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Designer-Porträt Le Corbusier & Charlotte Perriand

Die Urbanisten
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"Das Haus ist eine Maschine zum Wohnen; ein Sessel ist eine Maschine zum Sitzen." In dem knappen Satz steckt alles, wofür Le Corbusier bis heute von vielen verehrt, von vielen aber auch abgelehnt wird. Er polarisiert, und seine Möbel sind wie seine Architektur: rational, klar und zur Zeit ihrer Entstehung revolutionär; nicht umsonst stehen sie so oft in Architektenhäusern, und Cassina macht bis heute ein Drittel seines Umsatzes mit nur drei "LC"-Möbeln. Wo Unvorbelastete ein paar Stahlrohre und Kissen sehen, erkennen Architekten ein Möbel gewordenes Gedankengebäude, ein gepolstertes Manifest.

Le Corbusier: Lieber unverstanden als zu gefällig

Über viele Jahrzehnte wollte fast jeder Architekt wenigstens ein bisschen so sein wie der hagere ernste Mann mit der Brille: intellektuell und fortschrittlich und im Zweifel lieber unverstanden als zu gefällig. Wie groß Le Corbusiers Sprung in die Avantgarde auch für ihn selbst war, sieht man an dem ersten bekannten Foto von ihm als Kind: Als sei’s ein Ölgemälde, sitzt der Zweijährige auf einer historistischen Säule voller Zierrat und trägt wie sein Bruder ein Kleid mit Schürze – es ist das traditionsverliebte 19. Jahrhundert, in das der Junge hineingeboren wird. Noch heißt er Charles Édouard Jeanneret, der Vater ist Ziselierer und Graveur, schmückt Zifferblätter und Uhrengehäuse.

Und so geht auch sein Sohn auf die örtliche Kunstgewerbeschule, die hier, in der Westschweiz, nur eine Gebirgskette von Frankreich entfernt, ganz im Dienste der Uhrmacherindustrie steht. Schnell aber merkt der Junge, dass er keine Lust hat, stilisierte Blumen auf Uhrendeckel zu zeichnen, und später wird er eine Haltung daraus machen, nicht mit modernen Mitteln Altes nachzuahmen. Unsicher, wohin mit seinen Talenten, bestaunt er auf zwei langen Bildungsreisen zeichnend und aquarellierend die Renaissance- und Antikenbauten Italiens und Griechenlands. Ein Zisterzienserkloster mit seinen kargen Mönchszellen beeindruckt ihn so sehr, dass es ihn ein Leben lang bei seinen Überlegungen leitet, was für einen Raum wichtig ist, was ihm Charakter gibt. 21-jährig geht er nach Paris, gründet die Kunstzeitschrift "Esprit Nouveau" und mit seinem Vetter ein kleines Architekturbüro, gibt sich 1920 den Künstlernamen Le Corbusier.

Er provoziert mit radikalen Entwürfen für ein neues, autogerechtes Paris (1925) und gleich zweimal mit revolutionären Pavillons auf den großen Pariser Ausstellungen, gebauten Gegenmodellen zu allen Beaux-Arts- oder Art-déco-Stimmungen: Stahlbetonquader mit Glasfassaden, durch einen Kreisausschnitt des flachen Daches wächst ein Baum, die Räume sind extrem pur möbliert.

Intelligente Räume und innovative Nutzungsideen

Wenn Häuser aus stählernen Trageskeletten gebaut werden können, warum nicht auch Stühle, Sessel und Sofas? Und können intelligente Räume z. B. mit Einbauschränken und Schiebetüren nicht viele Möbelaufgaben überflüssig machen?, fragt Le Corbusier. Sowieso spricht er lieber von "Equipment" (Ausstattung) als von Möbeln. Die Weißenhof-Bauausstellung 1929 in Stuttgart, zu der auch Le Corbusier eingeladen wird, zeigt: Viele der neuen Ideen rund ums Wohnen werden ähnlich in mehreren Ländern erfunden, etwa vom Bauhaus in Deutschland oder von der De-Stijl-Bewegung in Holland. Zu den originären Schöpfungen Le Corbusiers gehören der dramatische Wechsel von Raumhöhen, spektakulär eingefasste Luft- und Freiräume und die Nutzung des Daches als Freizeitfläche.

