SCHÖNER WOHNEN Design-Guide für Kopenhagen

Foto: Ty Stange / Copenhagen Media Center

Die dänische Hauptstadt versteht es, neueste Trends in Design, Kunst und Architektur mit einem wunderbar entspannten Lebensstil zu verbinden. SCHÖNER WOHNEN gibt die besten Tipps für einen Besuch in der Stadt.

Dänemark ist ein kleines Land mit großer Design-Tradition. Finn Juhl, Arne Jacobsen oder Verner Panton – die großen Namen der 50er und 60er Jahre prägen die Wohnkultur des Landes heute ebenso wie das junge Design aufstrebender Labels. Beidem begegnet man in Kopenhagen auf Schritt und Tritt: in traditionsreichen Möbelhäusern und kleinen Design-Shops, in Hotels, Cafés – und natürlich auch in den Wohnungen der Kopenhagener, die für ihren Wohnstil zu Recht gerühmt werden.
Schönste Sehenswürdigkeit: die Stadt selbst
Längst ein Klassiker: Arne Jacobsens SAS-Hotel.

Längst ein Klassiker: Arne Jacobsens SAS-Hotel.

Foto: Radisson Blue Royal Hotel
Wer noch nie in Kopenhagen war, denkt vermutlich zuerst an das berühmteste Postkartenmotiv, die "Kleine Meerjungfrau" im Hafen. Die schönste Sehenswürdigkeit ist jedoch die Stadt selbst mit ihrer einzigartigen Lage zwischen Land und Meer.
Unzählige Kanäle, Seen und Hafenbecken machen das Wasser zum bestimmenden Element. Wie ein breiter Strom durchzieht der "Inderhavnen" die Stadt, bevor er in den Øresund mündet. An seiner Nordseite bildet die Schlossinsel "Slotsholmen" den Kern der Altstadt mit ihrem reichen architektonischen Erbe, touristischer Mittelpunkt ist der "Nyhavn" mit seinen bunten Fassaden, Cafés und Segelbooten. Jede Epoche hat hier ihren Beitrag geleistet: Neben klassizistischen Wohn- und Geschäftshäusern stehen elegante Jugendstilbauten, in den 60er Jahren kamen große Projekte wie Arne Jacobsens Nationalbank hinzu – dennoch hat Kopenhagen ein wunderbar geschlossenes Stadtbild, selbst die neuesten Wahrzeichen am Wasser, Schauspielhaus und Oper, fügen sich gekonnt in die Silhouette ein.
Web-Tipps für Kopenhagen

  • Die offizielle Tourismus-Seite ist ein guter Start, um sich über die Stadt zu informieren oder eine Unterkunft zu finden: www.visitcopenhagen.de
  • Online-Guides zu den spannendsten Stadtvierteln gibt es bei "Alt om København", außerdem jede Menge Shopping- und Ausgehtipps: www.aok.dk (Englisch)
  • Die Alternative zum Hotel: stilvolle Privatunterkünfte. Zu finden über www.airbnb.de oder www.wimdu.de
  • "Emmas Blog" ist das größte nordeuropäische Wohn-Blog – stammt aus Schweden, zeigt aber Inspirationen aus ganz Skandinavien: www.emmas.blogg.se
  • Dänemarks Design-Legenden im SCHÖNER-WOHNEN-Porträt: Finn Juhl, Arne Jacobsen, Verner Panton

Was an Kopenhagen aber am meisten beeindruckt, ist die Dichte an großartiger Architektur, Kunst und Designkultur auf so kleinem Raum: Kaum mehr als eine halbe Million Einwohner leben in der Stadt am Øresund. Gerade diese Übersichtlichkeit ist es, die Kopenhagen zu einer wunderbar entspannten, lebenswerten Metropole macht – Europas gemütlichste Hauptstadt, wie viele Dänen sagen.
Lebensader der Altstadt ist die Einkaufsstraße "Strøget", die sich über einen Kilometer vom Rathausplatz bis zum Nyhavn zieht. Neben internationalen Ketten sind hier traditionsreiche Kaufhäuser wie "Illums Bolighus" und der Showroom von "Royal Copenhagen" angesiedelt, aber auch Flagship Stores jüngerer Labels, etwa das "HAY House" am Amagertorv. Es lohnt sich, die Hauptstraße zu verlassen und die kleinen Parallelstraßen im Norden und Süden zu erkunden – hier gibt es eine Menge kleinerer Design-Shops und stilvoller Cafés zu entdecken.
Kreative Stadtviertel
Typisch Kopenhagen: hübsche Design-Shops wie das "Stilleben".

Typisch Kopenhagen: hübsche Design-Shops wie das "Stilleben".

Foto: Johannes Huenig
Im Norden und Osten umgibt ein Ring langgestreckter Seen die Altstadt, dahinter schließen sich die zentrumsnahen Wohnviertel an. Jedes hat seinen eigenen Charakter, mit ihrem jeweils individuellen Mix aus Läden, Bars und Restaurants sind sie alle eine Entdeckungstour wert.
Østerbro im Nordosten ist das Viertel der jungen, gut ausgebildeten Städter, die hier in gepflegten Altbauten wohnen und die Mischung aus urbanem Flair, guten Restaurants und familienfreundlicher Atmosphäre zu schätzen wissen. Design-Freunde sollten unbedingt im Concept Store von "Normann Copenhagen" in der Østerbrogade vorbeischauen, der in einem alten Kinosaal junges dänisches Möbeldesign mit ausgesuchter Mode kombiniert.
Zu den In-Vierteln der Stadt zählt das bunte Nørrebro mit seinem multikulturellen Charme, rund um die Ravnsborggade eröffnen immer wieder neue Shops mit Secondhand-Mode und Vintage-Möbeln. Das ehemalige Arbeiter- und Rotlichtviertel Vesterbro hinter dem Bahnhof entwickelt sich seit den letzten Jahren immer mehr zum Trendstadtteil für junge Kreative, in der Ecke zwischen Istedgade und Vesterbrogade gibt es eine Menge individueller Designershops wie "Mumuland" oder "Designer Zoo".
Touren ins Umland
Mit Seeblick: Jacobsens Terrassenhaussiedlung "Søholm" in Klampenborg.

