Fassade und Fassaden

Fassaden haben nicht nur einen funktionalen Zweck, sie spiegeln auch Qualität und Charakter eines Hauses wider.

Foto: Braas
Der Begriff Fassade entstammt dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß so viel wie Angesicht. Die Gestaltung einer Fassade folgt nicht nur praktischen Überlegungen, sondern auch den künstlerischen Ansprüchen der Erbauer. Schon der römische Architekt Vitrus erkannte ein Jahrhundert vor Christus, dass die Fassade den Anmut und die Schönheit eines Bauwerks zu untermalen weiß.

In den unterschiedlichen architektonischen Epochen wurde der Gestaltung der Fassade stets eine große Bedeutung beigemessen. Die Fassade eines Gebäudes wies auch auf den Nutzen und die Bedeutung des Baus hin. So wurde schon von außen vermittelt, was den Besucher drinnen erwartet. Besonders die Fassaden aus der Zeit des Historismus und der Renaissance dienten mit ihren geradezu pompösen Ornamenten der Befriedigung ästhetischer Bedürfnisse. Die Fassade sollte nicht nur die Haut, sondern auch die Seele des Hauses sein.

Mit dem Einzug des funktionellen Pragmatismus in die moderne Architektur verlor die Fassade ihre Bedeutung als repräsentative Zurschaustellung herrschaftlicher Ansprüche. Der Bauhaus-Stil beschränkte sich bei der Gestaltung der Fassade auf das vermeintlich Wesentliche – den Innenraum und dessen Aufteilung. Die Fassade war nur noch schmückendes Beiwerk, das vernachlässigt werden konnte. Die prächtigen, verspielten und organisch geformten Fassaden des berühmten Architekturdoktors Hundertwasser folgten einem entgegengesetzten Ziel. Er erkannte die Wirkung der Fassade auf das Wohlbefinden der Bewohner. Die rationale und sterile Symbolik vieler Fassaden bei Wohnhäusern waren für ihn ein Gräuel.
Fassaden vermitteln durch ihre visuelle Gestaltung nicht nur eine bestimmte Außenwirkung, Fassaden erfüllen auch ganz rationale Zwecke, die für mehr Komfort und Wirtschaftlichkeit im Inneren sorgen sollen. Das geschickte Zusammenspiel von gewährtem Ausblick und gewünschtem Einblick ist schon bei der Planung der Fassadenform zu berücksichtigen. Die Ausrichtung des Hauses ist ebenso wichtig für die Wirkung einer Fassade wie die Größe und Anzahl der Fenster und die Einbettung der Balkone. Neben dem Gesamteindruck der Außenansicht sind auch ökonomische Überlegungen bei der Wahl einer Fassade von Bedeutung. Die Fassade schützt das Haus nicht nur vor Beschädigungen durch Witterungseinflüsse – sie trägt bei entsprechender Materialauswahl auch zur Wärmedämmung bei und kann so den Energieverbrauch senken.

Fassaden sind heutzutage mehr als aufgesetzte Masken. Selbst alte und unwirtschaftliche Gebäude können durch die nachträgliche Anbringung einer modernen Fassade in neuem Glanz erstrahlen. Ob Putz, Holz, Glas oder moderne Verbundstoffe – jedes Gebäude lässt sich durch eine passende Fassade aufwerten und erfreut sowohl Besitzer als auch Besucher schon aus weiter Ferne.

Auch bei der Erneuerung historischer Fassaden können traditionelle Arbeitstechniken und moderne Materialien ergänzt werden, damit eine optimale Wärme- und Schalldämmung realisiert werden kann, ohne den ureigenen Charme des Hauses zu beschädigen.