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Rolf Fehlbaum von Vitra

Für Rolf Fehlbaum und seine Schweizer Möbelmarke Vitra zu arbeiten – in einem Katalog mit Eames oder Panton – gilt bei Designern als Krönung der Karriere.
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Andere Möbelfirmen klagen und planen Entlassungen, Sie bauen gerade mit Weltarchitekten noch mal Ihr Museums- und Geschäftsgelände aus. Was machen Sie anders?

Wir klagen auch! Das sogenannte Objektgeschäft ist gerade sehr unerfreulich – wenn Unternehmen nicht expandieren, brauchen sie weniger neue Büromöbel. Im Wohnen ist der Rückgang geringer und wir sind sehr froh, dass wir uns vor ein paar Jahren dem privaten Thema verstärkt zugewandt haben, lange vor der Krise. So wird der Abschwung durch den relativen Erfolg des Wohngeschäfts gedämpft.

Glauben Sie, dass das Wohnen mehr Einflüsse aus öffentlichen Bereichen übernimmt – also stilistische Ideen aus Restaurants, Hotels, Büros?

Das haben wir gelegentlich gedacht, inzwischen sehen wir eher die Gegenbewegung. Wir hatten früher zum Beispiel die Vorstellung, dass unser im Bürogeschäft erworbenes Know-how der Sitztechnik den Weg in die Wohnung finden müsse, wo man ja auch lange Stunden am Tisch sitzt. Aber das funktioniert so nicht, jedenfalls nicht direkt als Ableitung aus dem Bürostuhl. Die Wohnung will in der Regel die Gegenwelt sein, die Welt des Abschaltens vom Arbeitsprozess, also will man dort auch keine Office-mäßigen Zitate und Zeichen. Interessant ist ja, dass sich gegen alle Prognosen kein spezieller Möbeltypus fürs Home-Office durchgesetzt hat, stattdessen wird viel improvisiert, oder man hat als zu Hause arbeitender Profi gleich ein richtiges Büro. Aber in umgekehrter Richtung funktioniert manches. Unser „Alcove“-Hochlehnsofa von den Bouroullecs etwa ist eigentlich fürs Wohnen entstanden und setzt sich jetzt immer mehr in den Büros durch. Dort wandeln sich die Bedürfnisse ja stark, und in dieses Umfeld passen Möbel aus dem privaten Wohnbereich mit ihrer Stimmung der Entspannung und Abschirmung sehr gut – sozusagen als abgegrenzte Gegenwelt zur offenen Bürolandschaft. Wir haben das Glück, dass wir schon immer transversal aufgestellt waren, unsere Produkte also in ganz unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden können. So geschieht es zu unserer Überraschung und manchmal Begeisterung, dass Anwender mit den Produkten etwas ganz anderes im Sinn haben, als wir uns im Design- und Entwicklungspozess vorgestellt hatten..

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Wagen Sie eine stilistische Prognose fürs private Wohnen?

Ich habe nicht die Vorstellung eines einheitlichen Stils. Meine These ist eine ganz alte, dass nämlich keine abgeschlossene Wohnidee, sondern eine Collage, die sich in ständigem Wandel befindet, dem Wesen des Wohnens am besten entspricht. Dinge aus der Vergangenheit stehen zusammen mit Dingen aus der Gegenwart; da verschwindet mal was und da kommt mal was hinzu, Dinge, die wertvoll sind, und Dinge, die nicht so wertvoll sind und die zusammen die individuelle Lebensgeschichte spiegeln. Da dürfen Widersprüche auftreten, da soll vor allem aber eine gewisse Entspanntheit sein. Die Menschen wollen im Wohnen doch ihr Wesen ausdrücken und nicht in einen Showroom versetzt werden. Ich möchte es jedenfalls nicht.

Gerade moderne Schweizer Wohnungen sehen aber oft recht perfekt und steril aus.

Sie meinen, alles in Schwarz und Chrom, Corbusier, USM-Regal, Aluchair... Das ist ja fast ein Klischee des modernen schweizerischen Wohnens. Vielleicht hat das mit der besonderen Affinität der Schweiz zu den Idealen der Moderne
zu tun, dem Kargen, dem Zurückhaltenden und den ehrlich sichtbaren Funktionen. All das entspricht ja auch einer calvinistischen Weltschau mit ihrer starken, nüchternen Arbeitsethik. Die Wohnung ist nun mal auch ein Psychogramm des Bewohners.

Zur Person

Dr. Rolf Fehlbaum baute ab 1977 die familiäre Möbelfirma zu einer der ersten Designadressen Europas aus. Für die diversen Firmengebäude engagierte er Weltklassearchitekten wie Frank Gehry, Zaha Hadid und Tadao Ando.

Vitra

Vitra wird im Baseler Vorort Birsfelden verwaltet; Hauptproduktionsort ist das zehn Kilometer weit entfernte deutsche Weil am Rhein. Dort steht auch ein spektakuläres Firmenmuseum und dort eröffnete Anfang 2010 ein eigenes Vitra-Kaufhaus nach einem Entwurf der Architekten Herzog & de Meuron.

Vitra im Internet: www.vitra.com

Das Interview wurde im September 2009 geführt.

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