahren das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung stieg, wurde das Naturprodukt Linoleum wieder attraktiv: Der umweltfreundliche und kompostierbare Bodenbelag traf genau den Nerv der Zeit. Seit einigen Jahren erlebt Linoleum nun erneut ein Comeback als zeitlos schlichter, natürlicher und hochwertiger Bodenbelag.

Linoleum ist ökologisch und nachhaltig

Das Linoleum von heute hat mehr zu bieten als sein Vorgänger. Wurde dieser mit der Zeit spröde und hart, bleibt das moderne Linoleum elastisch, hat eine hohe Lebensdauer und verfügt über ein angenehmes Trittgefühl. Das Material ist weich und warm. Musste man früher Linoleum hin und wieder wachsen, bleibt einem das heute erspart - einer zusätzlich aufgetragenen Schutzschicht sei dank.

In streng ökologisch hergestelltem Linoleum findet sich kein Mehl aus tropischen Hölzern. Stattdessen darf hier nur Holzmehl aus kontrolliert bewirtschafteten Wäldern der nördlichen und gemäßigten Regionen verwendet werden. Außerdem enthalten die Pigmente keinerlei Schwermetalle und alle Inhaltsstoffe müssen biologisch abbaubar sein.
Linoleum wird aus den natürlichen Rohstoffen Leinöl, Korkmehl und Jute gefertigt.

Linoleum wird aus den natürlichen Rohstoffen Leinöl, Korkmehl und Jute gefertigt.

Foto: Tarkett

Linoleum verlegen als Rollware oder Klick-Linoleum

Wer sich für einen Linoleum-Boden interessiert, hat beim Verlegen verschiedene Möglichkeiten: Zum einen wird Linoleum als Meterware produziert und kann vom Fachmann vollverklebt verlegt werden. Damit keine Feuchtigkeit in das Naturmaterial eindringen kann, müssen die Fugen extra versiegelt werden. Sonst würde sich das Linoleum verziehen und wellig werden.

Daneben sind Linoleum-Fliesen und Linoleum-Dielen auf dem Markt. Ähnlich wie beim Klick-Laminat können die einzelnen Elemente zusammengesteckt und das Linoleum schwimmend verlegt werden. Bei diesem Verlegesystem sitzt eine Schicht aus Linoleum auf einer Holzfaserträgerplatte, eine Korkschicht dient als Trittschalldämmung. Auf diese Weise lässt sich ein Linoleumboden im Handumdrehen in Eigenregie verlegen.
Linoleum pflegen und reinigen

  • Während Linoleum früher regelmäßig gewachst werden musste, wird der Bodenbelag heute mit einer speziellen Beschichtung versehen, die das Material noch pflegeleichter macht. Nachwachsen muss man einen Linoleumboden daher nur noch in Ausnahmefällen.
  • Zur Reinigung genügt es, den Linoleumboden nebelfeucht zu wischen – wer Reinigungsmittel verwenden will, greift am besten zu speziellen Linoleumreinigern, die im Fachhandel erhältlich sind.
  • In jedem Fall ist es ratsam, die Bestimmungen des Herstellers genau zu lesen.

Vorteile von Linoleum gegenüber PVC

Bodenbeläge aus PVC sind beliebt, da sie sehr preiswert, pflegeleicht und einfach zu verlegen sind. Ihre Umweltbilanz fällt gegenüber Linoleum allerdings nicht gerade vorteilhaft aus: Sie sind aus Kunststoff gefertigt, über dessen Zusammensetzung man gerade bei günstigen PVC-Böden oft keine Details erfährt. Die Zeitschrift "Öko-Test" hat in PVC-Böden teilweise gesundheitsschädliche Weichmacher nachgewiesen, die durch Abrieb und Ausdünstung in die Luft gelangen können.

Gerade unter Gesundheits-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten hat Linoleum daher gegenüber Kunststoffböden die Nase vorn. Und auch in Sachen Pflegeleichtigkeit hat das Naturmaterial längst zu seinen Kunststoff-Konkurrenten aufgeschlossen.

Als aufwändig gefertigtes Naturmaterial ist Linoleum allerdings etwas teurer als PVC- oder Vinylboden. Als Bahnware von der Rolle wird Linoleum für ca. 19 bis 45 Euro pro m² angeboten, Linoleumfliesen oder -dielen kosten ca. 40 bis 50 Euro pro m². Der Gewinn fürs Wohnklima, die lange Haltbarkeit und der Umweltaspekt machen den höheren Preis jedoch mehr als wett.

Linoleum bietet Vielfalt bei Farben und Mustern

Linoleum kann in zahlreichen Dekoren, Mustern und Marmorierungen eingefärbt werden. Während das klassische Linoleum der 50er, 60er Jahre meist meist beige, grau, blau oder rot eingefärbt und marmoriert war, haben in den letzten Jahren kräftige Farbtöne und ungewöhnliche Dekore das Angebot erweitert – selbst Linoleum in Holzoptik wird inzwischen in überzeugender Qualität gefertigt.

Um mit Linoleum ausdrucksstarke Böden zu gestalten, wird heute gerne auf eine Technik zurückgegriffen, die schon zu Anfang der Linoleumproduktion im 19. Jahrhundert beliebt war: Linoleum in unterschiedlichen Farbtönen wird zugeschnitten und zu Farbflächen oder geometrischen Mustern kombiniert. Besonders einfach lässt sich diese Technik mit Linoleumfliesen verwirklichen, zum Beispiel als klassisches Schachbrettmuster in Schwarz-Weiß. Wer sich für ein Klicksystem aus Fliesen oder Dielen aus Linoleum entscheidet, hat bei der Gestaltung des Bodens daher besonders viele Möglichkeiten.
Linoleum passt perfekt zu klassisch moderner Architektur – so wie hier im Haus "Rio Marie" des Architekten Oskar Niemeyer in Berlin.

Linoleum passt perfekt zu klassisch moderner Architektur – so wie hier im Haus "Rio Marie" des Architekten Oskar Niemeyer in Berlin.

Foto: Apartment Rio Marie; roombergs.de

Linoleum passt perfekt zu moderner Architektur

Gerade im Zusammenspiel mit zeitgenössischer Architektur wird Linoleum als Bodenbelag im Wohnraum immer beliebter. Der Grund: Linoleum ist der klassische Bodenbelag der Bauhaus-Moderne der 20er Jahre. Legendäre Architekten wie Mies van der Rohe oder Le Corbusier statteten ihre Wohnbauten mit einfarbigem Linoleum in leuchtenden Farben aus, denn das industriell gefertigte Material galt damals als fortschrittlich und modern – und schließlich ergänzten Linoleumböden als große, einfarbige Farbflächen die schlichten Formen der Architektur auf ideale Weise.

Nicht zuletzt aus diesem Grund haben zeitgenössische Architekten, die sich an der klassisch modernen Formensprache orientieren, Linoleum als authentischen Bodenbelag wiederentdeckt und statten ihre Wohnbauten mit Linoleumböden aus, meist in kräftigen Farben oder Grautönen ganz ohne Mamorierung.
Autor: Johannes Hünig

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