All die Anhänger der neuen Bausachlichkeit wissen noch nicht, dass die große Zeit ihrer Ideen beim Wiederaufbau nach dem nächsten Krieg kommen wird. Erst mal müssen viele Bauhäusler wie Mies, Gropius oder Breuer ins Exil. Le Corbusier versucht den umgekehrten Weg. So wie er schon gern für Stalin gebaut hätte, so hofft er jetzt in den späten 30ern und frühen 40ern auf Bau-Chancen im Italien Mussolinis, dafür besichtigt er sogar schon Sümpfe rund um Rom. Und im besetzten Frankreich verlegt er sein Büro voller Hoffnung gleich ganz in die Nähe des Hitler ergebenen Vichy-Regimes.

Als Anreger ist er willkommen, bauen dürfen andere

Aus heutiger Sicht ist es für seinen Ruf pures Glück, dass kein Projekt zustande kommt. Ein Trauma bleibt ihm: Mit seinen provokanten Skizzen und Thesen bestimmt er immer wieder die wichtigsten Architekturdebatten, erhält den Auftrag dann aber doch nicht. Das war schon beim Völkerbund-Palast in Genf so, und beim prestigereichen UN-Ensemble in New York ist es wieder so: Als Anreger ist er willkommen, bauen dürfen andere. Auf sein eigenes Megaprojekt muss er bis 1951 warten und dann nach Indien reisen, wo er, gefördert durch Nehru, eine avantgardistische Regierungszentrale in die Ausläufer des Himalaja setzen kann.

Und im Nachkriegs-Frankreich darf er endlich seine Antwort auf die amerikanischen Wolkenkratzer bauen: ein lang gezogenes Muster-Hochhaus in Marseille, eine ganze Stadt auf zwölf Etagen, mit doppelstöckigen Wohnungen und innen liegenden, laternengesäumten Ladenstraßen; Kindergarten, Schule und Sportanlagen platziert er auf das offene Dach. Für all das entwickelt er den "Modulor", eine Figur, die den Goldenen Schnitt im menschlichen Maß finden will und Richtwerte für Deckenhöhen und Raumschnitte liefern soll, dazu eine Farblehre mit wenigen starken, naturnahen Tönen.

Empfindsam und schwärmerisch

Architekt, Maler, Theoretiker – Le Corbusier ist alles, gern gleichzeitig, zur Not abwechselnd. Als Person leidet er unter Stimmungsschwankungen; in Tausenden Briefen, die er an seine Mutter schreibt, zeigt er sich empfindsam, manchmal berechnend, öfter aber schwärmerisch. Er geht zu Wahrsagern und Handlesern, er ist berührt von Musik und Natur, er sammelt Muscheln und lässt seinen Cockerspaniel "Pinsel" nach dessen Tod mumifizieren.

Lange hat er Angst vor Frauen, bis er Yvonne, eine Modistin aus Monaco, kennenlernt; öffentlich aber zeigt er sich kaum mit ihr, und erst nach dem Tod des Vaters traut er sich, sie zu heiraten. Eileen Gray kündigt ihm ihre Freundschaft, weil er ihr weißes Ferienhaus mit riesigen Bildern bemalt und sich dabei auch noch nackt fotografieren lässt. Als seine Frau stirbt, stiehlt er bei der Einäscherung einen Knochen und bewahrt ihn wie eine Reliquie. Er selbst stirbt acht Jahre später einsam, an einem Herzschlag beim Schwimmen im Mittelmeer. Seine Trauerfeier ist spektakulär und so, wie sie bis dahin kein französischer Künstler bekommen hat: Der Modernist Le Corbusier wird im Innenkarree des Louvre aufgebahrt. Traditionsgeladener geht es nicht.

Autor: Rolf Mecke

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