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Georg Emprechtinger von Team 7

Vom Öko-Außenseiter zum Marktführer für naturbelassene Massivholzmöbel: Team 7- Chef Dr. Georg Emprechtinger erklärt uns die Seele des Holzes.
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Guten Tag, Herr Dr. Emprechtinger. Sind Sie Perfektionist?

(Lacht) Oh je, Sie haben mich aufgedeckt. Ja, ich versuche schon, die Dinge richtig zu machen; zumindest wichtige Dinge wie die Beziehung zu meiner Frau, den Kindern und Freunden. Die Entwicklung eines Möbels. Und alles, wo viel Verantwortung im Spiel ist. Ob aber der Stift rot oder blau ist und an der richtigen Stelle liegt, ist mir egal.

Was verstehen Sie genau unter dem Begriff Perfektionismus?

Bei wichtigen Dingen schlafe ich noch mal eine Nacht über die Entscheidung. Dann rede ich mit Vertrauten. Das hat auch viel mit Gerechtigkeit zu tun. Gerecht behandelt zu werden ist ein Grundrecht jedes Menschen. Und umgekehrt eine Verpflichtung für jeden, der Führungskraft ist und Macht ausübt.

Was ist für Sie ein perfektes Möbel?

Es soll vom ersten Eindruck bis zu seinem Innersten, seiner Seele eine klare Aussage haben. Da darf nichts stören. Das ist die größte Herausforderung und bedeutet für alle Beteiligten Knochenarbeit. Das Ziel ist, die Welt mit dem Produkt um ein Stück reicher und attraktiver zu machen.

Nennen Sie uns ein Beispiel von Team 7?

Auf jeden Fall unser Freischwinger "Magnum". Der ist auf ein Minimum reduziert, eine Weiterentwicklung dessen, was vorher auf dem Markt war. Er hat ein einfaches Stahlgestell und einen halb transparenten Bezugsstoff aus einem Stück, ohne Nähte oder Verbindungen. Der wird wie ein T-Shirt über das Gestell gezogen, unsichtbar befestigt und wie von Geisterhand gehalten. Wir haben seit 2005 mehr als 50 000 Stück verkauft – und das nicht etwa an Hotels, sondern nur an Privatpersonen.

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Genügt auch der Ausziehtisch "Magnum" diesem Anspruch?

Auf den bin ich besonders stolz, weil er unser erstes Designerstück war und vielfach ausgezeichnet wurde – unter anderem mit dem "red dot design award". Vor fünf Jahren wollte Team 7 raus aus der Müsliecke – rein in den Naturgenuss mit Designanspruch. Dass scheint uns gelungen zu sein. Auch dank unserer Anstrengung ist das Material Holz in der Welt des Designs angekommen.

Wie haben Sie Ihre neue Kinder- und Jugendkollektion "Lanoo" perfektioniert?

Indem wir die Prototypen in einem Kindergarten getestet haben. Dabei ist die Idee für große Griffe aus buntem Filz entstanden. In die kann man satt mit der ganzen Hand hineinfassen und selbst ganz kleine Kinder können so auch volle Schubladen aufziehen. Die Griffe sind zum Abnehmen und Waschen. Wir haben sie in Schokolade und alles mögliche andere getaucht – ging alles wieder raus. Dann haben die Möbel 32 cm Bodenfreiheit, da können Kinder ihre Lego-Burg drunterschieben oder Eisenbahnschienen langlaufen lassen. Und die Hochbetten können außerdem
von drei Seiten bespielt werden.

Team 7 ist bekannt für Massivholzmöbel, die kompromisslos ökologisch sind. Setzt das einen besonderen Umgang mit Holz voraus?

Wir haben ein Team 7-Reinheitsgebot: Es werden nur heimische Laubhölzer aus nachhaltig bewirtschafteten Forsten verarbeitet. Wir verleimen das Holz formaldehydfrei und veredeln seine Oberfläche mit Kräuteröl und sonst nichts. So erhalten wir seine Seele. Für mich ist Holz sinnlich und authentisch, es vermittelt Behaglichkeit, lebt und atmet. Es gilt, seine urwüchsigen Kräfte zu bändigen, ohne es zu vergewaltigen. Schon um unserer Verantwortung gegenüber der Natur und der Wertigkeit des Materials gerecht zu werden.

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Sie scheinen ein sehr emotionales Verhältnis zu Holz zu haben.

Ich bin mit Holz aufgewachsen, mein Vater hatte ein Sägewerk. Schon als ganz kleines Kind war ich viel im Wald und der Duft frisch geschnittenen Holzes fasziniert mich bis heute.

Wie viel Perfektionismus erwarten Sie von anderen?

Ich glaube, da bin ich ziemlich tolerant. Im Laufe der Jahre habe ich akzeptiert, dass nicht alle so sind wie ich. Im Gegenteil – jeder Mensch ist einzigartig und ich genieße es, wenn jemand eine ganz andere Wahrnehmung hat, nicht so rational. Das finde ich spannend.

Gibt es in Ihrem eigenen Haus etwas, das nicht Ihrem Anspruch nach Perfektion gerecht wird? So etwas wie eine Ökosünde?

Oh ja! Meine Tochter hat in ihrer Sturm und-Drang-Zeit immer mal wieder Möbel von Flohmärkten oder zum Selber-Zusammenbauen angeschleppt. An eine Kommode erinnere ich mich besonders ungern: Sie hat die ganze Zeit gewackelt, die Schubladen ließen sich kaum herausziehen und sie war auch noch lila lackiert. Aber ich musste das tolerieren, meine Tochter hat mir keine Wahl gelassen. Darüber hinaus hat unser Haus nur doppelt verglaste Fenster und keine Lüftungsanlage. Das war, als wir es vor 15 Jahren gebaut haben, noch Standard.

Wann haben Sie das letzte Mal Chaos erlebt?

Absolutes Chaos kann ich mir gar nicht vorstellen. Ich habe eine große innere Ruhe, eine geistige Rückzugszone. In extremen Situationen werde ich immer ruhiger und überlege, was als Erstes zu tun ist.

Wie sieht für Sie ein perfekter Tag aus?

Am Wochenende stehe ich etwas später auf – so um 9 Uhr – und gehe laufen; danach gemütlich frühstücken mit meiner Frau und manchmal den Kindern, aber die haben oft eigene Pläne. Später gehen wir wandern und abends sehen wir Freunde, essen Wild und backen Kastanien in unserem Holzofen. An so einem Tag gibt es nichts zu verbessern!

Zur Person

Dr. Georg Emprechtinger, 50, ist seit 2006 Geschäftsführender Eigentümer der 1959 gegründeten österreichischen Firma Team 7. Unter seiner Regie entstanden nicht mehr nur ökologisch verarbeitete Massivholzmöbel mit natürlich rustikalem Look. Der Unternehmer brachte unter anderem zehn Möbel mit Designanspruch auf den Markt, die Auszeichnungen und Designpreise aus mehreren Ländern erhalten haben. Die Verdoppelung des Umsatzes veranlasste den Holzliebhaber, 2009 im oberösterreichischen Alpenvorland für neun Millionen Euro ein neues Werk zu bauen. Dr. Georg Emprechtinger ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Team 7 im Internet: www.team7.at

Das Interview wurde im Januar 2010 geführt.

Video-Interview mit Georg Emprechtinger (imm cologne 2009)