Hausboot und Hausboote

Foto: Hauke Dressler

Knapper Wohnraum in der Stadt macht das Hausboot vielerorts zur sinnvollen Haus-Alternative. Es überzeugt dabei mit Naturnähe und moderner Architektur.

In Großstädten sind Grundstücke für individuelle Traumhäuser Mangelware geworden. Städte am Wasser wie Kopenhagen, London oder auch Hamburg locken daher immer mehr potenzielle Hauseigentümer auch auf das Wasser - mit einem Hausboot.

Eigenschaften eines Hausbootes

Wie der Name bereits sagt, schwimmt ein Hausboot. Ein modernes Hausboot, das auch gern mal die Größe eines kleinen Wohnhauses annehmen kann, wird aber nicht mehr gefahren, sondern häufig nur noch geschleppt. Ein Bootsführerschein ist daher für Hausboot-Besitzer nicht zwingend nötig. Gebaut werden die massiven Wohnlandschaften auf schwimmenden Beton- oder Stahlpontons, die an festen Liegestellen angebracht sind. Dennoch spürt man auf einem Hausboot, dass es schwimmt. Je größer und massiver ein Hausboot ist, desto weniger Schwanken ist aber auch zu erwarten. Zudem werden Hausboot-Liegeplätze meist in Kanälen angeboten, die über keinen ausgeprägten Wellengang verfügen.

Vorteile

Heutzutage überwiegt beim Hausboot immer mehr eine moderne Architektur. Das leicht improvisierte Aussehen früherer Hausboote ist damit eher Vergangenheit. Wer jedoch ein Faible für Geschichte und Rustikales hat, kann auch beim Hausboot fündig werden. Alte, ausgediente Boote werden häufig zum Verkauf angeboten, so dass Bastler sich hier ihren Traum vom Hausboot verwirklichen können.
Wer kein altes Boot zum Hausboot umbauen möchte, lässt sich sein Hausboot vom Architekten komplett neu entwerfen. So können zukünftige Hausboot-Besitzer wie bei einem herkömmlichen Haus die Form, Anzahl der Stockwerke, aber auch Farben und Materialien frei wählen. Da nur die Außenwände tragend sind, ist auch die Raumaufteilung im Hausboot frei planbar. Besonders die Nähe zur Natur und Wasser sowie die stadtnahe Lage machen ein Hausboot für Bauherren heute so attraktiv.
Foto: Hauke Dressler

Nachteile

Schon allein durch seine Lage eignet sich ein Hausboot für Familien nicht unbedingt. Kinder können hier zu leicht ins Wasser fallen. Ein eigener Garten gehört ebenfalls nicht zum Hausboot. Außerdem gilt ein Hausboot noch immer als architektonische Besonderheit, so dass Neugierige gerne einmal einen etwas zu interessierten Blick in das Hausbootinnere werfen könnten. Die Privatsphäre kann dadurch manchmal eingeschränkt sein.

Falls noch kein weiteres Hausboot in der Nähe vorhanden ist, kommt auch die Frage der Erschließung hinzu: Internet, Wasser- und Stromleitungen müssen dann neu zum Hausboot verlegt werden und führen zu erhöhten Kosten. Alle zehn Jahre muss außerdem der Ponton vom Hausboot überprüft werden. Sollten Schäden vorhanden sein, muss das Hausboot umgehend repariert werden. Im äußersten Fall darf das Hausboot sogar nicht mehr bewohnt werden.

Fazit

Mit moderner Architektur hat das Hausboot seinen Ruf als Wohnort für Lebenskünstler heute abgelegt. Auch in Sachen Komfort steht ein Hausboot einem modernen Einfamilienhaus in kaum etwas nach, und Bauherren haben eine Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten für ihr Hausboot. Ob einstöckig, zweistöckig, mit Terrasse oder sogar Pool – Ideen sind auch beim Hausboot kaum Grenzen gesetzt, solange das eigene Budget eingehalten und einem vorhandenen Bebauungsplan entsprochen wird. Das Hausboot hat somit einen festen Platz als Alternative zum klassischen Haus gefunden - vor allem in der Großstadt. Vorausgesetzt, man kann mit Abstrichen bei der Privatsphäre und bei der Außenfläche in Form eines Gartens leben.

Hausboot - so geht's!

Sie planen, ein Hausboot zu bauen? Unsere sieben Tipps verraten, wie Sie zum eigenen Hausboot kommen:
Wer genehmigt Hausboote?
Zuständig ist das Bezirksamt, involviert sind mehrere Behörden: Verkehr, Umwelt, Stadtentwicklung, Wirtschaft (Hafen), Tourismus usw. Ausschlaggebend sind das jeweilige Wasserrecht und das Bauplanungsrecht.

Wie wichtig ist ein Architekt?
Da ein Hausboot meist ein schwimmendes Haus ist, unterliegt es baurechtlichen Genehmigungsverfahren wie Häuser an Land. Bauanträge für ein Hausboot dürfen nur von autorisierten Berufsständen wie Architekten eingereicht werden. Auch ein Hausboot muss allen (sicherheits-)technischen Anforderungen genügen. Also: Ohne Architekt geht gar nichts!

Ist jeder Stil beim Hausboot erlaubt?
Theoretisch ja, praktisch nicht immer. Bauämter tragen stets Sorge, dass das Umfeld einbezogen wird. Wo allerdings kein Bebauungsplan besteht, sind der Fantasie beim Hausboot keine Grenzen gesetzt.

Wer baut ein Hausboot?
Hausboote gründen auf einem Ponton aus Stahl oder Beton. Das zuständige Gewerk ist eine Werft. Dort beherrscht man auch das Zuwasserlassen und Bewegen solcher Schwimmkörper. In der Regel werden die Aufbauten vor Ort von Stahlbauern oder Holzbaufirmen ausgeführt.

Ist ein Führerschein für ein Hausboot nötig?
Ein Hausboot kann sich oft nicht von allein fortbewegen, sie werden geschleppt. Ihre Bewohner brauchen also keinen Motorbootführerschein.

Wie viel Eigenleistung geht?
Das Genehmigungsverfahren für ein Hausboot verlangt eine komplette Ausführungsplanung – und die kann nur der Architekt erstellen. Eigenleistung geht also bloß, wenn der Antragsteller auch Profi ist.

Muss man zum TÜV?
Stahlrümpfe und die meisten Betonpontons (manche haben eine unbegrenzte Erlaubnis) brauchen alle zehn Jahre ein Schwimmfähigkeits-Zertifikat. Das wird vor Ort durch Taucher überprüft. Im Zweifelsfall muss das Haus in die Werft geschleppt und repariert werden – oder es darf nicht mehr bewohnt werden.

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