Mit Seeblick: Jacobsens Terrassenhaussiedlung "Søholm" in Klampenborg.

Foto: Johannes Hünig
Für dänische Verhältnisse ist die Hauptstadtregion rund um Kopenhagen mit ihren 1,2 Millionen Einwohnern dicht besiedelt, selbst mit dem Rad kommt man aber von überall schnell ans Meer oder ins Grüne – oder zu einem der vielen Museen und architektonischen Highlights, die das Umland bereit hält.
Auch wer nur ein paar Tage bleibt, sollte unbedingt Zeit für einen Ausflug einplanen: Einige der schönsten Ziele für Kunst- und Designfreunde liegen direkt vor den Toren Kopenhagens. "Louisiana", Dänemarks wichtigstes Museum für moderne Kunst, liegt in Humlebæk nördlich der Stadt mit grandiosem Blick über den Øresund, auf dem Weg dorthin lohnt sich ein Abstecher zu Arne Jacobsens Strandbad "Bellavista" in Klampenborg. Letzteres lässt sich mit dem "Finn-Juhl-Haus" und dem weitläufigen Tierpark von Jægersborg zu einer großartigen Radtour verbinden: Die Strecke führt entlang der Küstenpromenade "Strandvejen" nach Norden, stets den Øresund auf der einen und alte Villen auf der anderen Seite.
Auf der Insel Amager im Süden entsteht der neue Stadtteil Ørestad, ein Wohn- und Arbeitsviertel für 20.000 Menschen mit ungewöhnlichen, teils kontrovers diskutierten Bauprojekten. Sehenswert sind vor allem das "8 House" von Dänemarks Architektur-Star Bjarke Ingels mit seinen gestaffelten Wohnungen und das neue Konzerthaus des Franzosen Jean Nouvel. Ebenfalls einen Abstecher wert ist der "Amager Strandpark", eine künstlich aufgeschüttete Strandlandschaft am Øresund mit moderner Sichtbeton-Architektur.
Fünf Praxis-Tipps für Kopenhagen
Aussichtsplatz am Wasser: die Holzterrasse vor dem neuen Schauspielhaus mit Blick auf die Oper.

Aussichtsplatz am Wasser: die Holzterrasse vor dem neuen Schauspielhaus mit Blick auf die Oper.

Foto: Johannes Hünig
1. Mit dem Rad die Stadt erkunden
Kopenhagen ist eine der fahrradfreundlichsten Städte der Welt, auf den breiten Radwegen kommt man schnell und komfortabel von A nach B – ideal, um die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Räder vermieten die meisten Hotels, es gibt auch öffentliche Leihräder. Wichtig: Die Kopenhagener sehen das Rad als alltägliches Verkehrsmittel und halten sich strikt an die Regeln – besser nicht in falscher Richtung fahren oder im dichten Verkehr plötzlich halten, ohne ein Handzeichen zu geben!
2. Bootsfahrt buchen
Am Nyhavn, dem touristischen Zentrum der Stadt, starten regelmäßig Barkassen zur Hafenrundfahrt. Klingt nach Standard-Touristenprogramm, und das ist es auch – es lohnt sich aber trotzdem: Vom Wasser aus bekommt man einen guten Überblick über die Lage der Stadt und sieht nebenbei großartige neue und alte Architektur.

Der Mini-Trip führt durch idyllische Hafenbecken und macht schließlich noch einen Schlenker zur kleinen Meerjungfrau. Ideal zum Einstieg!
3. Die Stadt von Insidern zeigen lassen
Wer die Stadt abseits der klassischen Touristenpfade entdecken will, lässt sich am besten von Einheimischen an die Hand nehmen. Die Seite "CPH Cool" vermittelt private Guides, die Führungen durch angesagte Viertel oder zu den besten Design-Hotspots anbieten – auch für eine oder zwei Personen. Die spannendsten Neubauprojekte der Stadt kann man sich von den Architekten des Netzwerks "Guiding Architects" kompetent erklären lassen.
4. In Erlebnisse investieren
Wie alle skandinavischen Städte ist Kopenhagen vergleichsweise teuer; selbst für einfache Gerichte oder einen Kaffee zum Mitnehmen werden schnell stolze Summen fällig. Gönnen Sie sich deshalb lieber gleich etwas Besonderes, etwa ein Essen im "Jacobsen" oder ein Glas Wein auf der Panoramaterrasse vor dem Schauspielhaus.
5. Von Designmagazinen inspirieren lassen
Nicht nur beim Wohnen selbst, sondern auch bei ihren Einrichtungsmagazinen zeigen sich die Dänen beeindruckend stilsicher. Zeitschriften wie "Bo Bedre" und "Bolig" zeigen neueste Trends und typisch skandinavische Interieurs – eine inspirierende Lektüre, selbst wenn man kaum ein Wort versteht. Unser Favorit: das Magazin "Rum" mit fantastischen Fotos und geradlinigem Layout.
Autor: Johannes Hünig
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