Passivhaus und Passivhäuser

Wohnen im Passivhaus bietet modernen Wohnkomfort ganz ohne klassische Heizung.

Foto: Jürgen Holzenleuchter
Ein Passivhaus verbraucht extrem wenig Energie, ohne dass seine Bewohner in den kalten Monaten frieren müssen. Der niedrige Energieverbrauch im Passivhaus wird durch eine "passive" Nutzung von Wärme erreicht: Im Passivhaus reicht die Abwärme der Bewohner, der Haushaltsgeräte oder der Sonne beinahe vollständig aus, um das Passivhaus behaglich warm zu "heizen". Damit schlechte Luft im Passivhaus keine Chance hat, sorgt eine Lüftungsanlage mit modernem Wärmetauscher für einen regelmäßigen Luftaustausch. Bei Bedarf deckt sie auch den geringen Restwärmebedarf im Passivhaus.
Eigenschaften eines Passivhauses
Ein Passivhaus ist in der Regel ein Gebäude, das aufgrund seiner guten Wärmedämmung keine klassische Heizung benötigt. Der Begriff Passivhaus bezeichnet dabei nicht einen bestimmten Bautypus, sondern die "passive" Wärmegewinnung des Hauses, kombiniert mit einer Lüftungsanlage. Beides wird benötigt, um die Energiestandards von einem Passivhaus zu erreichen.
Foto: Victor Brigola
Oberstes Gebot im Passivhaus: den Wärmeverluste durch Transmission oder Lüftung so gering wie möglich zu halten. Dach, Gebäudehülle und Fenster, aber auch Kellerwände und Fundamente werden beim Passivhaus deswegen gründlich wärmeisoliert. Die Lüftungsanlage sorgt im Passivhaus für eine regelmäßige Frischluftversorgung. Praktisch: Die moderne Anlage erwärmt die frische Luft beim Hereinströmen mit der Energie der Abluft aus dem Passivhaus. Die Gebäudehülle rund ums Passivhaus ist durch die gute Isolierung dagegen weitgehend luftundurchlässig.
Wenn Sie ein Passivhaus planen, sollten Sie noch sorgfältiger als bei jedem anderen Wohngebäude darauf achten, dass keine Wärmebrücken oder undichten Stellen entstehen. Dreifach verglaste Fenster gehören beim Passsivhaus zum Standart. Hochwertige Spezialfenster lassen in den kalten Monaten mehr Sonnenenergie in das Passivhaus hinein, als sie Wärme nach außen abgeben. Aufgrund des höheren Sonnenstandes kann das Passivhaus im Sommer bei Südfenstern nicht überhitzen. Planen Sie Glasflächen im Passivhaus bestensfalls südorientiert. Ost- oder West-Fenster führen schnell zu einem unerwünschten Brutkasteneffekt im Sommer.
Vorteile
Vorteile Foto: Victor Brigola

  • sehr große Energieersparnis
  • niedrige Unterhaltungskosten
  • konstante Temperatur im Haus
  • kompakte Haustechnik

Wesentlicher und unschlagbarer Vorteil an einem Passivhaus ist sein im Vergleich zu einem konventionell errichteten Gebäude unglaublich niedriger Energieverbrauch. Als Besitzer von einem Passivhaus können Sie mit Schulterzucken auf steigende Öl- oder Gaskosten reagieren. Ihr Passivhaus wird allein durch Abwärme und Sonnenenergie behaglich warm. In Deutschland wird ein Passivhaus durch ein zinsvergünstigtes Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert. Viele Länder ergänzen mit regionalen Förderprogrammen.

Angenehm: Im Passivhaus herrscht eine deutlich konstantere Temperatur als in anderen Wohngebäuden. Die Innentemperatur ändert sich nur langsam. Selbst bei ausgeschalteter "Heizung" im Winter sinkt sie im Passivhaus um weniger als ein halbes Grad am Tag.

Wer Angst vor klobiger Haustechnik hat, kann angesichts der Anlagen im heutigen Passivhaus beruhigt aufatmen. Diese passt meist in einen Wandschrank im Passivhaus. Lüftung mit Wärmerückgewinnung, eine kleine Wärmepumpe für Luft- und Brauchwassererwärmung sowie ein Brauchwasserspeicher sind oft in kompakte Geräte für das Passivhaus integriert. Filterwechsel können von Bewohnern im Passivhaus mit etwas Geschick selbst übernommen werden. Die Kosten für die Energie der Warmwasserbereitung und Lüftung liegen bei einer vierköpfigen Familie im Passivhaus bei rund 400 Euro pro Jahr. Deutlich weniger also, als diese beispielsweise für den Betrieb einer Fußbodenheizung ausgeben müsste, die im Passivhaus nicht nötig ist.
Nachteile

  • höhere Baukosten
  • größerer Zeitaufwand beim Bau
  • noch keine Lösungen von der Stange

Ein Passivhaus ist als Neubau etwa fünf bis 15 Prozent teurer als ein konventionell gebautes Haus. Wenn Sie einen Altbau sanieren und in ein Passivhaus umwandeln möchten, liegt Ihr finanzieller Mehraufwand zwischen zehn und 18 Prozent. Wer ein Passivhaus bauen möchte, muss also anfangs tiefer in die Tasche greifen.

Neben dem finanziellen muss auch der zeitliche Aufwand beim Bau von einem Passivhaus bedacht werden. Die Gebäudehülle rund ums Passivhaus aber auch die unterirdischen Bauten wie Keller und Fundament müssen besonders sorgsam gedämmt werden. Arbeiten, die die Bauzeit von einem Passivhaus im Vergleich zum konventionellen Haus verlängern. Hinzu kommt, dass es (noch) nicht allzuviele Lösungen von der Stange für Ihr Passivhaus gibt. Anbieter, bei denen Sie alles aus einer Hand für Ihr Passivhaus bekommen können, sind rar, denn ein Passsivhaus ist als unkompliziertes Typen- oder gar Fertighaus noch nicht zu haben.
Fazit:
Ob aus ökologischer Überzeugung oder aus Kostengründen – ein Leben im Passivhaus zahlt sich trotz der erhöhten Baukosten auf lange Sicht aus, denn die Unterhaltungskosten von einem Passivhaus bleiben weit hinter denen konventioneller Bauten zurück. Spätestens nach zehn Jahren rechnet sich die Investition in die Haustechnik, meist ist dann die Amortisationszeit der teureren Isolationsarbeiten und der Technik verstrichen. Nicht vergessen werden darf allerdings der moderne Wohnkomfort, den Bewohner von einem Passivhaus von Anfang an genießen. Diese schwören zumeist auf das angenehme Raumklima, die behagliche Wärme im Winter und die gute Luftqualität in ihrem Passivhaus.
Geeignet für:
  • Familien mit Kindern
  • Menschen, die konsequent energiebewusst wohnen möchten
  • Fans moderner Haustechnik