Dachausbau

Steffen Keil ist Deutschland-Chef der Kameralegende Leica und hat einen Blick für das Besondere. Für sein neues Zuhause im Odenwald wurde das baufällige Dach einer alten Mühle nach einem Dachausbau zum sonnigen Loft.

Ursprünglich war gar kein Dachausbau geplant: Steffen Keil wollte nur das Dach seines Großelternhauses neu decken lassen, damit die Waldmühle am Rande von Nieder-Beerbach nicht verfällt. Und sich selbst dort oben eine Art Hochsitz einrichten, in Erinnerung an den Spielplatz seiner Kindheit: den Odenwald. Je länger er sich jedoch mit dem Projekt beschäftigte, desto klarer wurde ihm, dass er sich nirgendwo je wohler gefühlt hat als hier. So wurde aus dem Hochsitz nach und nach ein erwachsener Dachausbau. Nicht ganz unschuldig daran: die für den Dachausbau gewonnene Darmstädter Architektin Anja Thede. In ihr fand Steffen Keil eine Art Alter Ego, eine Seelenverwandte, die mit spielerischer Sicherheit das in Form bringt, was er höchstens umschreiben kann. Ein Glücksfall für den Dachausbau. Auch für die Architektin. Denn Kunst, wie man weiß, braucht Mäzene, Architekten auch.
Dachausbau mit neu entworfenen Möbeln: 3 Beispiele
Individuelles Bücherregal Individuelles Bücherregal

Foto: Heiner Orth
Dachausbau mit neuen Möbeln, Beispiel eins: das Bücherregal. Keil klagte über normale Regalfächer, in die die großen Bildbände nicht hineinpassen. Schwups entwarf Thede parallel zum Dachausbau ein offenes Regal ohne Höhen- und Seitenbegrenzungen: Sie ließ in eine 22 mm dicke MdF-Platte unterschiedlich lange Schlitze einfräsen und steckte Regalböden hinein. Genial einfach, einfach genial.
Dachausbau mit neuen Möbeln, Beispiel zwei: das Kastenfenster. Keils Hymnen über die „Kraft der Natur“ und die „Weite der Landschaft“ bündelte die Architektin beim Dachausbau in einem Fenster, dessen 50 cm breiter und 6 cm dicker Rahmen sich wie ein Passepartout um den Ausblick legt, mehr noch: Es bildet eine Art architektonische Linse, in die man sich auch noch setzen soll. Das Fenster lässt sich zur Seite falten und dann sitzt man quasi im Freien - Hochsitz de luxe dank Dachausbau. Für Steffen Keil, dessen Hobbys Laufen und, natürlich, Fotografieren sind, ist diese Art Linse eine Hommage an alles, was ihm wichtig ist: Ästhetik, Natur und Ruhe. Persönlicher kann ein Dachausbau kaum sein.
Das Hochbetthaus Das Hochbetthaus

Foto: Heiner Orth
Dachausbau mit neuen Möbeln, Beispiel drei: das Hochbetthaus. Keil wünschte sich für den Dachausbau ein leicht und gut verdunkelbares Schlafzimmer. Dass sich ein Fotoliebhaber eine Dunkelkammer zum Schlafen wünscht, könnte man im digitalen Zeitalter als Nostalgie belächeln, in Wahrheit geht es aber um ein sehr schlichtes Bedürfnis, nämlich tiefen Schlaf zu finden, Erholung. Thede ersann für den Dachausbau eine Art Alkoven. Natürlich sollte dieses Refugium nicht die Luftigkeit des Dachausbaus stören. Und weil Thede außerdem noch Keils „Hochsitz“-Vision im Kopf hatte, verwundert es nicht, dass sich im Hochbetthaus gleich mehrere Träume des Bauherrn verdichten: Ausguck, Alkoven und Spielplatz. Davor spannt sich eine Brücke vom Eingang bis zum Giebel. Sie hat keine Funktion, außer einer ästhetischen: Sie füllt die Leere des Dachraums und hebt den Blick, sie zieht eine zweite Ebene ein. Und sie malt wechselnde Schattenbilder auf die Eichendielen, wenn die Sonne durch die Dachfenster scheint.
Tipps für den Dachausbau
  • Doppelstöckige Dachböden eignen sich hervorragend für großzügige, loftartig weite Wohnungen: Beim Dachausbau wird die Zwischendecke entfernt und das alte Gebälk möglichst erhalten. Das ergibt zusammen mit zusätzlichen Eisenträgern einen sowohl dekorativen wie spannenden Kontrast.
  • Beim Dachausbau die Gauben vollflächig und bis auf den Boden verglasen – so öffnet man die oft als eng empfundenen Dachschrägen und bringt jede Menge Licht herein.
  • In die Firstschrägen großflächige Dachfenster einlassen – so öffnet man das Dachgeschoss optisch nach oben, holt mehr Helligkeit herein und erzielt schöne Licht- und Schattenwürfe.
  • Mehr Platz dank Dachausbau: Ein Haus im Haus wie das "Hochbett" erlaubt wertvollen Stauraum im Sockel, zum Beispiel für eine Kleiderkammer oder einen Geschirrschrank. Der gewonnene Platz ermöglicht einen legeren Wohnstil ohne massige Möbel.