Streichen

Neuer Look gefällig? Dann streichen Sie Ihre Wände und frischen damit Ihr Zuhause auf. Wir zeigen wie's geht, was es zu beachten gibt und geben jede Menge Inspiration.

Irgendwann muss jeder einmal streichen. Sei es, um die vorhandene Wandfarbe aufzufrischen, im Zuge von Renovierungsarbeiten oder beim Umzug in eine andere Wohnung. Klar, Streichen macht Arbeit, doch mit ein wenig Aufwand lässt sich so ein ganz frischer Look und eine besondere Atmosphäre kreieren. Ein neuer Anstrich, eine andere Farbe und schon erscheint die Wohnung in neuem Glanz.
Vorbereitungen fürs Streichen
Foto: Ilona Habben
Farbverbrauch berechnen:
Je nach Farbe ist der Verbrauch unterschiedlich. Auf den Farbeimern wird in der Regel der Farbverbrauch in ml/m² angegeben. Um den Anstrich besser planen zu können, messen Sie vor dem Farbkauf die zu streichende Fläche und überschlagen den etwaigen Bedarf an Farbe. Berücksichtigen Sie auch einen zweiten Anstrich und diverse Ausbesserungsarbeiten.

Abkleben:
Bevor es mit dem Streichen los geht, sollten Sie unbedingt den Boden, Steckdosen, Fenster, Türen und Möbel mit einer Folie abdecken, denn so bleiben sie vor Farbklecksen und Spritzern verschont. Kleben Sie außerdem die Ränder der zu streichenden Fläche mit Malerkrepp ab. Das erleichtert Ihnen das Streichen, denn auf diese Weise müssen Sie weniger aufpassen, dass Sie benachbarte Wand- oder Deckenflächen nicht ungewollt mit Farbe beschmieren. Außerdem haben Sie nach dem Abziehen des Kreppbands saubere und gerade Kanten.

Untergrund vorbehandeln:
Die zu streichenden Wände und Decken müssen trocken, sauber und tragfähig sein. Feine Risse sollten vor Beginn der Arbeiten sorgfältig aufgekratzt, ausgebürstet und verfüllt werden. Unterschiedliche Untergründe sollten Sie ebenfalls ausgleichen - der Fachmann nennt das "egalisieren" - ,indem Sie beispielsweise eine Grundierung auftragen.

Tapeten:
Viele Tapeten lassen sich ohne Vorbehandlung überstreichen, doch bei einigen Struktur-, Foto- oder beschädigten Tapeten kann es sein, dass die neue Farbe nicht gleichmäßig haftet, daher sollten diese Tapeten vor dem Streichen entfernt werden. Hierzu können Sie versuchen, die Tapete abzuziehen. Wenn das nicht möglich ist, dann perforieren Sie die Tapete mit einer Stachelwalze, bringen Tapetenlöser oder heißes Spühlmittelwasser mit einem Quast auf, lassen alles ca. 15 Minuten einwirken und schaben die Tapete mit einem Spachtel am. Alternativ kann man sich in vielen Baumärkten auch spezielle Wasserdampf-Geräte fürs Entfernen von Tapeten ausleihen.

Wandtattoos:
Bleiben die Tattoos an der Wand, sind sie nach dem Streichen immer noch als Relief sichtbar. Darum heißt es auch hier: Runter damit! Klappt das nicht, lassen sie sich auf die gleiche Weise wie Tapeten entfernen.

Putze:
Wenn Sie verputzte Flächen streichen möchten, dann tragen Sie zunächst Putzgrund, auch Tiefengrund genannt, als Grundierung auf. Putz ist ein stark und ungleichmäßig saugender Untergrund. Wird er direkt mit einer Innendispersionsfarbe gestrichen, wird ein Teil des Bindemittels aufgesaugt und reduziert damit die Festigkeit des Anstriches. Das kann sofort oder bei erneutem Streichen zu Rissen und Abplatzungen führen.

Latexfarben:
Eine glänzende Latexfarbe lässt sich mit Farben in gleicher Qualität überstreichen.

Leimfarben:
Leimfarben sind Anstriche, die aus Leim als Bindemittel und Wasser als Lösungsmittel bestehen. Sie sind besonders umwelt- und gesundheitsfreundlich und sorgen für ein angenehmes Raumklima. Sie können jedoch nur mit Leimfarben überstrichen werden. Soll es eine andere Farbe sein, dann lassen sie sich mit reichlich warmem Wasser von der Wand waschen.

Wasser- und Rostflecken:
Sind an Wand oder Decke Wasser- oder Rostflecken zu sehen, sollten sie zunächst mit einer Isolierfarbe vorgestrichen werden. Ist die trocken, kann die endgültige Farbe aufgetragen werden.

