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Jörg Deisel von Alno

Alno-Chef Jörg Deisel setzt auf sozialen Wandel, smarte Fronten aus Glas und den Abschied von Planungsfrust.
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Sie verkaufen Millionen Küchen, wann haben Sie selbst zuletzt gekocht?

Ich dilettiere manchmal in der Küche, aber ich fühle mich nicht als Koch. Ich helfe meiner Frau bei den Vorbereitungen, also Kartoffeln, Karotten oder Spargel schälen und diese Dinge. Wir genießen und zelebrieren solche gemeinsamen Stunden, die Küche ist eigentlich unser Lebensmittelpunkt im Haus. Ich weiß gar nicht, wer noch ein Wohnzimmer braucht..

...sagt der Küchenproduzent – was soll er sonst sagen!

Ich gehe noch weiter und prophezeie: Das Wohnzimmer als Raumtyp wird verschwinden! Schauen Sie sich doch um: Die Menschen haben wenig Zeit, Frauen und Männer sind stark in Termine eingespannt und wollen die knappe private Zeit optimal nutzen. Wo trifft man sich dann – in der Küche! Das Wohnzimmer hat seine Existenzberechtigung eingebüßt.

Was dem Wohnraum bleibt, sind die Medien, die Musik, der Fernseher...

Ich glaube, selbst all das wird sich in Richtung Küche verlagern, man wird dort immer mehr all die technische Versorgung haben, die moderne Menschen brauchen. Das ist ein Grund, warum ich übrigens privat jetzt gerne auch eine neue Küche hätte. Aber wissen Sie, was meine Frau gesagt hat?

Sie hat sich gefreut?

Nein, eben nicht. Sie hat die Hände über den Kopf geschlagen und gesagt: Bloß nicht, denn das ist gleichbedeutend
mit teuer, Dreck und Ärger. Ihr erscheint also der Kauf einer neuen Küche nicht als etwas Schönes, auf das man sich freut, wie etwa den Kauf eines neuen Autos, sondern eher als ein Albtraum. Und das darf doch nicht sein, da läuft etwas völlig falsch in unserer Branche.

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Sie wollen Küchen anders verkaufen?

Jedenfalls muss eine neue Küche doch vom ersten Moment der Planung an etwas Attraktives und Euphorisierendes sein. Dazu gehört natürlich eine kompetente Beratung, bei der man mir mit neuester Technik hilft, meine vagen Vorstellungen zu visualisieren und dazu gehören auch eine kurze, verlässliche Lieferzeit und eine ebensolche Montage. Und warum soll ein Küchenkauf nicht damit enden, dass am Schluss ein Koch für Sie und Ihre Gäste ein Erlebnisessen veranstaltet und sich mit einem Blumenstrauß verabschiedet? So macht das ein Händler von uns – und darin sehe ich die Richtung, in die wir müssen.

Optisch sehen neue Küchen heute alle beinahe gleich aus – streng funktional und architektonisch. Wo ist eigentlich die Landhausküche geblieben?

In Asien! Die Europäer mögen’s modern, aber in Fernost schreit man geradezu nach der Landhausküche, man träumt von einem Neuschwanstein-Besuch und will eine romantische Küche. Auch in USA sieht übrigens eine Küche von uns anders aus als in Deutschland. Ich glaube, es ist fatal, wenn man über Kulturen hinweg einen Einheitsstandard setzen will. Dank technischer Entwicklungen gibt es heute eigentlich keine Anmutung in Farbe, Form oder Oberfläche mehr, die man nicht realisieren kann. Bis hin zu ganz widersprüchlichen Effekten, zum Beispiel supermatte Oberflächen, die beim Anfassen einen Kaschmir-Effekt bieten.

Alles geht?

Fast alles geht. Und dann kommt es eben darauf an, die Möglichkeiten auf den Lebensstil, auf den Zeitgeist abzustimmen. Wir sind sehr kreativ, aber das darf auch nie Selbstzweck werden, wir fragen uns immer: Braucht das jemand, will das der Markt? Es gibt durchaus die Gefahr, sich in eine eigene Idee zu sehr zu verlieben.

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Ihre neueste Liebe scheint Glas zu sein...

Ich bin von Haus aus Ingenieur und kann mir vieles vorstellen – aber wir haben eine Technik gefunden, die für mich ein kleines Wunder ist. Sie verbindet das Positive von Holz und Glas, es ist eine Kombination aus emotionalen und reinigungsfreundlichen, funktionalen Effekten. Dazu wird eine Holzoberfläche von hinten auf das Glas gedruckt. Faszinierend! Wir könnten sogar ganz neue Holzarten und eigene Furnierbilder generieren. Im Möbelbau ist es ja ein riesiger Aufwand, Stoßkanten immer zueinander passend zu machen. Bei uns passen sie – denn wir drucken sie, wie wir sie brauchen.

Ihr Traum ist eine Küche ganz aus Glas?

Nein, wir träumen nicht, es gibt einen ersten Prototypen, den wir zusammen mit Bosch und Schott entwickelt haben. Die Fronten sind komplett aus satiniertem Glas, und zwar durchgängig über Möbel und Geräte hinweg. Eine völlig neue Ästhetik, auf die wir sehr stolz sind. Ich bin sicher, das werden viele nachzumachen versuchen.

Alno im Internet: www.alno.de

Das Interview wurde im November 2009 geführt.