Fachwerkhaus und Fachwerkhäuser

Das Fachwerkhaus ist ein vielseitiger Haustyp. Trotz Denkmalschutz bietet es viele individuelle Möglichkeiten zum Umbau - teilweise sogar mit staatlicher Förderung.

Foto: Heike Schöder
Wer im Fachwerkhaus wohnt, lebt oft mit mehreren Jahrhunderten Geschichte unter einem Dach. Geschätzte zweieinhalb bis vier Millionen Gebäude gehören deutschlandweit zur Gattung Fachwerkhaus. Viele sind dabei von außen gar nicht als Fachwerkhaus zu erkennen, weil ihre typische Fassade verputzt ist oder die Wände mit Platten oder Schindeln versehen wurden.
Eigenschaften eines Fachwerkhauses
Ein Fachwerkhaus besteht aus einem Holzskelett und so genannten Ausfachungen, die mit verschiedenen Materialien den Leerraum zwischen den Holzbalken füllen. Beim historischen Fachwerkhaus wurde nur Eichen- oder Fichtenholz verbaut, das mit einem Beil bearbeitet wurde - niemals gesägtes Holz. Oft sind Balkenenden, Bodenschwellen und diagonal angebrachte Holzbohlen unter den Deckenbalken noch aufwendig geschnitzt und mit Malereien versehen. Im traditionellen Schwarzwaldhaus, auch ein Fachwerkhaus im weiteren Sinne, finden sich Holzbohlen in den Freiräumen der Balken. Im niederdeutschen Raum dominiert Ziegelwerk. Ein im alemannischen oder mitteldeutschen Stil erbautes Fachwerkhaus hat Ausfachungen aus Lehm, der mit einem hellen Kalkputz geschützt ist.

Bundesweit fühlen sich noch rund zwei Dutzend Hersteller dem traditionellen Fachwerkhaus verpflichtet und bieten entweder ein genormtes oder individuell geplantes Fachwerkhaus an. Eine Fabrikfertigung und die Anlieferung ganzer Wandelemente ist beim Fachwerkhaus jedoch nicht möglich. Zwar werden die Balken in einer Werkhalle zugeschnitten, dann aber wie früher von Hand zusammengebaut. Wie die Gefache am Fachwerkhaus ausgekleidet werden, bleibt ganz den Wünschen des Bauherrn überlassen.
Vorteile
Vorteile Foto: Heiner Orth
positiv:

  • individuelles Wohnen
  • lange Geschichte
  • öffentliche Förderung bei Sanierungsarbeiten möglich

Kein historisches Fachwerkhaus ist wie das andere, jedes Fachwerkhaus hat seinen individuellen Charme und seine ganz eigene Geschichte. Somit eignet sich ein Fachwerkhaus besonders als Wohnhaus für Menschen, die das Besondere suchen, einen Hang zum Sanieren geschichtsträchtiger Altbauten haben oder den Charme der oftmals von innen sichtbaren Balkenkonstruktion im Fachwerkhaus schätzen.
Auch ein ausgebautes Fachwerkhaus, das zuvor als Scheune genutzt wurde, birgt oft ungeahnte Nutzungsmöglichkeiten. So können hier Wohn- oder Büroräume Platz finden, ohne dass die typische Balkenkonstruktion im Fachwerkhaus in den Hintergrund tritt. Gerade ein sehr altes Fachwerkhaus liegt meist zentral in der Innenstadt. Kurze Wege zum Einkaufen, zur Schule oder zum Arbeitsplatz sind daher weitere Vorteile, die ein Fachwerkhaus bieten kann.
In manchen Landkreisen, Städten und Gemeinden haben außerdem Bauherren die Möglichkeit, Zuschüsse für ein Fachwerkhaus zu beantragen. Voraussetzung ist dabei, dass die Sanierungsarbeiten am Fachwerkhaus vor dem Start mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden. Auskünfte dazu gibt es bei der jeweiligen Gemeindeverwaltung. Tipp: Für Grundbesitz, dessen Erhalt aus Denkmalschutzgründen von öffentlichem Interesse ist, wird die Grundsteuer mitunter erlassen. Ob das auch für Ihr Fachwerkhaus gelten kann, prüft die Grundsteuerstelle.
Nachteile
negativ:

  • kleine Zimmer
  • meist nicht für Senioren geeignet
  • teure Sanierung

In der Regel sind die Zimmer im Fachwerkhaus klein. Manchmal lässt sich durch Wanddurchbrüche mehr Raum im Fachwerkhaus erzielen, dennoch bleiben zumindest die tragenden Balken stehen und verkleinern den Raum optisch. Auch muss die Möblierung im Fachwerkhaus sorgfältig geplant sein. Schiefe Wände verhindern oftmals Lösungen von der Stange. Gerade bei der Kücheneinrichtung im Fachwerkhaus kann das zu massiven Problemen führen. Ebenfalls scheidet ein Fachwerkhaus als Altersdomizil aus, da steile Treppenstufen und geringe Raumgrößen seniorengerechtes Wohnen im Fachwerkhaus häufig unmöglich machen.

Trotz möglicher Förderungen vom Denkmalschutz ist es außerdem teuer, ein Fachwerkhaus zu sanieren. Versteckte Schäden können die geplanten Kosten schnell in die Höhe treiben. Angesichts der heutigen Energiepreise ist beim Fachwerkhaus auch eine gründliche Wärmeisolierung bei der Sanierung einzuplanen. Ausführen sollte sie ein Fachbetrieb - so bleibt soviel Bausubstanz wie möglich am Fachwerkhaus erhalten und werden gleichzeitig Wärmebrücken an der Balkenkonstruktion vermieden.
Fazit:
Ein Fachwerkhaus ist ein Haustyp, der für viele Nutzungsarten in Betracht kommt. So eignet sich das Fachwerkhaus als Wohnhaus ebenso wie als Büro oder Ladenlokal mit besonderem Charme. Eine derart breite Gestaltungsvielfalt wie beim Neubau wird der Nutzer im historischen Fachwerkhaus nicht vorfinden, hier heißt es, sich eher jahrhundertealten Gegebenheiten anzupassen und im Einklang mit ihnen zu leben. Dennoch verspricht das traditionelle Fachwerkhaus individuelle und repräsentative Wohn- und Arbeitsformen, die heute vielfach gesucht werden. Denn: Wer im Fachwerkhaus lebt, wohnt einzigartig.
Geeignet für:
• Individualisten
• Altbaufans
• Liebhaber ungewöhnlicher Wohnformen