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Designer-Porträt Charles und Ray Eames

Das Traumpaar
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Hollywood hätte sie nicht besser erfinden können, die Menschen und die Möbel, das Traumpaar und seine Stilwelt, alles ebenso lässig wie intellektuell. Schon die Begegnung von Charles und Ray 1940 ist filmreif.

Da ist der attraktive Architekt, unglücklich verheiratet, aber endlich in seinem ersten richtigen Job an Amerikas wichtigster Designschule in Detroit angekommen. Und da ist die Malerin und Kunststudentin, die Eltern jung verloren, auf der Suche nach einer Richtung im Leben. Plötzlich geht alles ganz schnell: Im September erst haben sich die beiden kennengelernt, zehn Monate später sind sie, nach der Blitzscheidung von Charles, verheiratet, gehen nach Kalifornien. Die Fortune des Neustarts ist mit ihnen. John Entenza, kunstbegeisterter Erbe einer Tabakplantage, fördert sie, führt sie in die Kreativszene von Los Angeles ein: Charles kann Filmkulissen für MGM-Musicals bauen und Ray Titelbilder für die Architekturzeitschrift des Gönners collagieren.

Sie "backen" Schichtholz zu Objekten

Folgenreicher ist, was die Eames in ihrem Apartment tun. Im Gästeschlafzimmer haben sie eine Maschine aufgebaut, ein Monstrum aus Pressen und Schläuchen, mit dem sie wunderbar gewundene Schichtholzobjekte "backen", Experimente aus Charles’ Universitätslabor weitertreiben, die Grenzen der Verformung ausreizen. Immer noch aber sind wir in den 40er Jahren – Weltkriegszeit, amerikanische Soldaten kämpfen in Europa und Asien.

Ihr Erfolg basiert auf einem Zufall

Zufällig sieht ein Militärarzt die gerundeten Holzobjekte der Eames und erzählt von einem Problem der Army: Die stählernen Beinschienen für Verwundete erweisen sich als untauglich, als zu starr und zu schwer. Und so gründet Charles, wieder mithilfe seines Mäzens Entenza, eine eigene Firma für Beinschienen.

Gebogenes, federndes Schichtholz, im Wortsinne organisch geformt, bewährt sich hier erstmals in der Massenfertigung – mehr als 150.000 Stützschienen kann Charles ans Militär verkaufen. Noch mehr zeigt sich der Übergang vom Krieg zum Frieden als Glücksfall: Know-how aus militärischen Forschungen wird frei zugänglich (z. B. Rezepturen für Extremkleber oder Fiberglas), und die heimkehrenden Soldaten brauchen für ihre Familien neue Wohnungen und neue Möbel. Charles entwirft sie und hat 1945 schon mit seinen ersten Stühlen große Erfolge.

Die bis heute gültigen, etwas kryptischen Namen entstammen noch militärisch-bürokratischem Denken, sie lauten "DCW" (Dining Chair Wood) oder "LCW" (Lounge Chair Wood), aber ihre Formen sind Ausdruck von Unbeschwertheit und Leichtigkeit, pure Zeichen von Optimismus und besserer Zukunft. Sehr bald stehen sie auch in Restaurants, Schulen, Universitäten, Firmenbüros und Flughäfen; Hersteller Herman Miller wird damit zur Weltfirma, ebenso wie eine Dekade später Vitra. Das Design der Eames-Stühle, das so leicht aussieht, ist das Ergebnis endloser Trial-&-Error-Serien; zwar ist Charles ein Leben lang Freund der spielerischen Fantasie, aber sein Möbelprogramm geht er nüchtern wie ein Forscher an, nutzt Technologie und Materialneuerungen und dekliniert sie systematisch durch.

Die Eames: Wenige Stuhltypen, aber viele Varianten

Bis heute lassen sich diese Phasen erkennen, trennscharf wie selten bei einem Designer. Auf Schichtholz folgt Kunststoff (1950), danach Gitter aus Stahldraht (1951) und noch später Aluminium (1958). Immer sind es körpernahe Sitzschalen, und sie haben – anders als später Arne Jacobsens Schichtholz-Erfolge in Europa – sehr fantasievolle Beine. So lassen sich aus wenigen Typen viele Varianten bilden, in den Läden hängen Wände voller Modellkarten, mit denen Kunden spielerisch komponieren können.

