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Alice Stümcke von de Sede

Alice Stümcke, Chefin des Luxus-Lederspezialisten de Sede, über ganzheitliche Perspektiven, modische Einflüsse und reizvolle Entdeckungen.
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Sie kommen als Seiteneinsteigerin in die Wohnbranche – was hat Sie am meisten überrascht?

Ich war erstaunt, wie kleinteilig und individuell die Szene des Möbelhandels aussieht. Das hat Vor- und Nachteile, aber so was finden Sie in anderen Branchen kaum noch. Noch mehr hat mich aber gewundert, wie wenige Frauen es in den Firmenleitungen gibt – in einer Branche, die sich so stark an Frauen wendet. Sicher, es gibt Designerinnen. Aber es gibt immer noch sehr, sehr wenige Frauen, die maßgeblich entscheiden, was auf den Markt kommt. Das ist wohl historisch bedingt, weil viele Möbelfirmen ursprünglich reine Handwerksbetriebe waren. Ich versuche, bei weichenstellenden Fragen zunehmend Frauen in der Diskussion dabeizuhaben und inzwischen sind auch fast die Hälfte meiner direkten Mitarbeiter Frauen.

Sehen Frauen denn Möbel anders als Männer?

Ja, das tun sie; nicht in Richtung verspielter Formen oder Muster, sondern in Fragen des Umganges mit einem Möbel, mit seiner Wirkung im Raum, mit seiner Haptik und Materialität. Das sind Themen, für die sich Frauen viel mehr interessieren. Technik ist für sie kein Selbstzweck, sie haben auch immer den Nutzen und das Benutzen im Blick. Und sie haben auch eine eigene Auffassung von Bequemlichkeit, Frauen sitzen ganz anders als Männer – nämlich meist sehr viel mehr zurückgelehnt. Ein exzellentes Sofa zum Beispiel sollte das berücksichtigen – und viele tun es nicht.

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Ist nicht Leder auch eher ein Männer-Material?

Nicht zwangsläufig, es kommt sehr auf die Art und die Verarbeitung an. Nehmen Sie etwa die wunderschönen handschmeichlerischen Leder bei Handtaschen oder Schuhen, da finden Sie schon sehr feminine Effekte. Ich will das gar nicht gegeneinander ausspielen. Wir haben viele Männer als Kunden und die schätzen oft die klassischen Farben Schwarz, Rot oder Weiß – und alles gerne sehr fest verarbeitet. Unsere meisten Neuerungen gehen im Moment aber in die andere Richtung – zum Beispiel mit einem besonders naturbelassenen Nappaleder, das wir "Naturale" nennen und das ein sehr eigenes sensuelles Erlebnis ermöglicht. Auch in den Farben werden wir softer, vielleicht sogar ein bisschen modischer. Ich kann mir auch neue Kombinationen vorstellen, etwa Leder und Stoff. Hier sehe ich die interessantesten Innovationsfelder – in den Materialien und in den Farbwelten, weniger in den Formen. Sessel und Sofa kann und muss man nicht jedes Jahr neu erfinden.

Lieber entdecken Sie Entwürfe aus dem Archiv wieder?

Andere Firmen beneiden uns darum, dass wir solch eine Geschichte haben. Einige Modelle sind durchgängig über drei oder vier Jahrzehnte lieferbar und stehen bei Mick Jagger genauso wie bei Franz Beckenbauer oder Will Smith. Und dann entdeckt man im Archiv Entwürfe aus den Sechzigern oder Siebzigern, die aussehen, als seien sie von heute – mit einer extremen Lässigkeit, als noch keiner von "Lounging" sprach. Gerade war Robert Haussmann bei uns und wir diskutieren, wie wir einige seiner Entwürfe aus den Sechzigern in die Neuzeit bringen.

Haussmann ist fast 80 Jahre alt ...

...und hat noch sehr faszinierende Ideen. Aber keine Sorge, wir sprechen auch mit jüngeren Designern, die ich noch nicht nennen will. Wir diskutieren noch, wer gut zu uns passt. Unsere wichtigsten Themen heißen Eleganz, Komfort, technische Raffinesse und handwerkliche High-Class-Qualität. Wir wollen keine Designinnovationen um jeden Preis, das überlassen wir gerne den Italienern. Bei uns soll man sicher sein, bequem zu sitzen.

Zur Person

Alice Stümcke leitet seit gut einem Jahr die Schweizer de Sede-Gruppe. Die Marketing-Frau und Unternehmensberaterin gilt heute als eine der eidgenössischen Vorzeige-Managerinnen. Frühere Karrierestationen führten sie in die Papier- und Werbebranche.

de Sede

de Sede aus dem nordschweizerischen Klingnau baut seinen internationalen Ruf als High-Class-Polstermöbler vor allem auf die Kompetenz in Leder. Exportquote: 90 Prozent. Finanziell und organisatorisch gehört auch Machalke zu de Sede.

de Sede im Internet: www.desede.ch

Das Interview wurde im August 2009 geführt.

Video-Interview mit Alice Stümcke (imm cologne 2009)