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Coralie Claeys von Vincent Sheppard

Loom-Chairs aus Papier und Draht waren die Favoriten der 20er und 90er Jahre. Firmen wie Vincent Sheppard setzen auf einen neuen, dritten Boom.
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Sie wollen Loom als Design verkaufen – steht es nicht eher für das Gegenteil, für Tradition und Gemütlichkeit?

Was glauben Sie, warum Hotels und Restaurants Loom so sehr lieben? Wegen genau dieser Eigenschaften – nur nennen sie sie anders, nämlich "Atmosphäre" oder "Ambiente". Diese Wirkung funktioniert in öffentlichen Räumen genauso wie zu Hause: Sie finden kein anderes Material, mit dem Sie einem an sich kühlen Raum so leicht und übrigens auch so preiswert eine intime, wärmere Stimmung geben können. Nur: Man darf natürlich nicht zum Museum seiner selbst werden, deshalb versuchen wir, uns immer wieder neu zu erfinden und neue Facetten des Materials auszureizen; nicht viel anders übrigens als seinerzeit die ursprünglichen Erfinder.

Eigentlich war Loom doch nur ein Ersatzmaterial für Rattan...

...und die erste Anwendung fand es für Seitenwände von Kinderwagen. Aber die Erfinder waren kluge Leute und in vielem Pioniere – sie haben nicht nur in die Technik, sondern auch sehr viel in internationale Werbung investiert und das Gewebe aus Papier und Metall sehr populär gemacht.

Loom war das Dedon der Zwanziger?

Ja, so kann man das sehen, vielleicht war es sogar revolutionärer. Überlegen Sie: Papier und Metall auf einem Webstuhl zu verbinden und Möbel quasi auf Papier aufzubauen, dafür gab es absolut kein Vorbild. Es war das elegante Modematerial der zwanziger und dreißiger Jahre und erst der Krieg machte dem ein Ende. Mit dem Plastikboom danach war’s erst mal vorbei – bis zur Wiederentdeckung in den Jahren des Country-Stils. Die schreiben wir uns zum großen Teilen auf unsere Fahnen, denn vor allen waren wir es, die Loom-Chairs am Esstisch populär gemacht haben. Früher standen diese Möbel ja meist nur in den Wintergärten.

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Und jetzt wird alles bunt?

Farben machen Loom jedenfalls leichter, frischer und jünger, vielleicht auch etwas modischer. Ich glaube ohnehin,dass man Interieur heute als ganz selbstverständlichen Teil von Mode und Lifestyle wahrnimmt. Deshalb experimentieren wir viel mit Farben, aber auch mit Materialmix, so wie es die Mode ja auch tut. Manchen Anhängern des traditionellen Loom-Looks gefällt das nicht so sehr – das bestärkt und bestätigt uns aber eher, dass wir in die richtige Richtung gehen, denn mit unseren Stühlen mit Metallgestellen etwa erreichen wir eine Klientel, der Loom früher vielleicht zu lieblich oder zu nostalgisch war. Außer Metall kann ich mir auch noch ganz andere Materialkombinationen vorstellen, etwa mit Leder oder mit besonderen Stoffen.

Das Design kommt aus der Familie, von Ihrem Bruder – ein Vorteil?

Ein extremes Plus, denn man muss das Material sehr genau kennen. Es gibt bei Loom zwei Eigenheiten, mit denen sich Designer unglaublich schwertun: Wegen der besonderen Herstellung auf einem Webstuhl erreichen Sie nur sehr eingeschränkt dreidimensionale Formen. Und ein Problem ist die Befestigung am Rahmen, hier brauchen Sie immer eine Art Zopfleiste zum Abdecken. Das hat leider noch keiner irgendwie lässiger lösen können.

Sie bieten jetzt auch Outdoor-Loom-Versionen. Sitzt man da nicht mehr auf Lack als noch auf Papier?

Nein, es ist wirklich immer noch Papier, wir haben es nur durch besondere Behandlung fit für draußen gemacht, das müssen wir, sonst schimmelt es irgendwann. Aber dass Sie auf Papier sitzen, ist ja gerade das besondere Erlebnis bei Loom, und das gilt ganz besonders bei heißem Wetter. Es fühlt sich sehr angenehm an. Deshalb glauben wir auch: Eine der großen Zukunftschancen von Loom-Möbeln liegt draußen..

Zur Person

Coralie Claeys übernahm zusammen mit ihrem Bruder, einem Designer, die traditionelle Loom-Firma "Vincent Sheppard" aus dem belgischen Spiere (bei Kortrijk).Mit neuen, frischen Ideen schaffte sie in wenigen Jahren eine Umsatzverdoppelung.

Vincent Sheppard gilt heute sowohl als einer der potentesten Traditionsbewahrer der klassischen Loom-Idee wie auch als einer der kreativsten Erneuerer. Eigene Fertigungsstätten sind in Indonesien, Ungarn und in Belgien.

Vincent Sheppard im Internet: www.vincentsheppard.com

Das Interview wurde im Juli 2009 geführt.