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Leo Lübke von Interlübke und Cor

Alle Branchen klagen. Alle? Nein, tief in Westfalen glaubt Leo Lübke an deutsche Qualität und Mentalität – und investiert Millionen in den heimischen Standort.
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Sie haben gerade für gut fünf Millionen Euro einen Super-Showroom ausgebaut. Woher nehmen sie so viel Zuversicht in Zeiten schlechter Nachrichten?

Wenn wir es jetzt nicht gemacht hätten: Woher soll denn wieder ein Aufschwung kommen, wenn nicht aus solchen Engagements? Den Plan zum Ausbau gab es schon längere Zeit und wenn man dann dunkle Gewitterwolken am Horizont sieht, während man mitten dabei ist, denkt man natürlich schon mal: oh weia – und manche sagen auch: Spinnt ihr?! Auf der anderen Seite war es aber natürlich goldrichtig, gerade jetzt ein Zeichen zu setzen. Alles, was wir tun, ist langfristig angelegt – auch das ein Vermächtnis meines Vaters. Im Innenhof haben wir Redezitate in seiner Handschrift in Stahl gefräst: "Begeistern wir durch Begeisterung" – von dieser Haltung und seinem Optimismus hätte ich gerne noch mehr geerbt..

Eine Verlagerung der Produktion an billigere Standorte war nie ein Thema?

Wir hätten uns selbst verleugnet. Wir sind zwar auch gute Vertriebsleute – aber die Innovationen kommen aus dem Produkt selbst, und wenn wir Premium sein wollen, können wir das nur gewährleisten, wenn wir darauf auch direkt vor unserer Haustür Einfluss nehmen können. Unsere Kunden sind anspruchsvoll, und es darf bei uns kein Problem sein, mal eben schnell etwas zu ändern: Dieses flexible Reagieren ist unsere Stärke. Außerdem: Wir haben doch das Glück, dass Deutschland nach wie vor der stärkste Möbelmarkt der Welt ist. China und andere Regionen wachsen und zunehmende Exporte sind auch für uns wichtig, aber Deutschland bleibt Wohnweltmeister, die Pro-Kopf-Ausgaben für Möbel sind hier mit Abstand immer noch am höchsten. Also muss ich doch auch hier im Heimatmarkt stark sein und darf ihn nicht preisgeben.

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Nach dem plözlichen Tod Ihres Vaters mussten Sie außer Cor sehr schnell auch die Interlübke-Geschäftsführung übernehmen – ist der große Doppel-Showroom der erste Schritt zu einer Vereinigung beider Marken?

Im Verwaltungsbereich versuchen wir, Synergieeffekte zu nutzen. Aber die Marken bleiben absolut eigenständig – sie ergänzen sich natürlich wunderbar. Unser Zwei-Marken-Haus soll uns da auch ganz neue Möglichkeiten der Präsentation geben, auch für fachliche oder kulturelle Events, die für eine Marke allein vielleicht zu groß wären. Endkunden, die Inspiration suchen, sind uns genauso willkommen wie Architekten und Objekteinrichter, denn wir müssen uns natürlich schon überlegen, an wen wir in Zeiten sinkender Bevölkerungszahlen unsere schönen Möbel verkaufen können.

Stimmt es eigentlich, dass die kleinere Polstermarke Cor der großen Schwester Interlübke über eine Durststrecke hinweggeholfen hat?

Es war vor allem mein Vater und sein persönlicher Einsatz. Interlübke war ja immer die über allem stehende strahlende Marke – was durchaus auch ein Fluch sein kann, wenn man meint, der Erfolg stehe einem quasi automatisch und ewig zu. Cor war kleiner, ist langsam, aber stetig und sehr stabil gewachsen und konnte so mithelfen, als es Interlübke in den Neunzigern schwer hatte. Heute profitieren beide voneinander – auf Augenhöhe.

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Gibt es so etwas wie ästhetische Synergien?

Wie gesagt: Die Marken bleiben eigenständig. Aber man kann generell natürlich fragen, warum bei Polstermöbeln und Kastenmöbeln – ein furchtbares Wort übrigens, ich spreche lieber von architektonischen Möbeln – warum da diese Trennungen vorherrschen. Es hat ja in den Siebzigern auch Möbel gegeben, die beides waren, etwa eine Couch mit Stauraum im Rücken. Und so kann man überlegen: Warum nicht auch ein Regal zum Sitzen? So wird jetzt bei uns zum Beispiel ein Schrank kommen, der stoff- oder lederbespannt ist, da preschen wir ein bisschen vor. Im Schlafzimmer hat es so etwas schon immer gegeben, aber im Wohnraum eher nicht. Das finde ich auch akustisch und haptisch spannend, es hat eine ganz neue Emotionalität.

Schlechtere Zeiten – mehr Dekor?

Die Lust am Ornament spürt man ja überall – die Frage ist, wie man’s richtig macht. Die Dinge nur anzuhübschen oder überall große Blumen draufzudrucken, das empfinde ich fast als Kitsch. Es darf nicht wahllos und modisch sein. Aber wenn es handwerklichen Tiefgang hat, wenn es zum Beispiel den Reichtum der Form betont, dann geht es. Dass es poetischer wird, sehe ich eher in der Rauminszenierung – im Möbel selbst halten wir uns bewusst zurück. Unsere Kunden kaufen ihr Sofa als Lebensbegleiter für die nächsten 20 bis 30 Jahre. Wohnen drückt Persönlichkeit aus und die wechselt man auch nicht nach jeder Modeströmung..

Zur Person

Leo Lübke ist Möbler der 3. Generation. Der Großvater gründete Interlübke, der Vater Cor. Nach Bankausbildung und Designstudium übernahm er zunächst Cor – und früher als geplant beide Firmen, als sein Vater Helmut Lübke bei einer Bergtour in Afrika starb.

Cor und Interlübke

Cor und Interlübke gehören zur Top-Liga der auch international renommierten deutschen Möbelmarken – wirtschaftliche Leuchttürme der Region Ostwestfalen. Familiäres Bekenntnis zum Standort: ein spektakulärer neuer Showroom in Rheda-Wiedenbrück.

Das Interview wurde im Februar 2009 geführt.

Video-Interview mit Leo Lübke (imm cologne 2009)