Dekorieren mit Kerzen
Kerzen verbreiten im Handumdrehen eine gute Stimmung. Mit Laternen aus Treibholz, Stumpenkerzen und Feuerkörben bringen sie zusätzlich Stil in den Raum.
Die meisten Kerzen brennen hierzulande zu Ostern und zu Weihnachten. Doch als schneller Stimmungsmacher und als Deko- und Stilelement werden Kerzen immer öfter auch das ganze Jahr über angezündet. Profis benutzen dafür übrigens das gute alte Streichholz, kein Feuerzeug. Weil es viel sinnlicher ist und einen so angenehmen Geruch verbreitet.Kerzen aus Paraffin, Stearin und Bienenwachs
Kerzen aus Paraffin: Dieses Wachs wird in der Regel aus Erdöl gewonnen. Gereinigt kommt es dann als feines weißes Pulver, in Pastillenform oder flüssig auf den Markt. Paraffin lässt sich mit allen gängigen Herstellungsverfahren verarbeiten. Übrigens: Paraffin gibt es schon seit etwa 1830.
Kerzen aus Stearin: Tierische und pflanzliche Öle sowie Fette sind der Rohstoff, aus dem Stearin gewonnen wird. Ein Wachs, das bereits im Jahr 1811 erstmals hergestellt wurde. Es gelangt in Form von Perlen oder Flocken in die Produktion. Kerzen aus Stearin verursachen beim Abbrennen weniger Ruß als die wesentlich stärker verbreiteten Kerzen aus Paraffin.
Kerzen aus Bienenwachs: Der nach wie vor prominenteste Hersteller von Wachs ist die Biene. Natürliches Bienenwachs ist ein Stoffwechselprodukt, das an der Bauchseite ausgeschieden und zum Wabenbau verwendet wird. Für die Produktion von Kerzen wird das Wachs aus den Waben herausgeschmolzen und mittels Filtration gründlich gereinigt.
RAL-Gütezeichen für ausgezeichnete Qualität bei Kerzen: Kerzen von hoher Qualität sind mit dem so genannten RAL-Gütezeichen gekennzeichnet. Die Gütebestimmungen umfassen optische und technische Anforderungen sowie Anforderungen an die eingesetzten Hilfsstoffe. So muss zum Beispiel der Docht bei Kerzen mittig angeordnet und die Kerzen frei von Blasen, Rissen und Beschädigungen sein. Aber auch Farbintensität, Rußabgabe und die Dauer der Glühzeit nach dem Auspusten der Kerzen sind in den Bestimmungen geregelt. Darüber hinaus dürfen die gütegesicherten Kerzen keine Roh- und Hilfstoffe enthalten, die sich gesundheitsschädigend auf den Verbraucher auswirken.
Kerzen um 1500: eine stinkende Angelegenheit
Im Mittelalter führte vor allem der Bedarf der christlichen Kirche dazu, dass Bienenwachs als Kerzen-Rohstoff zu einem wichtigen Handelsgut wurde. Außerhalb von Kirchen und Adelshäusern wurden Kienspäne oder Kerzen aus minderwertigem Talg - so genannte Unschlitt-Kerzen oder Binsenlichter – verwendet. Rinderfett und Hammeltalg rochen und rußten stark und auch der Docht musste regelmäßig "geschneuzt" (gekürzt) werden.
Aus dem Jahr 1061 ist erstmals eine französische Innung der Lichtzieher bekannt, aus dem 14. Jahrhundert eine Innung der Kerzen-Gießer in Hamburg. Seit dem späten Mittelalter gab es in London zwei Kerzen-Händlergesellschaften: die Wachskerzen- und die Talgkerzenhändler.
Kerzen aus Talg wurden bis zum 17. Jahrhundert mit Arsenik geweißt. Erst ab 1725 stand Walrat, ein von sich aus weißer Kerzen-Grundstoff, zur Verfügung, der vornehmlich für Luxus-Kerzen benutzt wurde.
De Milly entwickelte und perfektionierte zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein Verfahren zur Herstellung von Stearin-Kerzen (Millykerzen). Stearinkerzenfabriken in Paris, Wien und Berlin folgten und mit ihnen eine allgemeine Verbreitung der Stearinkerzen.
Durch die in Wien ansässige "Kerzen- und Seifenfabrik Apollo" wurde die Stearin-Kerze unter dem Namen "Apollo-Kerze" populär, ebenso wie die "Etoilekerze" aus der unweit des Arc de Triomphe de l'Etoile gelegenen Pariser Fabrik.
Im Jahr 1839 wurden dann - kurz nach der Erfindung des Paraffins - Kerzen in Paris (von Seligue) und Manchester / England (von Young) hergestellt.
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