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Tobias Grau

Eine strahlende und sehr persönliche Erfolgsgeschichte: Tobias Grau verkauft nur Tobias Grau – atmosphärische Leuchten, selbst entworfen, selbst vermarktet...
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Ist es für einen Designer leichter, wenn er sein eigener Firmenchef ist?

Natürlich ist die Freiheit des Arbeitens sehr groß. Aber beim Designprozess hilft Ihnen das nicht unbedingt. Bei mir ist es so, dass ich nichts zeichnen kann, was ich nicht zuerst im Kopf habe; das ist die schwierigste und, wenn ich ehrlich bin, nicht nur angenehme Phase, auch voller Zweifel wie in jedem kreativen Prozess. Der große Vorteil unserer Firma liegt eher in der Chance, eine sichtbare Linie zu entwickeln und auch durchzuhalten. Eine Leuchte wie "George" hat sieben Jahre gebraucht, bis sie akzeptiert wurde, heute ist sie einer unserer großen Bringer. Bei einer anderen dauerte es fünf Jahre, sie war kurz davor, zum Flop zu werden, und nur meine Frau hat immer gesagt: Durchhalten, die kommt noch! So viel Geduld leisten sich große Firmen eher nicht.

Ihre Firma trägt Ihren Namen, die Geschäftsführung teilen Sie sich mit Ihrer Frau – wie kann man sich das vorstellen?

Zusammen sind wir die DNS von "Tobias Grau", Franziska lenkt überwiegend die kaufmännischen Bereiche und ist beim Design mein erster Kritiker und wichtigster Spiegel; so wichtig, dass ich meine Skizzen fast im verdeckten Bereich mache und mir genau überlege, wann etwas stark genug ist, um es ihr zum ersten Mal zu zeigen..

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Ist Licht für Sie eher ein traditionelles oder ein avantgardistisches Thema?

Ich selbst kann und will nur nach vorn sehen und auch so entwerfen. Mein Zeitfenster ist heute, Nostalgie ist nicht meine Sache, Science-Fiction aber auch nicht. Wenn ich überlege, wie ich arbeite, dann scheint mir das eigentlich der Mode viel ähnlicher zu sein als dem Industriedesign. Der Begriff "Mode" ist für mich superpositiv. Nicht im moralischen Sinne, ob es jetzt wichtig ist, schön gekleidet zu sein, sondern im Sinne von: Es gibt doch eigentlich überhaupt nichts Zeitloses, und ich kann nichts Besseres tun, als meine Zeit auszudrücken. Auch Charles Eames war nicht zeitlos, er war nur so gut, dass seine Ideen ein bisschen länger überleben. Wenn ein Teil keinen modischen Sex-Appeal hat, wenn es nicht mit dem Lebensgefühl seiner Zeit verbunden ist, dann ist es so gut wie gar nicht da. Das Besondere und das Schöne beim Licht ist, dass es quasi keinen Stillstand gibt, es geht immer weiter.

Welche neue Technik wird das Licht am stärksten verändern?

Die großen Entwicklungen passieren beim Kunststoff. Wenn der Schmelzpunkt weiter nach oben geht, kann man als Designer spannende Sachen machen, weil das Material nicht mehr die Form begrenzt. Das Zweite sind die Leuchtmittel. Sie können für den Wohnraum keine Leuchte herausbringen, wenn die Lichtqualität nicht top ist; entscheidend ist die Farbwiedergabe, zum Beispiel bei der Brillanz von Haut, daran mangelt es heute noch bei vielen existierenden LED-Leuchten. Wir haben jetzt aber von der Industrie eine weiterentwickelte Platine bekommen, wo ich sage: Jetzt geht’s! Das hat mir zum Beispiel die Leuchtenform eines grazilen, fallenden Tropfens ermöglicht, was mit konventioneller Technik nicht gegangen wäre.

Wann wird es Dinge wie die leuchtende Tapete geben?

Möchten Sie denn so etwas? In dem Sinne bin ich weder Avantgardist noch Revolutionär, sondern schätze den historisch gewachsenen Raum. Virtualität empfinde ich im Wohnen nicht als Gewinn, auch nicht farblich wechselndes Licht; vielleicht gerade noch in einem Hotel, aber nicht im Wohnen, da sollte man ein bisschen geerdet bleiben. Dass man Licht dimmen kann, ist toll, aber ich will keine Bildschirmsteuerung, um den Toaster
einzuschalten..

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Dann umgekehrt ein Blick zurück: Stimmt die Legende, dass Sie den Startschub für Ihre Firma einer einzigen Leuchte verdanken?

Ja, man kann sagen, "Tai" habe praktisch die Firma aufgebaut. Kein anderer Designer hat damals noch Bronze verwendet; auch dass sie relativ teuer war, hat niemanden gestört. "Tai" hat mit ihrer haptischen, skulpturalen Wirkung fast schon unheimlich den Nerv der Zeit getroffen und ging ab wie eine Rakete; sie ist jetzt 20 Jahre alt und verkauft sich immer noch. Ein Grund ist, glaube ich, dass es nicht so viele Leuchten gibt, die modern sind und sich dennoch in vorhandene, auch klassische Umgebungen einpassen.

Ohne den Erfolg der "Tai"...

...wäre alles sehr viel langsamer gewesen, aber nicht sehr viel anders. Ich hätte gar nicht anders gekonnt.

Zur Person

Der Firmengründer lernte das Designhandwerk in den USA und begann in seiner Heimatstadt Hamburg mit Shop-Ausstattungen. Der Erfolg kam mit eigenen Leuchten. Ehefrau Franziska ist Co-Geschäftsführerin; Familie Grau hat vier Kinder.

Tobias Grau

Das Unternehmen ist als Marke im Lichtbereich eines der wenigen deutschen mit internationaler Ausstrahlung: Aus Hamburg gehen Exporte in 40 Länder. Eigene Flagshipstores gibt es in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln und Stuttgart.

Tobias Grau im Internet:www.tobias-grau.com

Das Interview wurde im Januar 2009 geführt.