Schimmel:
Wer Schimmel überstreichen möchte, der muss zunächst die befallene Stelle behandeln und den Schimmel entfernen. Dafür eignen sich spezielle Anti-Schimmel-Mittel aus dem Baumarkt oder eine selbst angerührte Wasser-Essig-Mischung im Verhältnis 3:1. Tragen Sie in jedem Fall Handschuhe und einen Mundschutz. Wenn vorhanden, entfernen Sie zunächst großzügig die Tapete an der betroffenen Stelle und tragen dann die Mittel und Mischung mit einem Pinsel oder Schwamm auf. Gut trocknen lassen und die Prozedur gegebenenfalls wiederholen. Danach können Sie Ihre Wunschfarbe streichen. Für die Zukunft: Sorgen Sie für ausreichend Frischluft, indem Sie zweimal am Tag für mindestens 15 Minuten stoßlüften. Nur die Fenster zu kippen reicht bei modernen, absolut dichten Fenstern nicht aus.

Erst Decke, dann Wände streichen:
Wenn Sie sowohl Wänden als auch der Decke einen neuen Anstrich verleihen möchten, dann sollten Sie immer mit der Decke beginnen. Auf diese Weise landen keine Farbflecken auf den frisch getünchten Wänden und machen die Arbeit der vergangenen Stunden zunichte.

Handwerkszeug und Farbqualitäten
Foto: Jonas von der Hude
Rollen:
Für große Flächen bietet sich eine Farb- oder Malerrolle an. Diese Rollen sind mit Lammfell, Polyester, Velours oder Schaumstoff bezogen, was für einen gleichmäßigen Farbauftrag sorgt. Die Griffe der Farbrollen sind in der Regel so konzipiert, dass man sie auf eine Teleskopstange montieren kann. So lassen sich hohe Räume und Decken ohne Leiter streichen.

Pinsel:
Kleinere Flächen hingegen, wie zum Beispiel an Fensterrahmen, Rändern oder an Heizkörpern, sollte man mit einem Pinsel streichen. Diese können entweder rund, flach oder gefächert sein: Weil runde Pinsel mehr Farbe aufnehmen, kann man mit ihnen größere Flächen streichen. Flache Pinsel hingegen eignen sich eher für schmale Ecken und schlecht zu erreichende Stellen. Mit fächerförmigen Pinseln lässt sich Farbe besonders gut mischen und dünn auftragen.

Farben:
Farbe ist nicht gleich Farbe, denn es gibt unterschiedliche Qualitäten. Dispersionsfarben sind die meist verwendeten Anstriche, denn sie lassen sich problemlos abtönen, mischen und wieder überstreichen. Alternativ gibt es noch Latex-, Silikat- und Leimfarben. Alle Farben unterscheiden sich in ihren unterschiedlichen Löse- und Bindemitteln und in diversen Zusatzstoffen.

Lacke:
Bei Lacken unterscheidet man zwei verschiedene Technologien: wasserbasierte und lösemittelbasierte Systeme. Zu den wasserbasierten Lacksystemen gehören insbesondere die Acryllacke. Mit den lösemittelhaltigen Systemen sind die klassischen Lacksysteme, die Kunstharzlacke (Alkylharzlacke) gemeint. Diese gibt es entweder matt, seidenglänzend oder hochglänzend. Sie sind in der Regel abwischbar und mit der gleichen Qualität wieder überstreichbar. Wer sicher gehen möchte, der schleift die Lackschicht ab oder trägt vor dem Neuanstrich eine passenden Grundierung auf.

Richtig Streichen - so geht's:
Foto: SCHÖNER WOHNEN
Zuerst streichen Sie mit einem Flachpinsel oder einer kleinen Rolle alle Ränder, Ecken und Kanten vor. Dafür genügt ein etwa 5 cm breiter Streifen. Lichtschalter, Tür und Fensterrahmen nicht vergessen! Achten Sie darauf, dass diese Flächen noch nass sind, wenn Sie anschließend die gesamte Fläche streichen - der Fachmann nennt das "Nass in Nass arbeiten". Hier tragen Sie mit einer Rolle die Farbe bahnenweise und im Kreuzgang auf, so dass die Farbe gleichmäßig deckt. Streichen Sie mit dem Lichteinfall, das heißt weg vom Fenster.

Sind Sie mit der Wand fertig, geht es daran, Unregelmäßigkeiten und kleine Patzer auszugleichen und Spritzer wegzuwischen. Ist das Ergebnis nicht gleichmäßig genug, wiederholen Sie den Vorgang in einem zweiten Anstrich. Sorgen Sie spätestens jetzt für eine ordentliche Belüftung und einen guten Durchzug. So trocknet die Farbe schneller und die Farbdämpfe verschwinden aus der Wohnung.

Kleiner Tipp am Schluss: Bewahren Sie die Farbbezeichnung Ihrer Wandfarbe gut auf. So wissen Sie bei Ausbesser- oder erneuten Streicharbeiten ganz genau, welchen Farbton Sie an der Wand haben und können ihn problemlos im Baumarkt nachkaufen.

Inspiration rund um Farbe und Wandgestaltung:
Autor: Antonia Michael

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