Alles easy? Nicht nur: Über den Erfolg zerbrechen zwei große Freundschaften. Von dem einstigen Förderer Entenza ist die Entfremdung so stark, dass dieser demonstrativ sogar sein von Charles gebautes Haus aufgibt. Mit Harry Bertoia, der dem Paar ein paar Jahre zuvor die Hochzeitsringe geschmiedet hatte, gibt es über die Urheberschaft der erfolgreichen Drahtgitterstühle Streit – bis vors Gericht. In einem wesentlichen Detail bekommt Charles Recht zugesprochen: Patent gewonnen, Freund verloren.

Die Wohn-Box - ein Meisterwerk

Ihrem Erfolg schadet dies nicht, das Eames-Universum wird immer mehr zur Bilderfabrik optimistisch-kalifornischen Lifestyles, Charles und Ray sind stolze Darsteller, und die selbstverständlichen Hauptschauplätze sind ihr Haus und ihr Studio, beide an der Pazifikküste, nur wenige Meilen voneinander entfernt. Obwohl Architekt, hat Charles in seinem Leben nur sehr wenige Häuser gebaut, ihm behagt die Abhängigkeit von so vielen Mitentscheidern nicht. Und so ist das eigene Haus, im Rahmen eines ehrgeizigen "Case Study"-Programms für das Wohnen von morgen entstanden, schon sein Meisterwerk, eine schlichte, aber faszinierend-atmosphärische Kiste aus Stahlträgern, Glas und Paneelen.

Beschirmt von Eukalyptusbäumen enthält die große Wohnbox alles, was Ray an Grafisch-Pittoreskem zusammengetragen und collagiert hat: Kelims, Mobiles, afrikanische Kunst. Zweiter Schauplatz der Eames-Welt: ihr Studio, eine ehemalige Großgarage im Los-Angeles-Küstenviertel Venice. In den 50er Jahren entwickelt es sich immer stärker zum Film- und Kreativlabor mit nur noch gelegentlichen Möbelentwürfen. Hier entstehen jetzt Filme, Diaschauen, pädagogische Lehrprogramme, sehr poetisch und sinnlich, die Eames erweisen sich als visuelle Zauberer und Multimedia-Pioniere.

Größter Auftraggeber wird IBM, aber auch die Regierung, die museale Großshows und Weltausstellungs-Pavillons bestellt. Es ist dieses Offiziöse, das Propagandahafte eines nur noch guten und schönen Amerikas, das ab den 70er Jahren selbst manche Eames-Anhänger zu irritieren beginnt; das Eames-Erfolgsrezept schwächelt, besiegt vom einzigen, was ihm gefährlich werden konnte: zu viel Eames. Heute bekommen nicht nur Sammler nostalgische Gefühle, wenn irgendwo eines ihrer "American Midcentury"-Originale auftaucht. Nie wieder - zumindest nicht bis zu Apple und dessen aus England importiertem Chefdesigner Jonathan Ive - sollte amerikanisches Produktdesign so fortschrittlich sein und in aller Welt bewundert werden.

Das Ray-Problem

Ein spätes Happy End also – wäre da nicht, was in Fachkreisen "das Ray-Problem" genannt wird. Immer wieder rätselt oder streitet man über ihre Rolle, vor allem über ihren Anteil an den Möbelentwürfen. Manche halten Ray für unterdrückt, die langjährige Eames-Biografin Marilyn Neuhart findet sie überbewertet. Sicher ist: Keiner der beiden hätte ohne den anderen dieses Gesamtkunstwerk schaffen können. Wie auch immer sie es im Detail gemacht haben, die abstrakte Malerin und der wissensgetriebene Architekt waren das, was sie auch sein wollten: das Designer-Traumpaar des 20. Jahrhunderts. Das erfolgreichste Eames-Design waren Charles und Ray Eames selbst.

Autor: Rolf Mecke

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