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Norbert Bretz von Bretz

Zusammen mit seinem Bruder führt Norbert Bretz erfolgreich das Familienunternehmen Bretz. Er erklärt uns, wieso ein Sofa Charakter braucht.
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Guten Morgen, Herr Bretz. Lassen Sie uns über Emotionen reden. Sind Sie ein gefühlsbetonter Mensch?

Zuallererst ja. Aber ich habe natürlich im Laufe des Lebens gelernt, dass es in vielen Situationen hilfreich ist, den Kopf dazuzuschalten.

Und wo lassen Sie ihn aus, was kann Sie überwältigen?

Eine Landschaft zum Beispiel. So ein weiter Ausblick, wie wir ihn in der Südsee, auf den Cook-Inseln hatten: das Meer von ganz tiefem Blau, das Grün so satt – da laufen wunderschöne Farben ineinander.

Wie wichtig sind Emotionen für Ihren Beruf?

Sehr. Wer nur auf den Verstand hört, kann nie eine wirkliche Neuheit auf den Markt bringen. Dann bleibt alles nur eine Variation dessen, was schon gut läuft.

Und wie geht es ihnen gerade im Moment?

Gut. Die französische Messe, die Maison Objèt, war ein ziemlicher Erfolg für uns. Die Franzosen sind besonders empfänglich für starke Farben und emotionale Möbel..

...vielleicht auch für die leicht bekleideten Damen, die sich immer auf Ihren Anzeigen räkeln?

Im Moment ist auf unseren Anzeigen nur eine Dame zu sehen und das ist Melissa Kurland, Schauspielerin und Top-model mit Abschluss in Psychologie. Für die Fotos hat sie sich gewissermaßen in die Charaktere der 25 unterschiedlichen Möbel hineinversetzt, hat versucht, die ästhetische Essenz des jeweiligen Objekts in eine Pose oder einen Ausdruck zu übersetzen. Fotografiert hat das Ganze der renommierte Fotokünstler Udo Spreitzenbarth aus New York.

Was genau ist ein emotionales Möbel?

Eines, das hilft, sich zu Hause zu fühlen; das sich nicht versteckt, sondern zu einem spricht. Wer sich mit Möbeln umgibt, die keinen eigenen Charakter haben, fängt nach kurzer Zeit an, Nippes anzuhäufen, um dem Raum die Emotionalität zu geben, die der Einrichtung fehlt. Ein schlichter weißer Raum, in dem ein ebensolches Sofa steht – das mag für Künstler oder Designer das Richtige sein, visuelle Menschen, die ihren Augen auch mal Ruhe gönnen wollen. Aber das sind nun einmal die wenigsten.

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Welchen Charakter hat denn etwa ein Möbel wie "Gaudi"?

Das kommt natürlich sehr auf den Bezugsstoff an. In rotem Velours zum Beispiel ist es ein Sofa, das alte Traditionen zitiert, also nicht vergisst, wo es herkommt, darüber aber hinausgeht und dadurch sehr modern ist. Man könnte es modern barock nennen. Und die Löwenfüße stehen für Energie.

Die Sitzgruppe "Cloud 7"...

...drückt aus: Ich mag es ein bisschen anders, ein bisschen legerer. Mit seiner ein Meter tiefen Sitzfläche lädt es ein, die Beine hochzunehmen. Es ist das bequemste Sofa der Welt.

Und was ist mit denen, die ihr Zuhause lieber stiller gestalten? Bieten Sie irgendwann auch eine minimalistische Linie?

Es kommt darauf an, was sie unter Minimalismus verstehen. Die meisten Menschen verbinden zum Beispiel Bauhaus damit. Aber das Bauhaus war hochemotional, wenn man etwa an die Bilder von Klee denkt.

Minimalismus im Sinne von: reduziert auf das Allernotwendigste?

Nur mit der geraden Linie werden wir uns tatsächlich nie beschäftigen, es sei denn, wir können Emotionen einarbeiten. So wie wir das bei "Don Corleone" gemacht haben, einem in der Formsprache sehr reduzierten Sofa, dem wir aber eine auffällige Ziernaht und optische Einzüge mitgegeben haben

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Dafür gab es sogar einen red dot award für ausgezeichnetes Design. War das schlimm? Sie haben einmal gesagt: "Wenn wir einen red dot bekommen, wissen wir, dass wir etwas falsch gemacht haben."

Manchmal gehört mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben. Ehrlich: Ein Mitarbeiter hatte die Sofas eingereicht. Und wir waren ziemlich erstaunt, als wir erfuhren, dass wir gewonnen hatten! Jetzt schauen wir mal, was es bringt.

Was sind denn Ihre Kriterien für ein ausgezeichnetes Sofa?

Man sollte bequem und auf Dauer darauf sitzen können; nicht nur am Anfang, sondern auch nach sieben Jahren noch. Das hat viel mit handwerklicher Qualität zu tun, mit der Auswahl der Federkerne und der Schäume etwa.

Sie führen die Geschäfte zusammen mit Ihrem Bruder Hartmut. Gibt es da oft Streit?

Täglich. Aber das ist normal unter Geschwistern, da wirft man sich schon so einiges an den Kopf.

Was genau werfen Sie?

Ausschließlich Wörter.

Ist der Inhalt Ihres Kleiderschrankes genauso emotional und auffällig wie die Bretz-Kollektion?

Ist er! Ich liebe die Shirts von Custo, von denen ich gerade eines trage.

IUnd die Hosen aus Bezugsstoffen?

Tragen wir vor allem auf Messen, die Zebrahose allerdings auch mal privat. Zebra ist überraschenderweise ein völlig modeunempfindlicher Stoff. Wenn jemand Bedenken hat und glaubt, daran würde man sich so schnell satt-sehen, erzähle ich immer, dass Zebra seit 15 Jahren konstant zu unseren am besten verkauften Stoffen gehört.

Zur Person

Norbert Bretz, 44, führt seit 1992 mit seinem Bruder Hartmut, 47, das mehr als 100 Jahre alte Unternehmen. Als "Bretz Brothers" erfinden die beiden die "Cultsofas", schräge Modelle mit grellen Bezügen und Löwenfüßen und machen Bretz zu einer der bekanntesten Marken auf dem Möbelmarkt. 2003 wagen sie den Schritt der Neupositionierung: Die Kreationen sind nun weniger schrill, bleiben aber ausgefallen und hochwertig. "Luxury Couture Brand" heißt das neue Konzept. Und geht auf: Im Jahre 2008 macht das Unter-nehmen mit 100 Mitarbeitern erstmals mehr als 10 Millionen Euro Umsatz. Norbert Bretz ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Bretz im Internet: www.bretz.com

Das Interview wurde im Dezember 2009 geführt.